1. News
  2. Kultur & Medien

Schaupsieler lebt in Bornheim: Günter Lamprecht feiert 90. Geburtstag

Schaupsieler lebt in Bornheim : Günter Lamprecht feiert 90. Geburtstag

Er trat auf Bühnen in ganz Deutschland auf und wirkte bei zahlreichen Filmproduktionen mit: Der Schauspieler Günter Lamprecht wird 90. Als Franz Biberkopf schrieb er Fernsehgeschichte. Heute wohnt er in Bornheim.

Die Angelsachsen nennen einen wie ihn einen „working actor“: einen Schauspieler, der nicht nur von vergangenem Ruhm zehrt, sondern weiterhin lebt, um zu arbeiten. Günter Lamprecht, der heute 90 wird, gehört zu den wichtigsten Charakterköpfen des deutschen Theaters, Fernsehens und Films. Rainer Werner Fassbinder mit seinem untrüglichen Blick für kongeniale Darsteller hat ihn für die 1980 gesendete ARD-Serie „Berlin Alexanderplatz“ nach dem Roman von Alfred Döblin verpflichtet. Lamprecht spielte die Hauptfigur mit einer Genauigkeit und Komplexität, als sei er als der vom Schicksal unerbittlich geprüfte Franz Biberkopf geboren worden.

Der Regisseur Tom Tykwer, Jahrgang 1965, wusste, wen er für seine Serie „Babylon Berlin“ gewinnen wollte. Lamprecht verkörperte in der zweiten Staffel souverän den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Manchmal gehen Wünsche eben in Erfüllung. 2010 hatte Lamprecht noch in einem Interview mit Hoffnung in der Stimme gesagt: „Ich warte noch auf die richtige, schöne Rolle oder den Regisseur, der sagt: ,Ich muss da noch was mit dem Lamprecht machen, ehe er uns wegstirbt.’“

Lamprecht, geboren am 21. Januar 1930 in Berlin, wuchs in Kreuzberg auf. Bevor er 1953 Schauspielunterricht nahm, absolvierte er Stationen als Dachdeckerlehrling, als Arbeiter in einer Knopffabrik und als Orthopädiehandwerker. Nebenbei versuchte er sich als Amateurboxer, unter anderem mit Bubi Scholz als Trainingspartner.

Sein Privatleben hat einen regionalen Bezug

1955 gab er sein Bühnendebüt am Berliner Schillertheater. Der Rest ist eine ereignisreiche Schauspielererfolgsgeschichte. Ein besonders befriedigendes Kapitel darin stellt für ihn Peter Beauvais’ Drama „Rückfälle“ von 1977 dar, in dem Lamprecht einen Alkoholiker verkörperte: „Nach der Ausstrahlung erhielt ich ganze Waschkörbe mit Post von Betroffenen.“

Sein Privatleben hat einen regionalen Bezug. Lamprecht hat sich für Bornheim als Lebensmittelpunkt entschieden. Er ist Rösberger. Mit seiner Lebensgefährtin Claudia Amm ist er nach Rösberg gezogen und stellte 2010 gegenüber dieser Zeitung fest: „Hier bin ich glücklich. Auch wenn das kitschig klingt: Wenn ich zum Beispiel hier morgens aufwache und der Hahn kräht, oder wenn ich mit den Bäumen spreche. Wenn ich mich mit der Natur verbunden fühle. Das macht mich glücklich.“ Dass Glück kein Dauerzustand sein kann, hatte der Schauspieler 1999 auf drastische Weise erfahren. Lamprecht, Claudia Amm und der Chauffeur der beiden wurden nach einem Theatergastspiel in Bad Reichenhall von einem 16-jährigen Amokläufer schwer verletzt. Bei dem Amoklauf starben fünf Menschen, darunter der Schütze, der sich selbst erschoss.

Ein Jahr später erschien Lamprechts Autobiografie „Und wehmütig bin ich immer noch“, gefolgt von „Ein höllisches Ding, das Leben“ 2007. Der Schauspieler überzeugte auch als Autor, obwohl er zugab: „Ich kann wirklich klar und deutlich sagen: Das Schreiben war eine Tortur, es war nicht einfach.“  Lamprecht verwandelte sich in einen gefragten Vorleser. Den Zuhörern, einem neuen Publikum, hatte der Mensch und Menschendarsteller viel zu sagen.