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Filmtipp: Hinter den Kulissen von Hollywood

Filmtipp : Hinter den Kulissen von Hollywood

Netflix zeigt David Finchers „Mank“ über die Hintergründe von „Citizen Kane“ und porträtiert den Drehbuchautor Herman J. Mankiewicz.

Ein Geschäft, bei dem der Käufer nichts als eine Erinnerung bekommt – das ist die wahre Magie des Kinos“ schwärmt der MGM-Studioboss Louis B. Mayer (Arliss Howard), dessen Geschäfte auch in der Weltwirtschaftskrise prächtig laufen. Eine solche Erinnerung, allerdings eine sehr nachhaltige, ist auch Orson Welles‘ „Citizen Kane“ (1941). Das cineastische Meisterwerk gehört bis heute zu den einflussreichsten Filmen der Kinogeschichte. Die Filmproduktionsfirma RKO sicherte 1940 dem als Wunderkind gefeierten Welles absolute kreative Freiheit ohne jegliche Kontrolle zu. Im Studiosystem der damaligen Zeit war eine solche „Carte Blanche“ für einen Debüt-Regisseur ein ungeheuerlicher Vorgang. Genau hier setzt David Finchers Netflix-Produktion „Mank“ ein, in der die Entstehungsgeschichte von „Citizen Kane“ aus der Perspektive des Drehbuchautors Herman J. Mankiewicz (Gary Oldman) beleuchtet wird. In Hollywood ist der Alkoholiker mit dem losen Mundwerk nur noch leidlich gelitten. Nach einem Autounfall für mehrere Monate ans Bett gefesselt, willigt er in Welles‘ Forderung ein, das Drehbuch in nur zwei Monaten zu schreiben, ohne dass sein Name im Abspann auftaucht. Von der Abgeschiedenheit des Krankenbetts schwingt die Filmhandlung immer wieder zurück in die dreißiger Jahre.

Dauergast bei Dinnerparties

Damals geriet der viel beschäftigte Drehbuchautor in den Dunstkreis des Zeitungszaren William Randolph Hearst (Charles Dance), der später als Vorlage für die Figur Charles Foster Kane dienen wird. Der schlagfertige Mankiewicz wird zum Dauergast bei den Dinnerparties, die Hearst mit den Größen aus Politik und Filmindustrie auf seinem luxuriösen Anwesen ausrichtet. „Ich habe gehört, wie er am Telefon geholfen hat, das Kabinett des Präsidenten auszuwählen, als würde er einen Film besetzen“, sagt Hearsts Geliebte Marion Davis (Amanda Seyfried) und es wird plötzlich ganz leise im Saal.

An der Nahtstelle zwischen Entertainment und Politik wird Mankiewicz als zynischer Hofnarr im Haus des Medienmoguls auch Zeuge, wie Hearst im Verein mit MGM-Chef Mayer durch gefälschte Wochenschauberichte die Gouverneurswahl in Kalifornien beeinflusst, wo der Schriftsteller Upton Sinclair mit sozialistischen Positionen kandidiert.

Bezüge zur Ära Trump

Auch wenn Fincher „Mank“ in erlesenem Schwarz-Weiß streng als filmhistorische Abenteuergeschichte inszeniert, sind die aktuellen Bezüge zur Ära Trump und dem Fake-News-Zeitalter offensichtlich. Fincher zeigt Mankie­wicz als zynischen Beobachter, der auf dem Krankenbett sein politisches Gewissen wieder entdeckt und eine moralische Renitenz entwickelt, die der Schlüssel für ein späteres filmisches Meisterwerk bildet. Über die tatsächliche Autorenschaft von „Citizen Kane“, die Welles und Mankiewicz gleichermaßen für sich beanspruchten, ist in der Filmgeschichtsschreibung schon viel gestritten worden.

Mit „Mank“ zeigt Fincher, dass Meisterwerke im Kino aus einem Zusammenspiel verschiedener Kräfte entstehen. Ein erfahrener Autor, der nichts mehr zu verlieren hat, und ein junger, begabter Regisseur, der hoch hinaus will, bildeten die explosive Mischung, die „Citizen Kane“ politische Brisanz und künstlerische Kraft verliehen haben.