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Premiere im Kleinen Theater: "Honig im Kopf" und ein bisschen Kitsch

Premiere im Kleinen Theater : "Honig im Kopf" und ein bisschen Kitsch

Der 86-jährige Theaterchef Walter Ullrich spielt und inszeniert eine Tragikomödie nach Til Schweigers Kinoerfolg im Kleinen Theater Bad Godesberg.

Die kleine Tilda weiß genau, was ihr Opa hat: Alzheimer. Ihr Kinderarzt hat ihr erklärt, dass alte Leute manchmal wieder wie Kinder werden. Amandus Rosenbach war immer ein humorvoller, lebensfroher Mann. Doch bei der Trauerfeier für seine geliebte Gattin gerät ihm einiges durcheinander.

Da fehlen nicht nur Wörter und Namen, sondern komplette Zusammenhänge. Es fühlt sich, wie er selbst sagt, so an, wie „Honig im Kopf“.

Der 86 Jahre alte Intendant Walter Ullrich spielt ungemein überzeugend das rüstige Familienoberhaupt, dessen Gehirn zunehmend merkwürdige Volten schlägt. Von den kleinen Irritationen der Selbstwahrnehmung bis zum Festhalten an glücklichen Erinnerungen, vom Orientierungsverlust bis zu den hellsichtigen Momenten.

Von der Angst, etwas falsch zu machen, bis zur sorglosen Anarchie. Und mit dem genauen Gefühl, dass seine kleine Prinzessin es gut mit ihm meint.

Ullrich hat in seinem Kleinen Theater die berührende Geschichte nach dem erfolgreichen Film von Til Schweiger auch selbst inszeniert. In einer auf vier Figuren reduzierten Bühnenfassung von Florian Battermann und René Heinersdorff.

Eine konzentrierte Version des Stoffes also, die das Geschehen sehr nah ans Publikum heranholt. Für Ausblicke auf die diversen Schauplätze sorgen Videoprojektionen (Ausstattung: Christian Baumgärtel).

Es ist freilich eine Komödie, kein larmoyantes Trauerspiel zur aktuellen Thema Demenzkrankheit. Enkelin Tilda findet Opas Chaos ziemlich lustig. Der stellt ganz ungestraft das Gemüse ins Bücherregal und verwechselt auch mal den Kühlschrank mit der Toilette.

Zugegeben, wie er das Gartenfest seiner Schwiegertochter ruiniert, ist schon fast kriminell. Opas Einzug in die gepflegte Familienvilla kann also nur eine Zwischenlösung sein und führt zudem zu einem handfesten Ehekrach zwischen Sohn Niko und dessen Ehefrau Sarah.

Kerstin Baldauf und Nikolaus Knauf verkörpern glänzend das bürgerliche Paar, beruflich im Dauerstress und mit einem verrückten alten Herrn im Haus endgültig an der Grenze ihrer Toleranz. Das aufgeweckte Töchterchen Tilda nimmt’s cool und unverblümt: „Papa hat mit seiner Sekretärin gesext, Mama hat sich von ihrem Chef flachlegen lassen.“

Eva Wiedemann spielt einfach bezaubernd die muntere Göre, die trotzig die Sache selbst in die Hand nimmt und ihren vergötterten Opa kurzerhand entführt. Nach Venedig, wo dieser einst mit der Oma die Flitterwochen verbrachte. Eine Zeitreise also zu dem unvergesslichen Sehnsuchtsort, wo der junge Tierarzt Amandus sein größtes Glück fand.

Wie das ebenso blitzgescheite wie naive Mädchen alle Hindernisse meistert, ist die lustige Seite des Abenteuers. Fast zu Tränen rührt indes die wunderbare Freundschaft zwischen dem Kind und dem infantil gewordenen Alten.

Natürlich fliegen die Eltern den Ausreißern hinterher und fangen sie ein. Amandus wird am Ende Tilda nicht mehr erkennen. Aber es bleibt das Gefühl, nicht nur Honig im Kopf zu haben, sondern den Himmel offen zu sehen.

Das darf ruhig ein bisschen kitschig sein und echte Probleme ausblenden. Liebenswürdiges Theater zum Lachen und Weinen bleibt es und wurde bei der Premiere nach knapp zwei Stunden (inklusive Pause) entsprechend herzlich gefeiert.

Nächste Vorstellungen am 22. sowie vom 24. bis 31. Mai täglich um 20 Uhr. Danach wieder ab dem 10. Juni. Kartentelefon 0228/362839. Weitere Infos unter www.kleinestheater-badgodesberg.de