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c/o pop in der Kölner Philharmonie: Im Klassiktempel

c/o pop in der Kölner Philharmonie : Im Klassiktempel

Der junge britische Singer-Songriter und Rockpoet Jake Bugg in Köln: Die Philharmonie ist am Donnerstag zwar nur halb voll, aber die Fans sind begeistert

Bernd Schuknecht

Das Konzert von Jake Bugg, das der englische Jung-Star im Rahmen des „c/o pop“ Festivals vor rund 900 begeisterten Fans in der Kölner Philharmonie gab, ließ einerseits einen kleinen Ausschnitt Pop-Geschichte lebendig werden und zeigte andererseits das zukunftsorientierte Potenzial dieses Ausnahmetalents, das 2011 als 17-Jähriger beim Glastonbury Festival seinen Durchbruch hatte.

Den ersten akustischen Konzertteil eröffnete der Singer-Songwriter mit ,,On My One“, dem Titelsong seines erst im Juni veröffentlichten dritten Studioalbums. Nur wenige können heutzutage den Blues so unangestaubt zeitgemäß interpretieren wie Bugg, dessen Gitarrespiel mehr Aufbegehren als Resignation ausstrahlt, und dessen Stimme eine wandlungsfähige Mischung ist.

Da schwingt die schneidende Intonation von Placebo-Sänger Brian Molko ebenso mit wie Liam Gallaghers pathetische Oasis-Rotzigkeit oder auch Bob Dylans Country-Näseln. Mit bemerkenswerter Stimmkraft versteht er es, Gefühle mit empathischem Feuer zu erhitzen, aber dann jagt er mit analysierender Eiseskälte auch manch' fröstelnden Schauer über den Rücken. Oder ist das doch die Klimanalage? Nach weiteren Songs wie „Strange Creatures“ oder „Trouble Town“, einer eher zweifelhaften Würdigung seiner Heimatstadt Nottingham, findet der akustische Konzerteil unter frenetischem Beifall sein Ende.

Dann geschieht Ähnliches wie beim beim Newport Folk Festival 1965, als Bob Dylan plötzlich zur E-Gitarre griff und seine Folkies mit harten Sounds schockte, die ihn daraufhin des musikalischen Verrats bezichtigten. Die Konsequenz ist für Jake Bugg in Köln allerdings eine andere. Viele Fans feiern auch den Stilwechsel, stehen auf und applaudieren im Rhythmus zu „Messed Up Kids“ oder versuchen auf engstem Raum zu tanzen, obgleich der Song „Never Wanna Dance“ heißt. Bugg wird von einem perfekten Zuspiel von Orgel, Bass und Schlagzeug unterstützt. Für einen auf der Akustischen klampfenden Singer-Songwriter brilliert er gleichfalls auf der Elektrischen. Mit harten Riffs treibt er seinen Country, R'n'B und Soul beeinflussten Rock immer wieder zu galoppierendem Tempo an. Auch seine Soli klingen frisch und überzeugend inspiriert. Man merkt die musikalische Wesensverwandtschaft zu Johnny Marr, mit dem er bereits gemeinsame Konzerte gegeben hat.

Es ist die seltene Kombination aus jugendlicher Unbefangenheit, mit der sich Jake Bugg der Popgeschichte angenommen hat, sowie die unglaubliche Souveränität eines hochbegabten Musikers, der anscheinend alles kann und dennoch ganz bescheiden sein Ding macht, die das Publikum zu Recht jubeln lassen.