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Filmtipps: Kino-Klassiker für Kinder neu aufleben lassen

Filmtipps : Kino-Klassiker für Kinder neu aufleben lassen

Was Kindern in Zeiten von Corona gefallen könnte: Beliebte Kino-Klassiker von „Lippels Traum“ bis „Hände weg von Mississippi“ können zu Hause wiederentdeckt werden.

Anders als Erwachsene, die sich in der Regel mit einer einmaligen Sichtung eines Film begnügen, schauen sich Kinder ihre Lieblingsfilme gern immer und immer wieder an. „Nochmal“ heißt es da aus dem Kindermund, wie bei allem, was Spaß macht und nach Wiederholung ruft. Für die lieben, weniger repetitiv strukturierten Eltern kann drei mal die Woche „Ice Age“ jedoch schnell zu nervlichen Zerrüttungserscheinungen führen. Der Lieblingsfilm meiner Tochter hieß zum Glück „Hände weg von Mississippi“. Über viele Lebensjahre hinweg haben wir den Film an verregneten Nachmittagen, als Trostpflaster bei einer Magen-Darm-Grippe oder einfach nur aus Spaß angesehen. Sicherlich fünfzig Mal. Eher mehr. Es gibt nur wenige Filme, die so etwas aushalten. Aber Detlev Buck hat hier Cornelia Funkes Kinderbuch derart liebe- und humorvoll verfilmt, dass das familiäre Sehvergnügen noch weiter wächst, auch wenn oder gerade weil alle auf dem Sofa die Dialoge mitsprechen können. Man spürt hier die Freude des friesischen Bauernsohnes Buck, sich an die eigene Kindheit mit augenzwinkernder Verklärung zu erinnern. Gedreht wurde im Biosphärenreservat am Schaalsee an der Grenze zu Schleswig-Holstein, das mit goldenen Kornfeldern, saftigen Wiesen, verwilderten Vorgärten und einem weiten blauen Himmel die idyllische Idealkulisse für das sommerliche Kinderabenteuer bietet. Die zehnjährige Emma (Zoë Charlotte Mannhardt) verbringt hier die Ferien bei ihrer eigenwilligen Großmutter Dolly (Katharina Thalbach), die auf dem eigenen Hof ein kunterbuntes Tierasyl eingerichtet hat.

Entführung und Erpressung

Als nach dem Tod des Dorfexzentrikers Klipperbusch dessen Stute Mississippi zum Abdecker gebracht werden soll, kaufen Dolly und Emma den alten Gaul für eine Hand voll Euros zum Schlachterpreis. Aber als der geldgierige Neffe Albert Gansmann (Christoph Maria Herbst), der einen Discounter auf dem Anwesen seines Onkels errichten will, von einer Klausel im Testament des Verstorbenen erfährt, will er plötzlich das Pferd wieder haben und schreckt selbst vor Entführung und Erpressung nicht zurück. Buck spickt die Handlung mit zahlreichen Slapstick-Einlagen vom Schweine-Rodeo bis zur finalen Tortenschlacht. Die schrägen Nebenfiguren kommen unübersehbar aus dem Buck’schen Humoruniversum und sind vom opportunistischen Dorfdeppen (Milan Peschel) bis zur wortkargen Vorgartentante (Heidi Kabel) prominent besetzt.

 Szene aus „Hände weg von Mississippi“.
Szene aus „Hände weg von Mississippi“. Foto: picture-alliance/ dpa/dpa-Film Delphi Film

Hinzu kommt jede Menge Viehzeug, das in diesem Film ein äußerst pittoreskes Eigenleben führt. Darüber gießt Buck ein angenehm nostalgisches Flair, das an die ländlichen Kinderbuchklassiker von „Michel aus Lönneberga“ bis hin zu „Tom Sawyer“ erinnert und die Lust am Sommer auf dem Lande sehr sinnlich und kindgerecht ins Bild fasst. (erhältlich bei Amazon, Google Play, Rakuten). Auch die Kinderbuchwelten Paul Maars sind immer eine Kinoreise wert. In „Das Sams“ brachte ein Zwitterwesen zwischen Traum und Wirklichkeit die geordnete Welt des Büroangestellten durcheinander. In „Lippels Traum“ geht Maar noch ein Stück weiter und vermischt Traum und Wirklichkeit ganz direkt miteinander.

Der elfjährige Philipp (Karl Alexander Seidel), genannt Lippel, führt in der Schule ein zurückgezogenes Außenseiterdasein. Als der Vater (Moritz Bleibtreu) für ein paar Wochen ins Ausland muss, engagiert er als Aufsicht für den mutterlosen die Haushälterin Frau Jakob (Anke Engelke), die im Haus ein hartes Gouvernanten-Regime errichtet. Zum Glück kann sich Lippel mit dem Märchenbuch von „1001 Nacht“ aus dem verregneten Passau mitten hinein in orientalische Welten träumen.

Mit Liebe zum Detail

Lars Büchel hat diese Reise zwischen Realität und märchenhafter Fiktion mit viel Liebe zum Detail verfilmt. Besonders gelungen sind die Verbindungen zwischen Orient und Niederbayern, die in das spannende Abenteuer auch immer eine gesunde Portion Humor einbringen. Schön, dass Büchel hier den Mut (und das Geld) für große Bilder gefunden hat. Gedreht wurde in Marokko, aus dessen Wüstenlandschaften Kamerafrau Jana Marsik prachtvolle Märchenwelten im Cinemascope-Format herausfiltert. Großes Kino für die Kleinen – das ist gerade im deutschen Kinderfilm keine Selbstverständlichkeit. Hinzu kommt das gut aufspielende Ensemble: Karl Alexander Seidel ist als blassgesichtiger Außenseiter, der sich fiebrig träumend in einen tapferen Helden verwandelt, ideal besetzt und Anke Engelke stürzt sich als fiese Gouvernante/Tante hingebungsvoll in die Abgründe ihrer Figur.

Seit drei Generationen ist Otfried Preußlers „Räuber Hotzenplotz“ aus keinem Bücherregal im Kinderzimmer mehr wegzudenken. Der grobschlächtige Ganove mit der Pfefferpistole hat zahllose Reinkarnationen als Puppenspielfigur erlebt. Im Kino spielte der unglaubliche Gert Fröbe 1973 bereits den tolldreisten Kaffeemühlendieb. Gernot Roll hat den Kinderbuchklassiker noch einmal für die Leinwand adaptiert und bleibt dem Geist der Vorlage glücklicherweise sehr treu. Keine angestrengten Aktualisierungen. Keine Hi-Tech-Sperenzien a la „Harry Potter“, obwohl die Fähigkeiten des großen und bösen Zauberers Petrosilius Zwackelmann (Rufus Beck) den Lehrlingen von Hogwarts in nichts nachsteht. Armin Rohde spielt den warzennasigen Räuber mit sichtbarem Vergnügen an den großen Gesten, der schauspielerischen Übertreibung und den kurzen Slapstick-Einlagen, mit dem der Film sich zu seiner Verwandtschaft mit dem Kasperle-Theater bekennt.

Tolle Besetzung

Die Landschaften, das malerische Dorf im Süddeutschen, die Räuberhöhle und das Zauberschloss werden in bunten, sommerwarmen Farben gezeichnet, die nie einen Zweifel aufkommen lassen, dass man sich in einer Märchenwelt bewegt. Die Äpfel an den Bäumen haben genauso rote Backen wie die beiden Jungen Kasperl und Seppel (Martin Stührk und Manuel Steitz), die die Fährte von Hotzenplotz aufnehmen, in Gefangenschaft geraten und schließlich mit Hilfe der Fee Amaryllis (Barbara Schöneberger) dem Räuber das Handwerk legen. In den Nebenrollen glänzen außerdem Katharina Thalbach als Witwe Schlotterbeck, Piet Klocke als Wachtmeister Dimpfelmoser und Christiane Hörbiger in der Rolle der Großmutter. (bei Sky, Amazon, iTunes u.a.).