Nachruf auf Til Macke Macke-Enkel aus Passion

Bonn · Der Kunstmäzen und Naturschurtz-Aktivist Til Macke ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Er förderte Kunstmuseum Bonn und Macke Museum.

Til Macke im Macke Museum vor zwei Porträts seiner Großmutter Elisabeth, die August Macke in jungen Jahren gemalt hat. 

Til Macke im Macke Museum vor zwei Porträts seiner Großmutter Elisabeth, die August Macke in jungen Jahren gemalt hat. 

Foto: Westhoff/Benjamin Westhoff

Als Til Macke im Mai 2019 seinen 80. im kleinen Kreis feierte, wartete er nicht auf Geschenke, er  wurde selbst aktiv und übergab dem August Macke Museum ein Bild seines Großvaters: „Elisabeth im roten Kleid“, ein Frühwerk des Meisters und  nicht das einzige Gemälde, das Til Macke „seinem“ Macke Haus schenkte. Wie er auch immer wieder das Kunstmuseum Bonn und andere Häuser mit Kunstwerken des Großvaters bedachte, Ausstellungsprojekte unterstützte. Geliebt und gefördert hat er auch Kandern, dessen Heimat- und Keramikmuseum. Von frühester Jugend an hatte August Macke regelmäßig kreative Wochen bei seiner Schwester Auguste, der Kronenwirtin in Kandern (Landkreis Lörrach) verbracht. Von dort aus, vom Museum in Kandern, kam nun via „Badische Zeitung“ die Todesnachricht: Am Donnerstag ist Til Macke, wie es heißt, nach schwerer Krankheit, im Alter von 83 Jahren gestorben.

Einstieg in die Firma

Macke hat nicht nur als Kunstmäzen viele Spuren hinterlassen und Künstler wie Douglas Swan gefördert, dem er über Jahre ein Atelier in seiner Firma für Laborgeräte unweit des Macke Hauses zur Verfügung stellte. Der studierte Biologe, Zoologe  und Unternehmer hat sich auch stark für den Naturschutz engagiert.  Nach dem Studium und Promotion musste er in die Firma des Vaters einsteigen. „Als einziger Sohn musst du an die Seite deines Vaters“, sagte er dieser Zeitung. Ihm gelang der Umbau der Firma C. Gerhardt zu einem modernen  Unternehmen, das bald nach Oberdollendorf zog, wo er an der Cäsariusstraße die Sektoren Forschung und Entwicklung ausbaute. Schon früh machte  Macke sich für den Naturschutz  stark. Bereis mit 14 Jahren war er dem Bund für Vogelschutz beigetreten, dem heutigen Nabu. Zwölf Jahre war er Vorsitzender der Kreisgruppe Bonn. Ein ganz privates Projekt startete er 1989 mit dem Kauf einer ehemaligen Tongrube in Oberpleis, die er zum 4,2 Hektar großen Naturschutzgebiet „Arche Lütz“ umwandelte. Vor fünf Jahren ging Mackes  „Stiftung  Arche Lütz“ an den Start, die unter dem Dach der Nabu-Stiftung Naturerbe NRW operiert. 

Kunst in den Genen

Ob er denn selbst eine künstlerische Ader habe? Das fragten wir ihn anlässilich seines 80. Lachend erzählte er, dass er zwar die Gene zweier Künstlergroßväter habe – August Macke und Hans Thuar –, aber nur für den Hausgebrauch male, das aber mit Leidenschaft. Sein Zeichenlehrer habe ihm eine Bitte mit auf den Weg gegeben: „Versprechen Sie mir, dass sie nicht Maler werden.“ Macke wurde Biologe und Unternehmer. Für große Kunst habe sein Talent nicht gereicht, räumt er ein.

Schon früh aber hat er sich für das Werk seiner Großväter eingesetzt, von Anfang an engagierte er sich für das August Macke Haus, das er mit Spenden, Schenkungen und Dauerleihgaben förderte. Macke stellte dem Museum über viele Jahre zusätzliche Räume zur Nutzung für museumspädagogische Veranstaltungen im ehemaligen Fabrikgebäude der Firma Gerhardt zur Verfügung.

Ganz glücklich äußerte er sich über das 2017 eröffnete neue Macke Museum und den Erweiterungsbau.  „In diesem Garten habe ich als Kind gespielt“, erinnerte er sich, „diese Schräge zur Waschküche bin ich auf den Schuhen heruntergerutscht“. Auch dass er für August Mackes Witwe Elisabeth Öl mit der Kanne aus dem Tank holte und in den dritten Stock ins Atelier trug, wo die Oma wohnte, ist in frischer Erinnerung. „Ich bin diesem Ort sehr verbunden.“

Enttäuscht von der Stadt Bonn

Doch es gab nicht nur nette Anekdoten. Immer wieder konnte sich Til Macke über die Hartnäckigkeit der Stadt Bonn ärgern, die überhaupt kein Interesse an August Mackes ehemaligem Wohn- und Atelierhaus, an den Skizzenbüchern und schriftlichen Nachlass, am berühmten Paradiesbild  hatte. Die Familie verkaufte die Schätze und Dokumente dann ans Landesmuseum in Münster. Tief enttäuscht war Til Macke, als ihm der damalige Oberbürgermeister Hans Daniels eröffnete, er werde den Platz vor dem Kunstverein „August-Macke-Platz“ nennen. „Nur ein Plätzchen, nicht einmal eine richtige Straße.“ Til Macke: „Da war ich richtig wütend – da hätte man besser nichts gemacht.“ Wer kenne heute noch Konrad von Hochstaden?

Blitzschnell konnte er dann vom Ärger zu seiner Leidenschaft umschwenken, der der Pflege des Andenkens an August Macke. Vor Jahren erzählte er, wie intensiv er seine eigene Sammlung durchgegangen war, wie er Blätter „aussortierte, die ich nicht vererben möchte“. „Es sind keine besonders erwähnenswerten Werke, die aber kunsthistorisch sicher von Belang sind.“ Rund 200 Zeichnungen aus Familienbesitz überließ  er je zur Hälfte dem Kunstmuseum Bonn und dem LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster.

Der Enkel des Malers bemerkte in der eigenen Familie ein schwindendes Interesse für den expressionistischen Künstler: „Meine Kinder haben noch einen Bezug zu Macke, aber die nächste Generation hängt sich lieber Zeitgenossen in die Wohnung.“ Er selbst umgab sich  mit etlichen  Gemälden von Macke.