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Neandertaler im LVR-Landesmuseum in Bonn bleibt weiß

LVR-Landesmuseum in Bonn : Der Neandertaler bleibt weiß

Das Neanderthal-Museum in Mettmann will seinen Neandertaler dunkel tönen. In Bonn hält man nichts davon: Der Neandertaler bleibt weiß - mit guten Argumenten.

Das Neanderthal-Museum in Mettmann folge Forschungsergebnissen der vergangenen Jahre und werde der Nachbildung des berühmten Neandertalers in Mettmann pünktlich zum 25-Jährigen des Museums einen dunkleren Teint geben, kündigte unlängst Direktorin Bärbel Auffermann an. Muss die Geschichte des Neandertalers neu geschrieben werden? Muss die vor einem Jahr in Bonn vorgestellte realistische Rekonstruktion des sympathischen, aber leicht grübeligen Neandertalers von Elizabeth Daynès nachkoloriert werden? Blackfacing im LVR-Landesmuseum in Bonn? Das beherbergt seit 1877 die Gebeine eines 42.000 Jahre alten Neandertalers, der seit 1991 im Rahmen eines multidisziplinären Forschungsprojektes unter der Leitung von Ralf W. Schmitz umfassend neu untersucht wird. Die Neandertaler haben zwischen ein und vier Prozent zum Genpool der heutigen Eurasier beigetragen.

Und was ist mit der Gesichtsfarbe? Der Bonner Experte Schmitz, geht davon aus, dass der Neandertaler eine gesunde Gesichtsfarbe hatte, aber keinen braunen oder gar schwarzen Teint. „Wenn vor 40.000 Jahren Menschen unseren Typs über mehrere Stationen in einigen tausenden Jahren von Nordafrika über den Nahen Osten und Südosteuropa hierher kamen, haben die natürlich eine dunkle Hautfarbe“, erläutert Schmitz. Bei dem Neandertaler jedoch, der in Mitteleuropa entstanden ist, sehe das anders aus. Der Bonner Neandertaler, Kind einer ersten Auswanderungswelle aus Afrika, habe eine 250.000 Jahre lange Entwicklung hinter sich. „Die Menschen, die sich aus den Neandertalern entwickelten, waren seit 600.000 Jahren in Mitteleuropa – da bin ich sehr zögerlich, dass diese Menschen eine dunkle Hautfarbe hatten“, sagt er, „ich gehe eher davon aus, dass sie sich den mitteleuropäischen Verhältnissen angepasst haben.“

Ein normaler Mitteleuropäer

Der mit der Rekonstruktion betrauten Künstlerin sagte er: „Achte bitte drauf, dass er so aussieht wie ein Mitteleuropäer, der ständig draußen war, der eine durch Wind und Wetter strapazierte Haut hat.“ Wie war denn das Wetter damals? Das war ein eiszeitliches Klima mit deutlich niedrigeren Durchschnittstemperaturen (zehn Grad weniger), die Sonne schien über der vegetationsarmen Steppenlandschaft an einem Sommertag recht kräftig, die Nächte waren bitterkalt. Die Menschen liefen bekleidet herum, die meisten Körperpartien waren bedeckt. „Ich kann mir nicht erklären, wie ein dunkelhäutiger Neandertaler zustande käme“, sagt Schmitz.

Die Menschen, die nach den Neandertalern von Afrika aus Europa erreichten, unsere Vorfahren also, kamen sicherlich sehr dunkelhäutig hier an. Wenn wir uns ansehen, nehmen wir wahr, dass in nur 40.000 Jahren die dunkle Farbe verschwunden ist.