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Museum Ludwig 2021: Picasso auf beiden Seiten der Mauer

Museum Ludwig 2021 : Picasso auf beiden Seiten der Mauer

Das Kölner Museum Ludwig huldigt im Jahresprogramm 2021 auch dem spanischen Universalkünstler Pablo Picasso.

Der Pop-Art-Star hängt noch in der Warteschleife. Und nachdem Bund und Länder den Kultur-Lockdown mal eben bis 10. Januar verlängert haben, steht fest: „Andy Warhol Now“ wird im Museum Ludwig mindestens einen Monat seiner Laufzeit (bis 18. April) verlieren.

Die Trägerin des Wolfgang-Hahn-Preises von 2020 muss sich fast ein Jahr gedulden, denn die Verleihung an die 1926 in Los Angeles geborene Betye Saar fiel schon der ersten Corona-Schließung zum Opfer. Ab 25. März nächsten Jahres soll nun bis 27. Juni neben einigen Papierarbeiten der Künstlerin vor allem der vom Preisgeld finanzierte Ankauf ausgestellt werden: die Assemblage „The Divine Face“.

So wandert die Präsentation des Preisträgers für 2021 vom Frühjahr in den Spätherbst: Ab 17. November erlauben die fürs Museum erworbenen „Schnittvorlagen“ des Kölner Video- und Collagevirtuosen Marcel Odenbach Einblicke in dessen Arbeitsweise.

Glanzlicht des Jahres dürfte ab 25. September ein Säulenheiliger der Ludwig-Sammlung werden: Kuratorin Julia Friedrichs Schau „Der geteilte Picasso – Der Künstler und sein Bild in der BRD und DDR“ zeigt ein Universalgenie, das die Systeme dies- und jenseits der Mauer für sich reklamierten. Hier war er einsames Genie und Macho, „drüben“ Kommunist und Pazifist.

Die widersprüchlichen Sichtweisen spiegelten sich in der Ausstellungspolitik, und so verspricht es hochinteressant zu werden, mit welchen Werken beide Seiten „ihren“ Picasso beglaubigten. Im Pressetext zum Projekt heißt es: „Picasso war auf beiden Seiten der Mauer der Größte. Derselbe war er hier und dort nicht.“

Kunstgeschichte trifft Augenschmaus

Das Museum spielt dabei mit der Sammlung von Peter und Irene Ludwig seinen Trumpf aus, denn aus diesem Fundus wurden mehrfach Ausstellungen im sozialistischen Osten bestückt. Kunstgeschichte trifft Augenschmaus, wobei auch gefragt wird, wie sich der so unterschiedlich wahrgenommene Künstler selbst sah.

Ein weiterer Höhepunkt des Ausstellungsreigens verdankt sich der Reihe „1700 Jahre jüdisches Leben in Köln“. Das Haus am Heinrich-Böll-Platz setzt dabei natürlich in der Moderne ein, genauer: beim 1962 in Tel Aviv geborenen und seit 1993 in Köln lebenden Boaz Kaizman.

Nun erarbeitet Kaizman eine große Medieninstallation mit mehr als 20 Videos, die auf 200 Quadratmetern viele Facetten jüdischen Lebens aufblättern: heute und gestern, in Köln wie in Tel Aviv (3.9. 2021 bis 9.1. 2022). Kuratorin ist Barbara Engelbach.

Sie zeichnet neben Gastkuratorin Ela Kaçel auch für die Schau „Vor Ort – Fotogeschichten zur Migration“ verantwortlich, die ab 27. März zeigt, wie sich Köln und weitere rheinische Städte von 1955 bis 1989 durch den Zuzug von Arbeitsmigranten verändert haben. Dabei geben Zeitzeugen in Interviews Auskunft , die neben ihren Privatfotos gezeigt werden. Die konfrontiert man dann mit jenen Bildern, die Chargesheimer, Heinz Held oder Candida Höfer zur Sammlung beisteuerten.

Botanische Phänomene

Mit „Grüne Moderne“ spielt Miriam Szwast nicht etwa auf die neuen Mehrheitsverhältnisse im Kölner Rat an, sondern auf „Die neue Sicht auf Pflanzen“. Schon Walter Benjamin war 1928 fasziniert von Zeitrafferaufnahmen des Pflanzenwachstums, die den Film „Das Blumenwunder“ zur Kino-Attraktion machten.

Auch zigfache Vergrößerung gab den botanischen Phänomenen eine neue Aura, die sich auch in Grafik, Skulptur und Malerei der Weimarer Republik zeigte. Die Diskurse der heutigen Zeit ranken sich dann eher um Umweltschutz sowie die Lebensqualität unserer Metropolen (12. Juni bis 8. August).

Ab 6. November gibt Minerva Cuevas dem Haus einen neuen Blickfang: An der Stirnwand des großen Treppenhauses gestaltet sie das dritte Werk der Reihe „Schultze Projects“. Die aus Mexico City stammende Künstlerin ist für ihre Konsumkritik bekannt und lieferte schon einen Beitrag zur Jubiläumsausstellung „Wir nennen es Ludwig“.

Die siebte Ausgabe der Reihe „Hier und Jetzt“ widmet sich ab 21. August der Japanischen Avantgarde der 1960er Jahre. Einerseits werden die aufsehenerregenden Aktionen dieser Bewegung im Anschluss an die amerikanische Besatzung (1945 bis 1952) gespiegelt, andererseits reagieren heutige Künstler hintersinnig und humorvoll auf diese Epoche.