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Kulturtipp der Feuilletonredaktion: Polski Jazz für Gourmets

Kulturtipp der Feuilletonredaktion : Polski Jazz für Gourmets

Kulturtipps für zu Hause aus der Feuilleton-Redaktion: CD-Edition erinnert an die goldenen Zeiten der polnischen Jazz-Szene um Krzysztof Komeda und Co.

„Die größte Entdeckung des Festivals war das bisher unbekannte Sextett Krzysztof Komedas, die erste polnische Gruppe, die ausschließlich Modern Jazz im Stil des Modern Jazz Quartet oder Gerry Mulligans spielte“, schrieb ein Chronist über das I. Nationale Jazzfestival 1965 in Sopot im Norden Polens. Der Auftritt des HNO-Arztes und Pianisten Komeda, der auch ein begnadeter Komponist für Filmmusik war („Tanz der Vampire“ und „Rosemaries Baby“ von Roman Polanski), gilt als Geburtsstunde des Polski Jazz. Komeda starb 1969 mit nur 37 Jahren. Seine Band-Projekte aber lebten weiter, und seine ehemaligen Mitstreiter pflegten sein Erbe und trugen es auf europäische Jazzfestivals. 

Die Jazzszene Polen genießt einen exzellenten Ruf. Was auch mit dem staatlichen Label Polskie Nagraina zu tun hat, das den Jazzern seit nunmehr 55 Jahren die Treue hält. Zum Jubiläum hat Warner Music unter dem 2015 für 1,9 Millionen Euro erworbenen Label sieben CDs auf den Markt gebracht, die einen hochkarätigen Querschnitt zeigen und einen Bogen von Komeda & Co. bis heute schlagen.

Frühes Meisterwerk

„Astigmatic“ vom Komeda-Quintett (1965) mit dem fast 23 Minuten langen Titelstück gilt als frühes Meisterwerk des „Polski Jazz“ – und Meilenstein des europäischen Jazz. Ein Jahr nach Komedas Tod brachte der Trompeter Tomasz Stanko mit seinem Quintett einen wilden, pulsierenden Nachruf „Music For K“ heraus, ein atemloses, aggressives Stück Free Jazz. Der 85-jährige Saxofonist Jan Ptaszyn Wrobelewski, einst Mitglied des Komeda Sextetts, zählt ebenfalls zu den Bewahrern von Komedas Erbe, wie eine faszinierende Live-Aufmanme von 2016 zeigt.

Komedas Liebe zu liedhaften Melodien schlägt sich in „Kujavual Goes Funky“ des Namyslowski Quintets nieder, das schon das Flair der 1970er atmet und an Chick Coreas „Return To Forever“ denken lässt. Wunderbar Funky. Eine ganz andere Stimmung mit Melodien, die Volksweisen durchklingen lassen, verbreitet die „Michal Urbaniak Constellation“ 1973 aus der Warschauer Philharmonie. Urbaniak ist ein großartiger Jazzgeiger mit Hang zum elektronischen Experiment. Miles Davis holte ihn 13 Jahre später für sein Album „Tutu“. Das Fenster zur Gegenwart öffnet der Schlagzeuger Maciej Golyzniak mit seinem Trio (ergänzt um den Flügelhornisten Lukasz Korybalski) und dem Album „The Orchid“ (2020) ganz weit. Toller, vitaler Kammerjazz mit herrlichen Improvisationen und Steigerungen. Wer zum Beispiel E.S.T., die Ensembles von Emil Brandqvist, Martin Tingvall oder Omer Klein liebt, wird auch hier zugreifen.

In loser Folge an dieser Stelle: Kulturtipps für zu Hause aus der Feuilleton-Redaktion.