Haus der Springmaus in Endenich A-cappella und politisches Premiumkabarett

ENDENICH · Gewiss, die Fanfare des Filmstudios 20th Century Fox ist ein schmucker Auftakt für das aktuelle Programm "Bekannt aus Film und Fernsehen" des Dresdner Gesangsquartetts "medlz". Auch zu Gast war Christoph Sieber.

Die Fanfare kommt noch vom Band, aber dann zeigen Sabine, Silvana, Maria und Nelly, warum sie inzwischen getrost zur Spitze der europäischen A-cappella-Szene gezählt werden dürfen. Lalo Schifrins "Theme from ,Mission: Impossible'" rockt zu Beginn enorm, während das Titelthema von "Forrest Gump" herrlich elegisch ausgebreitet wird.

Traumhaft schön gerät "Gabriella's Song" aus "Wie im Himmel" (Solo auf Schwedisch von Nelly). Förmlich von den Stühlen heruntergedonnert werden die Zuhörer mit der unwiderstehlichen Interpretation von Madonnas furiosem James-Bond-Titelsong "Die Another Day" und der U 96-Technoversion von "Das Boot": Wessen Körper da nicht mitzuckt, der ist scheintot.

Christoph Sieber

Die Überforderung des Individuums in der technisch ständig nach vorne galoppierenden, globalisierten Welt: zentrales Thema in Christoph Siebers Erfolgsprogramm "Alles ist nie genug".

Damit korrespondiert das Ruhigstellen des einstmals kritischen, aufbegehrenden homo politicus, bis hin zur Degradierung als reines Stimmvieh. "Das ist die große Lebensleistung von Angela Merkel, dass sie den Zorn beseitigt hat", sagt Sieber. "Und die Gesellschaft in ein Meer der Gleichgültigkeit verwandelt hat."

Sieber serviert politisches Premiumkabarett, lässt zwischendurch vom Tontechniker zackige Bierzeltmusik einspielen und gibt den Stimmungshallodri, woraufhin jedes Mal erschreckend viele Zuschauer im ausverkauften Saal automatisch mitklatschen. Dieses Experiment lässt tiefer blicken als 1000 Reportagen aus deutschen Landen.

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