Kabarett Alich und Pause spielen Osterspezial im Pantheon

Bonn · Die Bonner Kabarettisten Rainer Pause und Norbert Alich spielen ihr „Osterspezial“ im Pantheon. Jesus als erster Influencer ist dabei nicht die einzige Besonderheit.

Angemessen festlich gekleidet: Norbert Alich (links) und Rainer Pause kommen schon mal von Hölzchen auf Stöckchen – und zurück.

Angemessen festlich gekleidet: Norbert Alich (links) und Rainer Pause kommen schon mal von Hölzchen auf Stöckchen – und zurück.

Foto: Harald Kirsch

Der Pianist greift in die Tasten, zwei Sänger stehen stramm: „Das Grab ist leer, der Held erwacht, der Heiland ist erstanden“, intonieren die frommen Männer. Das katholische Kirchenlied, mit dem Fritz Litzmann (Rainer Pause) und Hermann Schwaderlappen (Norbert Alich) ihr „Osterspezial“ im Pantheon beginnen, passt prima in die Karwoche. „Da sieht man seiner Gottheit Macht, sie macht den Tod zuschanden.“

Die Zeilen aus dem 18. Jahrhundert erklingen heutzutage noch in vielen Gemeinden im Osterhochamt, der Hermann hat das Lied, wie er sagt, schon vor 60 Jahren gesungen – und nicht verstanden. „Schließt ihn der Unglaub selber ein, er wird ihn siegreich sehn.“ Was könnte das bedeuten? Fritz und Hermann halten inne: Es gibt keinen Beweis für die Auferstehung, also glaubt man einfach daran. Gut, der Heiland hätte ein Selfie mit dem leeren Grab machen können, aber die Zeit war einfach noch nicht reif. Gleichwohl ging Jesus in die Geschichte ein – als erster Influencer der Menschheit.

Jesus als erster Influencer

Die Bonner Kabarettisten Pause und Alich arbeiten mit Vorliebe nach dem Prinzip der Nichtlinearen Dynamik, das ihnen bei Exposition und Durchführung von Themen maximale Freiheiten erlaubt. Die kleine Unwucht mit dem „Unglaub“ im Kirchenlied erinnert an den Flügelschlag des brasilianischen Schmetterlings, der in Texas einen Tornado auslöst. Pause und Alich veredeln dieses Prinzip mit eigenen Regeln. Man lässt einen Faden fallen – und nimmt ihn wieder auf. Oder auch nicht, und gern auch einen anderen. Jedenfalls: Jesus, der erste Influencer, hatte zwar nur zwölf Follower, doch der ökologische Sandalenabdruck fällt nach 2000 bewegenden Jahren beachtlich aus. Zu Buche schlagen Emissionen durch weltweite Missionierung sowie seltene Erden, also Messing, für Kirchenglocken, die auch noch Lärm machen.

Die pazifistisch sozialisierten Wortkünstler bringen vor der Pause noch Verständnis für die darbende Bundeswehr auf, mehrmals fällt der Begriff „schweres Gerät“, auch „Lieberknecht“ ist zu vernehmen. Der zweite Teil des Abends startet mit einem „Amerika-Potpourri“. Der Inhalt lässt sich am besten in Stichworten rekapitulieren: Kartoffelkäfer, Irland, Kennedy, Mafia, Kuba, Obama, Trump, Biden, Ramstein.

Und auch das gehört zum Prinzip Pause/Alich. Ob Weihnachten, Karneval oder Ostern: Das Duo zieht das ganze Jahr über irgendwelche Bilanzen – und mixt dabei tagesaktuelle Inspirationen mit bewährten Nummern aus gefühlten 50 Programmen. Hauptsache, die alten Fräcke passen noch. Der Fritz sitzt auf dem Tisch und gibt den guten König, der Hermann singt seinen Katholen-Klassiker „Ich bin so froh, dass ich nicht evangelisch bin“.

Irgendwann landet das Duo auf seiner immerwährenden Zeitreise bei den alten Nazis im ersten Deutschen Bundestag und bei den alten 68ern mitten in der Demo. Dazu gibt es, gerne aus der Hüfte, stets das passende Liedgut. Zum Beispiel: „Wir lagen vor Wasserwerfern, in Parkas die Steine versteckt.“

Info: „Das Osterspezial“, Bonn-Beuel, Pantheon, 8. April, 20 Uhr.