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Heiter bis düster: Armin Mueller-Stahl zeigt seine Werke im Stadtmuseum Siegburg

Heiter bis düster : Armin Mueller-Stahl zeigt seine Werke im Stadtmuseum Siegburg

Ein Künstler wie Armin Mueller-Stahl braucht nicht viel, um sich auszudrücken. Eine kleine Geste, ein Blick - schon erfüllt der Schauspieler den Raum mit einer Präsenz, der man sich nicht entziehen kann. Als Maler genügen ihm bereits ein paar Striche, um markante Konturen zu Papier zu bringen.

Die Malerei ist immer noch eine weniger bekannte Seite des 83-jährigen Mimen, der seine Karriere in der DDR begann und bis nach Hollywood kam. Im Siegburger Stadtmuseum zeigt er jetzt anlässlich der städtischen 950-Jahrfeier 45 Werke: Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken. Bei der Vernissage am Mittwochabend gab sein Freund Björn Engholm, ehemals schleswig-holsteinischer Ministerpräsident und SPD-Spitzenpolitiker, vor 200 Besuchern eine Einführung.

Mueller-Stahl sieht sich selbst gar nicht mehr so sehr als Schauspieler. Eher als Maler, der gelegentlich schauspielert. Der gebürtige Tilsiter malt schon sein ganzes Leben lang. Doch erst 2001 entschloss er sich, damit in die Öffentlichkeit zu gehen. Seine Werke besaßen damals schon die nötige Reife, um ernstgenommen zu werden. "Ich merke immer mehr, dass ich durch die Malerei meine Gefühle besser artikulieren kann", sagte Mueller-Stahl. Inzwischen sei für ihn die Arbeit vor der Kamera zweitrangig. "Ich möchte die Leute nicht mit meinem alternden Gesicht belästigen." Engholm ergänzte, dass Mueller-Stahl nach 60 Jahren mit schauspielerischen Verpflichtungen die Autonomie des bildenden Künstlers genieße.

In seinen Werken, die jetzt in Siegburg zu sehen sind, spiegelt sich ein breites Spektrum von Emotionen wider. Es reicht von großer Heiterkeit bis hin zu nahezu apokalyptischer Stimmung. Ölgemälde wie "Großstadt-Dämmerung" oder "An uns glaubt Gott nicht mehr" sind düster geraten. Das kommt nicht von ungefähr: "1945 lernte ich: 'Nie wieder Krieg!' Und heute gibt es am Horizont wieder Rumor, der Krieg umkreist uns wie ein Gespenst", so der Künstler über seine Motive.

Optimistischer erscheinen die 16 Porträts, die Mueller-Stahl großen Komponisten, Literaten und Denkern gewidmet hat, meist in Farblithographien mit expressionistischem Einschlag. Die Porträtbilder des Künstlers sind oft abstrakt, teilweise greift er auf Mittel der Karikatur zurück. Bei allen modernen Anklängen sei Mueller-Stahls Stil letztlich "unmodisch, aber unverwechselbar", erklärte Engholm, der ihm ein "hohes ästhetisches Potenzial" bescheinigte. "Damit meine ich nicht nur Schönheit und Eleganz, sondern die Fähigkeit, alle Sinne einzusetzen."

Die Schnittmengen zwischen Schauspielerei und Malerei sind bei Mueller-Stahl offensichtlich. So sind manche Bilder von den "Buddenbrooks" inspiriert. Er selbst hatte in Heinrich Breloers Verfilmung brilliert. Ein zentrales Werk ist zudem der 20-teilige Zyklus "Urfaust". Die Lithographien sind auf Grundlage von 20 ausgesuchten Textstellen entstanden.

Drei Jahre lang hatte sich das Siegburger Stadtmuseum um Mueller-Stahl bemüht. Es hat sich gelohnt. Die Schau ist sehenswert, auch unabhängig von dem großen Namen. Ganz ohne Schauspielerei ging es am Mittwoch dann aber doch nicht: Der internationale Star trug bei der Vernissage ein eigenes Gedicht vor, in dem er sein Leben als "Gaukler" reflektiert. Da heißt es: "Doch lache ich wie ein Kind, wenn die Leute glücklich sind."

Die Ausstellung

Armin Mueller-Stahl: Malerei - Zeichnung - Druckgrafik, bis 24. Oktober, Stadtmuseum Siegburg, Markt 46. Führungen sonntags um 11.30 Uhr mit Silke Nelius oder nach Vereinbarung: info@silkenelius.de.