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Ausstellung im Uniclub: Aufbäumen gegen Leid und Krieg

Ausstellung im Uniclub : Aufbäumen gegen Leid und Krieg

Der Bad Honnefer Künstler Egbert Verbeek zeigt im Bonner Universitätsclub Gemälde, Druckgrafik und die neue Bronze „Trojaner“.

Authentisch und ehrlich. Das ist Egbert Verbeeks Kunst. Wenn er auf seine innovative Art und Weise Landschaften, Architekturen und Interieurs mit Öl auf Leinwand verewigt, gelingen dem Künstler aus Bad Honnef unwirkliche Räume, die seinen Werken einen symbolischen und magischen Charakter verleihen. Menschenleer und geheimnisvoll wirken Verbeeks Ölgemälde. Denn er weiß, geschickt zwischen Realität und surreal anmutender Mystik zu changieren.

In Bonn zeigt Verbeek derzeit in der Ausstellung „NotAusStieg“ mehr als 40 verschiedene Arbeiten im Universitätsclub. Zu sehen sind 22 Ölbilder, sieben Aquatinta-Radierungen und sieben Bronzen aus dem Oeuvre des 66-Jährigen.

Den Höhepunkt der Ausstellung stellt die neue Bronzeplastik mit dem Titel „Trojaner“ dar, ein archaisch geformter Pferdekopf. Besondere Bedeutung hat der gewählte Standort im Park des Universitätsclubs, wie Sigurd Trommer, stellvertretender Vorsitzender des Clubs, bei der Vernissage erklärte: „Es ist der Notausgang eines Bunkers aus dem Zweiten Weltkrieg des Oberbergamts Bonn, heute das Institut für Geschichtswissenschaft.“ Eigenhändig habe Verbeek mit Helfern die konkrete Positionierung, die Ausschachtung des Fundaments, das Betonieren sowie schließlich das Aufstellen übernommen.

Bronzeplastik im Park

Aufmerksamen Passanten dürfte die Bronze schon längst aufgefallen sein, denn sie ziert diesen Standort bereits seit einigen Monaten. Offiziell im Park begrüßt wurde das Werk aber erst jetzt. Vor dem Eingang zum Bunker positioniert, erinnert der „Trojaner“ sicherlich an List, Tücke und Grausamkeit des Krieges. Widerstand, Stärke und Unbezähmbarkeit lassen sich jedoch ebenfalls mit dieser Plastik assoziieren, die sich aufzubäumen scheint.

Ebenfalls unterschiedlich zu deuten sind Verbeeks Gemälde im Wolfgang-Paul-Saal sowie im oberen und unteren Foyer. Vor allem zwei Werke, so betonte es der Künstler selbst, fordern den Betrachter: Die Idee hinter „Straßenschlacht vor dem Auge eines Zeugen“ und „Bewegter Stillstand“ sei, dass man einen Perspektivwechsel erlebe. „Deswegen hängen sich beide Bilder im Foyer gegenüber“, so Verbeek. In ihrer Grundstruktur seien sie spiegelbildlich gemalt. „Sie beziehen sich aufeinander.“

Während bei diesen beiden Beispielen geometrische und architektonische Formen dominieren, wirken andere Werke hingegen besonders romantisch. Etwa das Ölgemälde „Bucht“. Mit dem träumerischen Sonnenuntergang, der die Wasseroberfläche in warmes Licht taucht, mutet es gar William Turner an, der dem Licht und der Atmosphäre in seinen Werken stets einen hohen Stellenwert gab.

Die Ausstellung „NotAusStieg“ ist beeindruckend wie sehenswert und zeigt nicht nur das umfangreiche Können Verbeeks, sondern dokumentiert gleichermaßen seine Weiterentwicklung in der Malerei.

Universitätsclub Bonn, Konviktstraße 9, bis 15. Januar 2021, zu besichtigen montags bis freitags nach vorheriger Terminabsprache. Infos: www.uniclub-bonn.de.