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Aufbau des Bunkermuseums kann beginnen

Aufbau des Bunkermuseums kann beginnen

Das "Haus der Geschichte" in Bonn ist bereit, bei der Gestaltung und Ausstattung zu helfen - Vertragsentwurf des Bundesvermögensamtes liegt in Ahrweiler vor

Bonn. Das "Haus der Geschichte" in Bonn ist bereit, beim Aufbau eines Museums im ehemaligen "Regierungsbunker" Marienthal zu helfen. Und damit können der Kreis Ahrweiler und die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler jetzt beginnen. Denn das Bundesvermögensamt in Koblenz mit seinem Chef Thomas Hofmann hat Wort gehalten. Der Vertragsentwurf zur Überlassung eines kleinen Teilstücks des ehemaligen Regierungsbunkers Marienthal - amtlich der Ausweichsitz der Verfassungsorgane - ist der Kreisstadt in diesen Tagen zugegangen.

"Da sind jetzt nur noch Details zu klären, jetzt können wir die Realisierung des Bunkermuseums angehen", sagt der Bürgermeister der Kreisstadt, Hans-Ulrich Tappe.

Gerade, was das Konzept für das zeitgeschichtliche Museum angeht, wollte er das Gespräch mit eventuellen Partnern erst dann aufnehmen, wenn der Vertrag auf dem Tisch liegt.

"Ich muss erst eine Grundlage dafür haben, dass das geplante Museum von Stadt und Kreis überhaupt errichtet werden kann, bevor ich um eine Mitarbeit am Konzept bitten kann", sagt Tappe. Natürlich sind auch die baulichen Voraussetzungen im Detail noch zu klären - so zum Beispiel, wie lang genau das Teilstück vom Eingang Ost - Silberberg - in Ahrweiler sein soll.

Da wird auch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung ein Wort mitreden, dessen Präsident Florian Mausbach dem Plan für ein Bunkermuseum zum entscheidenden Durchbruch verhalf. Und dabei bat er eben auch Professor Hermann Schäfer, Leiter des "Haus der Geschichte" in Bonn um Mithilfe.

Als Betreiber einer "Außenstelle Marienthal" kommt das Bonner "Haus der Geschichte" laut Schäfer nicht in Betracht: "Dazu haben wir keinen Auftrag". Er ist aber bereit, das Wissen und Können seines bundesweit renommierten Hauses soweit wie möglich zur Verfügung zu stellen, wenn es um das Konzept für die Einrichtung der Ausstellung geht.

Aber auch Ausstellungsstücke, die sein Haus 1999 vor dem laufenden Rückbau des Regierungsbunkers Marienthal erworben hat, würde Schäfer dem Bunkermuseum überlassen. "Es ist schon paradox", sagt Schäfer; als alles weggegeben wurde, habe sein Haus für seine Sammlung Objekte aus dem Bunker gerettet, und jetzt wandere vielleicht ein Teil wieder zurück oder müsse mühsam irgendwoher wieder zurückgeholt werden.

Ein Fülle von großen und kleinen Gegenständen, die das zeittypische Umfeld in Design und Denkweise anschaulich machen, hat das Haus der Geschichte in seiner von Abteilungsleiter Dietmar Preißler aufgebauten Sammlung.

Wie stellt sich die Macht im "Atombunker" dar? Wie war das Szenario im Kalten Krieg für das Leitungsteam geplant?

Schilder mit den Aufschriften "Militärische Landesverteidigung" oder "Alarmzentrum Bundeswehr", Staub-, Geschirr- und Handtücher, Urkundenvordrucke, Aschenbecher und Schrank aus dem für den Bundeskanzler vorgesehenen Schlafzimmer, Milchkanne, Sessel aus dem Präsidentenzimmer, viele Fotografien oder die Bierzeitung "Deep Hole" machen die breite Palette des Gesammelten deutlich.

Der WDR musste ein komplettes Fernsehstudio im Bunker stellen und bereit sein, im Notfall daraus "amtlich" zu senden. Die Studio-Geräte hat der WDR dem Haus der Geschichte überlassen.

"Wenn unser Rat gefragt ist, werden wir helfen", sagte Jürgen Reiche, Ausstellungsleiter der Stiftung Haus der Geschichte. Er ist der Experte für ein Bunkermuseum, hat er doch schon mit einem fundierten Gutachten für das Bundesamt für Bauwesen das Projekt erfolgreich auf den Weg gebracht. "Was wir erreichen wollten, ist zunächst mal erreicht", sagt Reiche.

Wie eine Kooperation bei der Gestaltung der Ausstellung im Bunkermuseum aussehen könnte, ist noch offen. Reiche sieht seine eventuelle Mitarbeit "eher nebenher, eher aus Idealismus". Davon zeugt sein engagierter Artikel im Jahrbuch "Bau und Raum" 2002.

Der zentrale Raum in dem für das Museum vorgesehene doppelstöckige Bunkerteilstück war als Sanitätsbereich eingerichtet. Dort wäre eventuell ein Rundgang anzulegen. Jetzt gehe es darum, die Schotten in Betrieb zu halten und die Kommandozentrale der Bunkeranlage für das Museum zu sichern.

Wie es überhaupt gelte, weitere Stücke aus dem Regierungsbunker von anderen Stellen zu besorgen und nicht einfach die Sammlung im Haus der Geschichte zu zerteilen. "Das überregionale Interesse an dem Bunkermuseum ist riesengroß", hat Reiche inzwischen festgestellt.

Die Anlage würde in komprimierter Form für sich selber "sprechen", mit einem "Glasschott" den Blick auf lange Gänge weisen. Die "politische Dimension" zur Zeit des Kalten Krieges müsse die Ausstellung deutlich machen. Reiche scheint ein Konzept schon im Kopf zu haben.