Galerie Andreae in Bonn Ausstellung des Bildhauers Johannes Brus

Äußerst spannend geht es derzeit in der Galerie Judith Andreae zu. Das liegt vor allem am belebenden Kunst-Cocktail, den die umtriebige Galeristin und ihr Team gemischt haben. Anregende Grundzutat ist die Einzelausstellung mit Arbeiten des 81-jährigen Johannes Brus.

 Galeristin Judith Andreae im Gespräch mit Johannes Brus.

Galeristin Judith Andreae im Gespräch mit Johannes Brus.

Foto: Gudrun von Schoenebeck

Johannes Brus füllt mit seinen Fotografien und Skulpturen die Rolle des Künstlers aus, der die Regeln kennt, um sie zu brechen. Aus seinem riesigen Atelier in Essen, das Teil eines ehemaligen Wasserwerks ist, kommen figurative Tierskulpturen aus Gips, Beton, Stein und Bronze. In der sauberen Galerieumgebung wirken Nashorn, Elefant und Löwengruppe etwas aus der Wirklichkeit gefallen und behaupten zugleich mit starker körperlicher Präsenz ihre Anwesenheit.

Umringt werden sie an den Wänden von experimentellen Fotoarbeiten, in denen ebenfalls häufig Tiermotive auftauchen. Aber auch Stillleben. Die Fotografien von Johannes Brus verkörpern einen Gegenentwurf zur Ästhetik der Hochglanzfotografie. Die Motive sind häufig unscharf aufgenommen, werden durch gezielte Einwirkung von Fotochemikalien ausgeblutet, um dann einzelne Partien farbig zu entwickeln, abzudunkeln oder aufzuhellen. Alles händische, zum Teil rabiate und auch zufallsgetriebene Eingriffe, die das Motiv atmosphärisch verändern.

Parallel zu Johannes Brus hat Judith Andreae im zweiten Galerieraum einen „Salon“ eingerichtet, in dem Künstler der Galerie und auch Gastkünstler zu Wort kommen. Es gibt kein Thema, das die Einzelarbeiten verbindet, aber digitale Kunst taucht immer wieder auf. Prominenter Vertreter digitaler Bilderzeugung – und Schüler von Johannes Brus – ist derzeit Tim Berresheim. Ihn beschäftigt die Frage, wie der Computer den Menschen ermächtigen kann, etwas Neues zu denken. Lucia Kempkes Arbeiten entstehen sowohl in analoger Manier, indem sie mit Kaugummi auf Textilien zeichnet, als auch digital. Zu sehen ist die Antwort auf die Google-Bilderabfrage nach Banana Boats und Mount Everest. Der Bonner Künstler Arno Beck zeigt die neue Arbeit „Digital Fatigue“, der als digital gezeichneter Schriftzug das Team Mensch-Maschine hinterfragt.

Galerie Judith Andreae, Paul-Kemp-Straße 7, bis 6. April. Mi 10-18, Do, Fr 14-18, Sa 11-15 Uhr.

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