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Konzert im ausverkauften Palladium: BAP in Köln: Fast wie früher

Konzert im ausverkauften Palladium : BAP in Köln: Fast wie früher

„40 Jahre BAP – wie die Zeit vergangen ist!“ So wie Wolfgang Niedecken geht es vielen im ausverkauften Palladium. Ist es wirklich schon so lange her, dass man auf „Frau, ich freu mich“ und „Ne schöne Jrooß“ – die beiden Eröffnungstücke - selbstvergessen geschwoft hat?

70 Konzerte zum Jubiläum gibt es als Dank an die Fans und den „Herrjott, der et joot gemeent“ hat. Die letzten drei Konzerte in der Heimat Köln. Im Palladium, nicht wie im Juni in der Lanxess-Arena. Der Jahresausklang soll intimer sein, die Halle wird zum „Wohnzimmer“ erklärt. In diesem Moment verfrüht. Als viele Berufstätige die Feier nach dem „offiziellen Teil“ verlassen, kann man frei gewordene vordere Reihen erreichen. Es beginnt ein eineinhalbstündiger Zugabenteil, der zum eigentlichen intimen Konzert gerät.

Zu jedem Song aus der langen Bandhistorie erzählt Niedecken aufgeräumt eine Geschichte. Aufgeräumt ist er eigentlich immer auf Konzerten. Mit 65 Jahren macht ihm eine gewisse Altersmilde das Leben leichter. Zum Beispiel im Umgang mit der neuen „Selfie-Kultur“, die das Autogramm-Schreiben abgelöst hat. Statt Gesprächen ein Foto. Das wars! Manchmal kommt es trotzdem zu Gesprächsfetzen. Etwas so: „Früher war ich ein Fan von Euch! Da wart ihr irgendwie politischer!“ „Wann hast du das letzte Album von uns gehört?“ „In den 80ern.“ „Ah, so“ – das Palladium ist amüsiert. Der Mann, der das sagte, ist Versicherungsvertreter – „ein digitaler Wiedergänger vom Müsli-Mann“, wie ein Freund Niedecken erklärt. Beruhigend zu wissen. Der „Müsli-Mann“ von heute heißt „Vollkasko-Desperado“, die „hann jenau jenomme noch nie irjendjet jerafft.“ Spießer, die ihn trotz Altersnachsichtigkeit noch immer ärgern.

„Alles relativ“ vom aktuellen Album „Lebenslänglich“ ist ein nachdenklicher Rückblick auf ein Leben, das nicht nur Höhen kannte. Er widmet es seiner anwesenden Schwester Käthe. Familienfeier im Wohnzimmer.

Unpolitisch ist der Wolfgang nicht geworden „Absurdistan“, mit Thees Uhlmann gesungen, bringt er mit dem „Kotzbrocken in Amerika“ in Verbindung. Die Ereignisse des Abends in Berlin bringen den viel näheren Bezug zum Song. Davon weiß er auf der Bühne noch nichts. Einige lesen diese Nachricht schon während des Konzerts, andere erfahren davon später. Wieder ein „selbsternannter Gotteskrieger“ am Werk?

Mit „Jraaduss“ beginnt der Unplugged-Teil des Abends. Niedecken setzt sich. Neben ihm sein neuer Gitarrist Ulrich Rode, Ehemann der langjährigen BAP-Multiinstrumentalistin Anne De Wolff. Er versteht seine Rolle in der Band als Gitarren-Sidekick, der das Gefühl der Stücke aufspürt, um ihnen das Besondere zu geben. Das macht er gerade in den Balladen hervorragend. Bei „Jraaduss“ sind es Ehefrau Anne und Michael Nass am Akkordeon, die dem Song ein neues, sehr wehmütiges Kolorit geben. Das Palladium ist ergriffen und singt textsicher mit. „Keine Beanstandungen – genau so muss es sein“ findet der Bandleader. Keine Beanstandungen auch für den weiteren Verlauf des Konzerts. „Du kanns zaubere“ – ein Muss und heute so berührend wie früher. „Kristallnaach“ - bedrohlich und rockend zugleich. Natürlich am Ende „Verdamp lang her“ – eine Rocksause mit ernstem Text. Eine kölsche Hymne.

Nach dreieinhalb Stunden muss Niedecken die bittere Wahrheit verkünden, dass auch BAP-Konzerte – ähnlich wie Springsteen-Konzerte - ein Ende haben. Mit „Noh all dänne Johre“ geht’s nach Hause mit der Hoffnung, dass BAP auch noch das fünfziger-Jubiläum feiern wird. Der Herrjott wird es schon einzurichten wissen.