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Beethoven Orchester begeistert mit Bruckners monumentaler Achter

Beethoven Orchester begeistert mit Bruckners monumentaler Achter

Während die Berliner Philharmoniker der Festspielstadt Salzburg den Rücken kehren, macht sich das Bonner Beethoven Orchester auf den Weg dorthin. Es ist natürlich nicht die Rede davon, dass die Bonner deren Rolle bei den Osterfestspielen übernehmen wollen.

Bonn. Während die Berliner Philharmoniker der Festspielstadt Salzburg den Rücken kehren, macht sich das Bonner Beethoven Orchester auf den Weg dorthin. Es ist natürlich nicht die Rede davon, dass die Bonner deren Rolle bei den Osterfestspielen übernehmen wollen.

Zunächst einmal gibt es vom 25. bis 27. Mai ein dreitägiges Gastspiel im Großen Festspielhaus. Das letzte Werk des anspruchsvollen Tournee-Programms gab es nun in der Bonner Beethovenhalle schon einmal vorweg: Anton Bruckners achte Sinfonie. Ein monumentales Opus, für das Blunier und sein Orchester gut anderthalb Stunden brauchten und vom Publikum begeistert und lautstark gefeiert wurde.

Blunier nahm den ersten, mit Allegro moderato überschriebenen Satz eher langsam, unterstrich das Feierliche dieser Musik. Er entwickelte die Dramatik der Steigerungswellen nicht aus dem Tempo, sondern aus den inneren Kräften der Musik, die sich von dem leisen Beginn bis zum ersten großen Höhepunkt am Ende der dritten Themengruppe entfaltet.

Das Orchester spielte hier sehr wach, sehr präzise, sowohl in den Streichern wie auch in den markanten Blechbläser-Einsätzen. Am Ende des Satzes, in der Reprise, baut Bruckner ein musikalisches Kraftfeld auf, dessen Entladung geradezu elementare Kräfte freisetzt. Bruckner nannte diese von den Hörnern und Trompeten in maximaler Lautstärke angeführte Stelle die "Todesverkündigung".

Für den Hörer war es, als träfe ihn die Musik in die Magengrube. Dass Bruckner das leise Verklingen des Satzes mit einer Totenuhr assoziierte, passt gut ins Bild. Im Scherzo nahm Blunier dann Tempo auf und brachte damit die rhythmischen Energien des Satzes mitreißend zur Wirkung.

Dass Bruckner hier ein musikalisches Bild des Deutschen Michel zeichnen wollte, dessen schläfrige, lethargische Seite eher im langsamen Trio zum Ausdruck kommt, ist hier ein eher zu vernachlässigender Aspekt. Den langsamen Satz gestaltete das Orchester mit bemerkenswerter Intensität. Die Klangbalance zwischen den Gruppen wirkte immer peinlich genau herausgearbeitet.

Und die emotionale Kraft dieses ausladenden Adagios kam auch ganz wunderbar zur Geltung. Einen wunderschönen Effekt macht etwa das zweite, am Ende von rauschenden Harfenklängen umspielte Thema. Das in jeder Hinsicht gigantische Finale zeigt das Orchester nochmals in Höchstform. Großartige Blechbläser, entfesselte Pauken und ein sehr präsenter Streicherapparat hoben die Interpretation auf ein beispielhaft hohes Niveau. Damit kann man sich an der Salzach hören lassen.