Beethoven Orchester Bonn Das sind die Konzert-Highlights der Spielzeit 2024/2025

Bonn · Im August Macke Haus stellte Dirk Kaftan die letzte Konzertsaison vor der geplanten Wiedereröffnung der Beethovenhalle vor. „Es ist unser letztes Jahr als Vagabunden“, sagte er und verriet, welche wichtige Rolle Bettina Böttinger in der neuen Saison übernehmen wird.

Dirk Kaftan und das Beethoven Orchester in Aktion.

Dirk Kaftan und das Beethoven Orchester in Aktion.

Foto: dpa/Thomas Frey

Sie sei beim WDR ausgestiegen und steige nun Vollzeit beim Beethoven Orchester Bonn ein, kündigte Generalmusikdirektor Dirk Kaftan die Moderatorin Bettina Böttinger an. Im August Macke Haus, wo der Orchesterchef die Inhalte der kommenden Spielzeit 2024/2025 vorstellte, saß die Kölner Talk-Legende tatsächlich mit am Podium. Das mit der Vollzeit war natürlich nicht so ganz ernst gemeint, aber eine wichtige Rolle wird Böttinger in den kommenden Monaten gleichwohl spielen. Das betrifft die Reihe „Im Spiegel“, in der Programminhalte ausgewählter Freitagskonzerte zwei Tage später in einer Sonntagsmatinee noch einmal einmal im Gespräch und musikalisch vertieft werden.

Bislang hat Kaftan mit wechselnden Gesprächspartnerinnen und -partnern zu tun gehabt, nun wird Böttinger als Moderatorin und Kuratorin die Reihe übernehmen. Wie in ihrem lange ausgeübten Beruf als TV-Talkmasterin will sie auf der Bühne vor allem eines: Fragen stellen. An die Solisten, aber auch an die Musik und ihre Komponisten. Zum Beispiel an Wagner, dessen „Ring“ am 7. Februar in einer stark gekürzten Fassung ohne Gesang im Freitagskonzert erklingt und unter dem Motto „Götterdämmerung“ dann auch beim „Spiegel“-Konzert Thema ist. „Er ist mir oft zu pompös“, sagt Böttinger. „Aber bei den Ouvertüren schmelze ich dahin.“ Im Gespräch wird es dann auch um die dunkle Seite in Leben und Werk des Komponisten und einflussreichen Antisemiten Richard Wagner gehen.

Die Freitagskonzert sind das „Herzstück“

Insgesamt bietet das Orchester in der kommenden Spielzeit acht Freitagskonzerte an, laut Kaftan „Herzstück“ des Spielplans. Traditionell gehen sie mit einer Beethovenfest-Kooperation an den Start. Im ersten Konzert am 20. September stehen ausschließlich Werke des Jahres 1923 von Germaine Tailleferre bis hin zu Béla Bartók und Dmitri Schostakowitsch auf dem Programm.

Auch für die Augen soll der Abend etwas bieten: Der Konzertdesigner Iñigo Giner Miranda wird das Programm szenisch einrichten. Im zweiten Konzert am 25. Oktober dirigiert der junge Hossein Pishkar unter anderem Maurice Ravels prachtvoll instrumentierte zweite Suite aus „Daphnis et Chloé“. Am 15. November stellt Kaftan ein vom Beethoven Orchester in Auftrag gegebenes Konzert für Schlagzeug und Orchester des 35-jährigen Finnen Sauli Zinovjev ins Zentrum. Solistin ist Vivi Vassileva, die „Nachfolgerin von Martin Grubinger“. Mit der zweiten Sinfonie von Sergej Rachmaninow, die im Anschluss erklingt, erfüllt sich Kaftan nach eigenem Bekunden einen Traum.

In der Beethoven-Nacht gut einen Monat später am 16. Dezember steht unter anderem das Tripelkonzert Beethovens auf dem Programm, bei dem das Trio Orelon die drei Solopartien übernehmen wird. Das junge Ensemble um die Rheinbacher Geigerin Judith Stapf hatte im vergangenen Jahr den ARD-Musikwettbewerb gewonnen.

Weitere Freitagskonzerte drehen sich dann um Wolfgang Amadeus Mozarts „Requiem“ am 18. April 2025 (mit dem Philharmonischen Chor der Stadt Bonn), um das das Violinkonzert „Distant Lights“ von Peteris Vasks mit Vadim Gluzman, das am 23. Mai 2025 Felix Mendelssohn Bartholdys Sinfonie Nr. 4, die „Italienische“, vorausgeht. Am Pult steht Ruth Reinhardt. Und zum Ausklang der Saison dirigiert Kaftan am 27. Juni 2025 Maurice Ravels Klavierkonzert in G-Dur (Solist: Alexandre Tharaud) und Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 4.

Vorstellung Saisonprogramm: (v. l.) Tilmann Böttcher, Luzie Teufel-Aras, Anke Staus, Dirk Kaftan und Bettina Böttinger

Vorstellung Saisonprogramm: (v. l.) Tilmann Böttcher, Luzie Teufel-Aras, Anke Staus, Dirk Kaftan und Bettina Böttinger

Foto: Felix von Hagen

Das letzte Vagabunden-Jahr

Die Freitagskonzerte finden ebenso wie die vier „Spiegel“-Ausgaben nach wie vor alle im Opernhaus statt. Trotzdem hatte Kaftan die Gäste im Macke Haus mit dem Satz begrüßt: „Es ist ein besonderes Jahr, weil es unser letztes Jahr als Vagabunden ist.“ Mit der Wiedereröffnung der Beethovenhalle, die mit einem Konzert des Bonner Orchesters am 16. Dezember 2025 geplant ist, werden die Musikerinnen und Musiker jedoch nicht nur wieder eine Heimat haben, sondern auch die Probensituation wird sich für sie deutlich bessern. Während der Hallensanierung müssen sie derzeit mit dem Brückenforum vorliebnehmen.

Allerdings finden auch einige andere Konzertreihen an alternativen Spielorten statt. Die vier „Pur“-Konzerte, in denen jeweils ein Werk der Klassik in Wort und Ton beleuchtet wird, spielt in der Telekom-Zentrale, die drei „Hofkapelle“-Konzerte sind jeweils wieder in der Redoute und im Kurhaus Bad Honnef zu erleben, und die Reihe „Grenzenlos“ verteilt sich auf das Telekom Forum und das Bonner Münster. Auf eine Initiative des verstorbenen Stadtdechanten und Münsterpfarrers, Wolfgang Picken, geht die geplante Aufführung von Anton Bruckners unvollendet gebliebener Sinfonie Nr. 9 am 30. und 31. August im Bonner Münster zurück. Bruckner wurde am 4. September vor 200 Jahren geboren. Spannend wird auch der „Grenzenlos“-Abend, der am 10. Mai 2025 die israelische Sängerin Yasmin Levy und ihre palästinensische Kollegin Mira Awad zusammenbringt, die 2009 für Israel beim ESC angetreten war.

Karneval mit Fatih Çevikkollu

Die Sonderkonzerte finden ebenfalls an unterschiedlichen Schauplätzen statt. Dazu zählt das Opernhaus als Austragungsort des Karnevalskonzertes (mit dem Kabarettisten Fatih Çevikkollu) am 28. Februar 2025 im Opernhaus ebenso wie das der neuen Musik gewidmete Konzert am 17. Mai 2025 im BaseCamp. Auch das Macke Haus ist als Spielort dabei: Hier spielt das von Streichern des Beethoven Orchesters gegründete Yaron-Quartett ein Programm, das der mit Elisabeth Macke befreundeten Familie des Cellisten Arthur Samuel gewidmet ist. Karten für das Konzert, das im Rahmen der „Tage des Exils“ stattfindet, gibt es nur über das Macke Haus (buero@august-macke-haus.de).

Darüber hinaus steht auch wieder sehr viel Kammermusik mit den Musikern des Beethoven Orchesters auf dem Programm. Und für zahlreiche Familien-, Kinder- und Jugendkonzerte finden die Musiker auch noch Zeit. Die neue Musikvermittlerin Luzie Teufel-Aras stellte unter anderem das Jugendkonzert b+ am 13. Mai 2025 als Highlight vor, in dem Jugendliche sich künstlerisch auf vielfältige mit den Ouvertüren Beethovens auseinandersetzen. Und das Schauspielhaus als neuen Spielort für die Reihe der Kinderkonzerte.

In die Zukunft blicken sie beim Beethoven Orchester mit Optimismus. Trotz der Teuerung bei den Kartenpreisen. Derzeit, so berichtete Verwaltungsleiterin Anke Staus, liege die Auslastung bei 90 Prozent.

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