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Beethoven-Orchester mit frischem Wind

Beethoven-Orchester mit frischem Wind

"Abwechslung und Anregung", illustre Namen und viel für den Nachwuchs: Stefan Blunier, Bonns neuer Generalmusikdirektor, stellt Programm vor

Bonn. Das Ziel ist klar: "Wir müssen unser Publikum zurückerobern", sagt Stefan Blunier, von der nächsten Saison an Generalmusikdirektor in Bonn und Chef des Beethoven Orchesters. "Frischen Wind" verspricht er und "Abwechslung und Anregung".

Zumindest optisch hat Bonns philharmonisches Großunternehmen schon ein neues Gesicht, ein munteres Logo, für das Uwe Göbel, Professor für visuelle Kommunikation an der Hochschule Bielefeld, verantwortlich ist. Neben einem großen roten Bonbon, was man durchaus auch als Bon(n)bon(n) verstehen kann, ist in der Präsentation die Ansage für die neue Saison klar: "Das Beste vom Feinsten. Einfach Klassik."

Stefan Blunier, derzeit noch Generalmusikdirektor in Darmstadt, steht dafür, dass solche Versprechungen nicht Papier bleiben. Sein Konzertprogramm für die neue Saison - neun Konzerte am Freitag und acht am Sonntag - besticht mit einer Vielseitigkeit, die in Bonn lange nicht zu hören war.

Alle Konzerte haben ein Motto - das reicht vom "Hexensabbat" (mit Berlioz' "Fantastischer Sinfonie" zum Beispiel) bis zur "Liturgischen Oper" (Verdis "Requiem") oder zu "Stars and Stripes" (Werke von Bernstein, Gershwin und Hovhaness).

Es wird reichlich Änderungen gegenüber der Kofman-Zeit geben. Blunier selbst dirigiert insgesamt sieben der 16 Konzerte; er legt Wert darauf, dass "sein" Orchester in Zukunft auch mit erstklassigen Gastdirigenten zusammenarbeitet. Dazu gehören in der neuen Saison unter anderem Gerd Albrecht, der ehemalige Chef der Tschechischen Philharmonie, der für die lange Beethoven-Nacht zuständig ist.

Oder Zdenek Macal, früher Chef in Köln (WDR) und Prag, der sich mit Martinu und Berlioz vorstellt. Aus der jüngeren deutschen Dirigenten-Generation kommt Sebastian Weigle, designierter Opernchef in Frankfurt, nach Bonn; bei ihm wird's russisch zugehen mit Mussorgskis "Nacht auf dem kahlen Berge" und Tschaikowskys 4. Sinfonie.

Eine ganz spezielle Verpflichtung ist Blunier für Verdis "Requiem" gelungen: Am Pult steht der 77-jährige Nello Santi, von den Musikern gern "Papa Santi" genannt, der Spezialist schlechthin für italienische Musik.

Blunier selbst startet in Bonn am 28. November mit einem für ihn nicht untypischen Programm: Ligetis "Lontano", Schönbergs "Fünf Orchesterstücke" und die "Alpensinfonie" von Richard Strauss. Die Musik um die Jahrhundertwende liegt ihm besonders am Herzen, so dirigiert er etwa Busonis 1904 entstandenes, ausschweifendes Klavierkonzert (Solist: David Lively). Damit wird das Beethoven Orchester auch in der Kölner Philharmonie gastieren.

Weiteres aus dem Blunier-Programm: Beethovens "Pastorale", Dvoraks 8. Sinfonie, Mahlers 7. Sinfonie. Und bei den Konzerten, die Blunier selbst dirigiert, wird es am Ende immer auch ein Bonbon geben, eine "nicht deklarierte Zugabe", wie er sagt, "sehr spezielle und vielleicht auch skurrile Sachen". Ebenfalls neu: Blunier bietet dem Publikum 35 Minuten vor Konzertbeginn eine Einführung ins Programm an, die er selbst übernimmt.

"Schöne illustre Namen" hat Bonns neuer Generalmusikdirektor auch bei den Solisten zu bieten: Mischa Maisky, Kolja Blacher, Tzimon Barto, Mirijam Contzen, Frank Peter Zimmermann unter anderem.

Wie üblich, präsentiert das Beethoven Orchester verschiedene weitere Reihen ((beispielsweise "Klassik um 11" mit Musik der Bach-Familie und dem Dirigenten Reinhard Goebel und ein großes Kammermusik-Angebot). Vor allem aber: Speziell für junge Leute hat sich das Orchester viel Neues vorgenommen (siehe unten "Bobbys Klassik").

"Bonn gönnt sich den Luxus, als erste Stadt in Nordrhein-Westfalen einen hauptamtlichen Konzertpädagogen einzustellen", sagt er selbst - und wenn denn einer für diese Aufgabe qualifiziert ist, dann er: Thomas Honickel. In Wuppertal hat der Vater von drei Kindern das Projekt "Kid's Klassik" geleitet, bei den Duisburger Philharmonikern war er Konzertpädagoge, und jetzt geht es ihm darum, in Bonn das junge Publikum an die Klassik heranzuführen. "Bobbys Klassik" heißt das Unternehmen, abgeleitet von der Abkürzung des Beethoven Orchesters Bonn (BOB).

Honickel startet in die neue Saison mit einem Riesenprogramm. Es wird nicht nur wie bisher Familienkonzerte geben, die allerdings von der Beethovenhalle in die Oper umziehen und dort sonntags zwei Mal gespielt werden - Honickel fängt mit speziellen Kinderkonzerten bei den Jüngsten an. Die vier Aufführungen im Studio der Beethovenhalle sind für Kinder ab fünf Jahren gedacht, eine "Musikalische Sternbilderreise" (mit Werken von Mozart, Bach, Bizet, Humperdinck) gehört dazu oder auch Prokofieffs "Peter und der Wolf".

Schließlich: Die Kinder sollen nicht nur zuhören, sondern auch auf der Bühne mitmachen. Dafür gibt es zwei Opernprojekte: für Kinder Rheinbergers "Zauberwort" und für Jugendliche Bresgens "Der Mann im Mond".