Beethovens „Neunte“ feiert Jubiläum Was Besucher des Beethovenfests 2024 in Bonn erwartet

Bonn · Unter dem Motto „Miteinander“ feiert das Beethovenfest in diesem Jahr den 200. Geburtstag der „Neunten“ und den 75. Geburtstag des Grundgesetzes. Fabian Müller bringt sein eigenes Orchester in seine Heimatstadt.

Steven Walter, Katja Dörner, Barbara Massing und Michael Gassmann (v.l.) bei der Vorstellung des Beethovenfest-Programms.

Steven Walter, Katja Dörner, Barbara Massing und Michael Gassmann (v.l.) bei der Vorstellung des Beethovenfest-Programms.

Foto: Patrick Essex

Der sprichwörtliche rote Teppich fällt, wie man bei der Vorstellung des Festivalprogramms durch Intendant Steven Walter am Mittwoch im Pressesaal der UN in Bonn erfahren konnte, für das Eröffnungskonzert des Beethovenfestes am 6. September deutlich größer aus als in den Vorjahren. Denn das Event ist nicht exklusiv auf das (bereits ausverkaufte) Opernhaus für Karteninhaber und geladene Gäste beschränkt, sondern erstreckt sich zeitgleich über den gesamten Münsterplatz, wo Platz ist für einige Tausend Menschen, die dort bei freiem Eintritt ein Live-Programm mit denselben Akteuren verfolgen können. Es treten auf: die Kammerakademie Potsdam unter der Leitung der jungen Dirigentin Elim Chan und die Techno Marching Band Meute. Die sehr tanzbaren Moves der elfköpfigen Blechbläser-Combo stellen sich dann im Opernhaus und im Schatten des Beethoven-Denkmals der Konkurrenz von Ludwig van Beethovens fünfter Sinfonie.

Plädoyer für ein friedliches Miteinander

Das passt durchaus zum Motto des diesjährigen Beethovenfestes „Miteinander“. Dieses Miteinander müsse in einer Demokratie „immer wieder jeden Tag neu erprobt werden“, wie Festival-Intendant Walter betonte. Für Walter eine willkommene Gelegenheit, zugleich 75 Jahre Grundgesetz und den 200. Geburtstag der neunten Sinfonie und der Missa solemnis von Beethoven zu feiern, die beide ein Plädoyer für ein friedliches Miteinander der Menschen und der Menschheit sind.

Am Tag nach dem Eröffnungskonzert lädt das Bundesjugendorchester im Rahmen der traditionellen „Bühne frei für Beethoven“-Veranstaltung zusammen mit dem White Hands Chorus Nippon die Menschen auf dem Münsterplatz dazu ein, die „Ode an die Freude“ in Gebärdensprache zu lernen, bevor das „jüngste Spitzenorchester Deutschlands“ das gesamte Werk unter der Leitung des Komponisten und Dirigenten Tan Dun zusammen mit dem World Youth Choir im Opernhaus zur Aufführung bringt. Außerdem erklingt Tan Duns Komposition „Nine. Ode to Compassion“.

Auch bei der Missa solemnis werden Original und Neu- oder zeitgenössische Rekomposition aufeinandertreffen: am 8. September in der Kreuzkirche in einer historisch informierten Fassung mit René Jacobs, dem B’Rock Orchestra und der Zürcher Sing-Akademie sowie am 29. September wenn das BIPoC-Vokalkollektiv A Song For You und das Bonner Beethoven Orchester unter Leitung von Dirk Kaftan es in einer sehr heutigen Version mit Neo-Soul- und Hip-Hop-Elementen im Telekom Forum präsentieren.

„Musikfest der Demokratie“ am 3. Oktober

Innerhalb dieser inhaltlichen Ausrichtung des Festivals finden sich bis zum Finale am 3. Oktober, das mit einem „Musikfest der Demokratie“ im Regierungsviertel gefeiert wird, viele Gelegenheiten, erstklassige Solisten, Ensembles und auch Orchester zu erleben. So spielt die Geigerin und diesjährige Residenzkünstlerin Isabelle Faust einen Soloabend mit einem reinen Bach-Programm, sie ist außerdem als Kammermusikerin zu hören und tritt mit den Bamberger Symphonikern als Solistin auf. Residenzensemble ist in diesem Jahr das Sitkovetsky Trio, das ebenfalls drei Konzerte spielen wird, darunter ein Konzert mit dem hr-Sinfonieorchester und einer Auftragskomposition von Ferran Cruixent. Weitere prominente Namen und Ensembles sind das Residentie Orkest Den Haag, das Freiburger Barockorchester, das Deutsche Symphonieorchester Berlin, die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, die Pianistin Gabriela Montero, die zu einem Chaplin-Film improvisieren wird, sowie die Pianisten Piotr Anderszewski, Fazil Say, Martin Helmchen, Claire Huangci und Kit Armstrong.

31.400 Tickets im Angebot

Der Bonner Pianist Fabian Müller, der auch Vorsitzender des stetig wachsenden Vereins der Freunde des Beethovenfestes ist, wird bei den kommenden zwei Festivals alle 32 Klaviersonaten von Beethoven aufführen, und in diesem Jahr darüber hinaus erstmals in Bonn sein eigenes Kammerorchester The Trinity Sinfonia mit einem Mozart-Beethoven-Programm präsentieren. Laut Kaufmännischem Geschäftsführer Michael Gassmann verfügt das Beethovenfest über ein Gesamtbudget von 6,1 Millionen Euro, das sich aus verschiedenen Quellen speist. Bonns Oberbürgermeisterin Katja Dörner wies am Mittwoch darauf hin, dass die Stadt Bonn das Beethovenfest wieder mit 1,6 Millionen Euro unterstützen werde, die erneut um 400.000 Euro zur Finanzierung der Ersatzspielstätten während der Beethovenhallen-Sanierung ergänzt würden. In den Verkauf gehen laut Gassmann 31.400 Tickets.

Analog gibt es Tickets erstmals an der neuen Vorverkaufsstelle des Beethovenfestes im Haus der Springmaus. Im Netz gibt es Karten unter beethovenfest.de. Dort findet man auch das komplette Programm sowie alles Wichtige rund ums Festival.

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