Oper in Bonn Begeisternder Auftritt der afrikanischen Compagnie Jant-Bi Jigeen

BONN · Afrika, sprich! Und zwar mit der Stimme Deiner Frauen, die so viel zu sagen hat und doch so selten zu vernehmen ist. "Afro-Dites" lautet der wortspielerische Titel der Choreographie von Germaine und Patrick Acogny, mit der die senegalesische Tänzerinnentruppe Jant-Bi Jigeen über die Bonner Opernbühne wirbelte.

 Bewegung wie in Trance: Sequenz aus "Afro-Dites".

Bewegung wie in Trance: Sequenz aus "Afro-Dites".

Foto: Oper

Acogny, die Grande Dame des zeitgenössischen afrikanischen Tanzes, rekrutierte die Truppe aus ihrer "Ecole des Sables" am Strand von Toubab Dialaw, einem Fischerdorf südlich von Dakar.

Aus dieser ländlichen Region stammen die meisten Mitglieder des Ensembles. Was das Wortspiel angeht: Auch Aphrodite kommt in "Afro-Dites" nicht zu kurz: Diese neun Frauen, die so gar nichts mit der ätherischen Zierlichkeit und Sehnigkeit europäischer Tänzerinnen gemeinsam haben, fühlen sich in ihrem Körper ganz und gar zu Hause, spielen mit ihrem Sex-Appeal und haben jede Menge Spaß.

Vieles, was das Ensemble im Laufe der pausenlosen 70-Minuten-Performance über die Wirklichkeit afrikanischer Frauen im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne erzählt, ist mit Humor und Ironie angereichert.

Wenn junge Senegalesinnen mit Leggings, Paillettentop und Handtasche auf nur einem Stöckelschuh gegen Frauen mit traditionellem Gewand antreten, wenn sie aufgereiht auf einer Bank sitzen und mit lautem Geschnatter sowie blitzschnellen synchronen Arm- und Beinbewegungen die Choreographie des Nachbarschaftstratsches tanzen, ist das hinreißend komisch.

Aber Vorsicht: Im nächsten Moment kippt die Stimmung. Dann nämlich, wenn Jant-Bi Jigeen das Leiden der Frauen unter Missbrauch, Vergewaltigung und Genitalverstümmelung darstellt. Im rituellen Beschwörungstanz des Finales kann sich die Spannung dieser angstvollen Szenen entladen; hier stampfen, schütteln und springen sich die Neun fast in Trance: So wird Tanz zur Kontaktaufnahme mit Göttern und Ahnen.

Doch was das Stück so mitreißend macht, ist nicht nur das kontrastreiche Nebeneinander von afrikanischem Ritual und modernem westlichen Bühnentanz, sondern das Selbstbewusstsein der Frauen, ihr Elan, ihr schnelles Mundwerk und ihr Mut zu großen Gefühlen. Den Soundtrack dazu hat Fabrice Bouillon-La Forest der Compagnie mit einer Kombination aus Alltagsgeräuschen, Stimmen, afrikanischen Trommelrhythmen und Computerklängen auf den Leib geschrieben. Das Bonner Publikum ist begeistert. Afrika hat gesprochen, mit der Stimme der Frauen, und alle haben zugehört.

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