Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach in der Kreuzkirche Bewegende Aufführung

Bonn · Die jährliche Aufführung des Bach'schen Weihnachtsoratoriums in der Bonner Kreuzkirche hat eine ausgesprochen lange Tradition - das Unterfangen, dem sich die zahlreichen Musiker am vergangenen Wochenende widmeten, war jedoch noch einmal etwas Besonderes.

 Eine Tradition in der Kreuzkirche: Die Kantorei singt das Weihnachtsoratorium.

Eine Tradition in der Kreuzkirche: Die Kantorei singt das Weihnachtsoratorium.

Foto: Horst Müller

Das ganze Weihnachtsoratorium, bestehend aus sechs Teilen, jeweils Samstag und Sonntag in Gänze aufgeführt. Alleine schon aufgrund der Quantität eine enorme Leistung, die Kantorei und Orchester der Kreuzkirche im schön geschmückten Altarraum auf die Bühne brachten.

Auch in diesem Jahr hatte Karin Freist-Wissing namhafte Gesangssolisten für das Projekt gewinnen können: Ingeborg Danz (Alt), Thomas Klose (Tenor, Arien), Jörg Nitschke (Tenor, Evangelist) und Klaus Mertens (Bass) sind der Kreuzkirche schon viele Jahre verbunden, die Sopranistin Ina Siedlaczek ergänzte das Solisten-Ensemble. Mit viel Begeisterung begannen Kantorei und Orchester den Nachmittag. Freist-Wissing dirigierte die Chöre wie gewohnt recht zügig und mit dynamischen Feinheiten, die Kantorei und Orchester stimmungsvoll umsetzten.

In der ersten Hälfte des Werks tat sich vor allem Ingeborg Danz in ihren Arien "Bereite dich, Zion", "Schlafe, mein Liebster" und "Schließe, mein Herze" hervor. Ein weiteres Highlight war Mertens' "Großer Herr und starker König", das durch den Trompeter Peter Scheerer wunderbar festlich gestaltet wurde. Überhaupt waren in den Rezitativen und Arien nicht nur hervorragende Gesangssolisten zu hören, sondern auch die Instrumentalsolisten Peter Stein (Violine), Volker Kriegsmann und Birgitta Kragh (Oboen) und Elisabeth Poggel (Flöte) zeigten sich auch dieses Jahr als hervorragende Musiker und feinfühlige Begleiter.

Auch auf die Continuogruppe mit Boris Kuckert, Fiete Wulff (Violoncello), Wolfgang Platen (Kontrabass) und Stefan Horz (Orgel) konnte Freist-Wissing so bauen, dass sie phasenweise nicht dirigierte. Nach einer knapp einstündigen Pause, in der man Kartoffelsalat, Würstchen und Glühwein im Kirchenpavillon genießen durfte, hatte sich eine etwas kleinere Publikumsschar für die Kantaten 4-6 versammelt.

Hier zeigte sich die Mitwirkenden stellenweise nicht ganz so routiniert und sicher wie in den ersten drei Teilen, was sich in kleineren Ungenauigkeiten zeigte, die Freist-Wissing jedoch problemlos ausgleichen konnte. Sopranistin Ina Siedlaczek brillierte in ihrer Echo-Arie ebenso wie in den Duetten mit Mertens. Voller Highlights gestaltete sich der sechste und letzte Teil mit den schwungvollen Chorälen zu Beginn und am Ende, bei denen man sich über Trompeter Scheerer schlicht nur freuen konnte, sowie einem bezaubernd schönen (und leisen) "Ich steh an deiner Krippen hier".

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