Konzert in der Kölnarena Biffy Clyro begeistern ihre feiernden Fans

Köln · Im Rahmen ihrer "Ellipsis Tour 2016" gab die schottische Rockband Biffy Clyro ein von rund 7000 Fans in der Kölner Lanxess Arena gefeiertes Konzert.

 Biffy Clyro begeisterte seine Fans in Köln.

Biffy Clyro begeisterte seine Fans in Köln.

Foto: Thomas Brill

Am 11. im Elften sind diesmal in der Lanxess Arena keine Alaaf-Rufe zu hören, bestenfalls ein kurz angespieltes "Viva Colonia". Doch ausgelassene Stimmung gibt es beim Konzert, dass das schottische Trio Biffy Clyro vor 7000 feiernden Fans in der lediglich zur Hälfte gefüllten Arena gibt, dennoch reichlich. Die eher enttäuschende Fanmenge könnte darin begründet sein, dass Anhänger härterer Rocksounds im Vorfeld schwierige Entscheidungen zu treffen hatten, sofern sie nicht die Privatinsolvenz riskieren wollten. Innerhalb weniger Tage gaben sich nämlich Placebo, Volbeat, Biffy Clyro und Red Hot Chili Peppers - deren Konzert findet am Montag statt - die Arena-Klinke in die Hand.

Rhythmischer Applaus begleitet "Wolves of Winter" vom aktuellen "Ellipsis"-Album, mit dem Biffy Clyro seinem musikalischen Profil, das sehr homogen unterschiedliche klangliche Aspekte zwischen metallisch schwer und poppig leicht verbindet, alle Ehre macht. Der zunächst kompromisslos gradlinig vorpreschende Song entwickelt sich zum perfekten Soundrack einer aberwitzigen Skifahrt.

Zunächst geht es in rasend schneller Schussfahrt einen rockigen Steilhang hinunter, doch dann tauchen plötzlich erste Slalom-Tore auf. Das Tempo wird abrupt gedrosselt und eine vertrackte Rhythmik macht deutlich, dass die Kanten auf der vereisten Piste schwer beansprucht werden, um durch die eng gesteckten Fahnen zu kommen. Dann läuft alles zu einem gemäßigten Abfahrtsabschnitt aus, wo zu melodischen Refrains mit entspannten Bögen ins Tal gewedelt wird.

Eine ideale Einladung zum Mitsingen

Frontmann Simon Neil (Gitarre, Gesang) und die ungleichen Zwillingsbrüder James (Bass) und Ben Johnston (Schlagzeug) liefern, verstärkt durch Mike Vennart (Gitarre) und Richard Ingram (Keyboards), einen extrem dichten Sound, dessen rhythmische Kraft die Fans nicht nur im Circlepit ausgelassen pogen lässt. "Bubbles" vom älteren Album "Only Revolutions" markiert den ersten Konzerthöhepunkt. Die pathetisch eingängigen Refrains sind eine ideale Einladung zum Mitsingen, die nicht nur bei "Mountains" immer wieder gerne angenommen wird.

Gelegentlich hat es den jedoch Anschein, als wäre Simon Neil ein Singer/Songwriter - seine Art des Gitarrespiels erinnert stark an das auf einer Akustischen - in Verkleidung, der neben lautstarken Sounds eben auch eine Schwäche für stillere Melodien hegt. Mit Songs wie "Medicine", das er gleichsam solo präsentiert, oder "Machines" ist dieses Verlangen nach mehr Innigkeit sehr deutlich zu spüren.

Gelegentlich entspringt dieser Sehnsucht nach melodischen Harmonien jedoch auch ganz oberflächlicher Pop. Insbesondere "Re-Arrange" klingt so zuckersüß, dass sich Simon Neil veranlasst sieht, eine ironische Distanz zu schaffen, indem er unmittelbar nach dem Song mit piepsigem Mause-Stimmchen den Fans ein herzallerliebstes "Ich liebe sie" entgegensäuselt. Schließlich entledigt aber auch er sich Haarspange und seines weit geschnittenen Hemdes, und lässt es mit bloßem Oberkörper - wie die Johnston-Brüder seit Konzertbeginn - bis zum Finale samt Zugaben krachen.

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