Ausstellung in der Michael Horbach Stiftung in Köln Bilder von Russen in Deutschland

Köln · „The Russians love their children too“ heißt eine Ausstellung in Köln, die an die Mitmenschlichkeit appelliert. Sie zeigt russische Familien, die in Deutschland leben. Bei der Umsetzung stieß Fotografin Ulrike Reinker auf einige Probleme.

Eine ganz normale Familie. Eine russische Familie in Deutschland, die Ulrike Reinker besucht hat.

Eine ganz normale Familie. Eine russische Familie in Deutschland, die Ulrike Reinker besucht hat.

Foto: Ulrike Reinker

Ganz am Anfang war es nur ein Gefühl. „Diese Aufteilung in Gut und Böse fand ich ganz schrecklich“, sagt Ulrike Reinker, „die Entscheidung, die Ukraine zu überfallen, war die Entscheidung von Wladimir Putin. Nicht die Entscheidung der ganz normalen Bevölkerung. Auch diese Menschen haben Familie, haben Männer, Brüder, Söhne, Väter – und Tote in diesem Krieg zu beklagen. Aber diesen anderen Teil der Wahrheit habe ich nicht gespürt. Ich habe einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn – und wollte herausfinden, wie es russischen Menschen, die in Deutschland leben, mit diesem Krieg geht.“

Die Ergebnisse ihrer mehr als zwölfmonatigen Recherche zeigt die Düsseldorfer Fotografin ab dem 3. März in der audio-visuellen Ausstellung „The Russians love their children too“. Pate für den Titel stand der Song „Russians“ von Sting, der damit ein Statement für Menschlichkeit im Kalten Krieg abgab: „Allerdings hieß es da, abgeschwächt: ,I hope, the Russians love their children too.‘ Aber ich bin mir ganz sicher: Auch die Russen lieben ihre Kinder.“

Bei vielen ging die Angst um

Mit ihrer Kamera und einem Aufnahmegerät hat Reinker russische Familien, aber auch Einzelpersonen in ihren Wohnungen besucht, mit ihnen gesprochen und sie porträtiert. Stieß dabei aber, im Vorfeld, auf große Schwierigkeiten: „Am Anfang waren alle begeistert und wollten mit der ganzen Familie, mit Opa, Oma, Onkel und Tante, aufs Bild. Aber dann gab immer wieder Absagen. Die Menschen hatten Angst.“ Wovor? „Sie hatten Angst, ihren Job zu verlieren, angegriffen zu werden, die Verwandten in der Ukraine zu brüskieren. In der Ukraine sind 40 Prozent der Bevölkerung russisch. Für die ersten sechs Wochen nach Beginn des Krieges listet die Kriminalstatistik in Deutschland 400 Straftaten gegen Russen auf, darunter auch solche gegen Kinder.“

Das Feindbild des „bösen Russen“ aus dem Kalten Krieg lebe in den Köpfen wieder auf, so Reinker: „Richtig entsetzt war ich, als ich in einem Kommentar-Portal für Abonnenten von ‚Die Welt‘ gelesen habe: ‚Von mir aus können noch tausende russische Soldaten sterben, aber wir müssen mit allen Mitteln verhindern, dass noch weitere ukrainische Soldaten ihr Leben lassen.‘“

Mit ihren großformatigen Porträts, die in NRW, in Niedersachsen und in Berlin entstanden, will sie eine Annäherung zwischen Deutschen und Russen, die in Deutschland leben, schaffen: „Ich will zeigen, dass das, was uns alle verbindet, die Menschlichkeit ist. Und dass der Krieg etwas ist, worunter alle leiden.“

Grotesk überspitzte Vorurteile

Parallel dazu gibt es eine Audio-Installation, auf der Interviewpartnerinnen und -partner von ihren Erfahrungen hierzulande berichten, aber auch von ihren Ängsten und Sorgen in Bezug auf den Krieg. Kombiniert wird das mit aktuellen Zitaten von deutschen Politikern, Tondokumenten aus dem Kalten Krieg sowie Ausschnitten von der Rede, die Wladimir Putin 2001 im deutschen Bundestag gehalten hat und mit traditionellen russischen Musikstücken.

Weitere Akzente setzen Aufnahmen von einem Fest des Vereins „Druschba“ (Freundschaft), der sich bundesweit für Völkerverständigung einsetzt, und ein mit deutschen Laienschauspielern aufgenommenes Foto, das, grotesk überspitzt, gängige Vorurteile über Russen inszeniert: mit Wodkaflaschen, Trachten und Stalin-Porträt an der Wand.

Reinkers Fazit am Ende ihrer Recherchereise: „Alle wollen Frieden, alle sind entsetzt, alle wollen, dass es endlich vorbei ist.“

Ulrike Reinker: „The Russians love their children too“, Sonntag, 3. März, bis Montag, 25. März, Kunsträume der Michael Horbach Stiftung, Wormserstr. 23, 50667 Köln (Südstadt). Vernissage: 3.3., 17 Uhr. Geöffnet: Mi. und Fr. 15.30 Uhr, So. 11-14 Uhr. Der Eintritt ist frei. Mehr Infos: http://www.michael-horbach-stiftung.de/kunstraeume.html und www.ulrike-reinker.de

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