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Gelände der Halle Beuel: Bonn bekommt im Juni ein Auto-Theater

Gelände der Halle Beuel : Bonn bekommt im Juni ein Auto-Theater

Das Bonner Theater eröffnet Anfang Juni mit Partnern aus der Bonner Bühnenszene ein Auto-Theater auf dem Gelände der Halle Beuel. Die derzeitigen Regeln führen dabei zu großen Herausforderungen - auch auf der Bühne.

Die Corona-Krise krempelt die Seh- und Hörgewohnheiten in Deutschland radikal um: Das zuvor gern geschmähte Auto, das eigentlich durch eine Verkehrswende zunehmend aus den Innenstädten verdrängt werden sollte, erlebt derzeit als mobiles Wohnzimmer und fahrbare Sicherheitszone eine bemerkenswerte Renaissance.

Für Kino- und Konzertbesuche längst unabdingbar, wird es nun – hoffentlich nur vorübergehend – auch das Mittel der Wahl, um Tragödien und Komödien zu erleben. Ab dem 5. Juni wird das Theater Bonn auf dem Areal der Halle Beuel eine entsprechende Bühne anbieten und gemeinsam mit anderen beliebten Häusern bespielen, um im kleinen Rahmen zumindest etwas Kultur erlebbar zu machen.

Gerade einmal 41 Pkw finden auf dem Gelände zwischen Pantheon und Altem Malersaal Platz, kein Vergleich zu den gut 200 Wagen, die etwa bei den Autokonzerten am Westwerk in Endenich pro Veranstaltung zugelassen sind. „Wir wollten ganz bewusst eine dichtere Atmosphäre schaffen und die Fahrzeuge näher an die Bühne bringen, damit man das Geschehen auch wirklich gut verfolgen kann“, erklärt Schauspieldirektor Jens Groß im Gespräch mit dieser Zeitung. „Die Planungen dafür gab es schon länger, und als jetzt klar wurde, dass aufgrund der derzeit notwendigen Vorgaben und Anforderungen für einen Spielbetrieb fast kein Theater eine Wiedereröffnung vor September ernsthaft in Erwägung zieht, haben wir uns an die Umsetzung begeben. Im Schauspielhaus hätten wir immerhin vor maximal 80 Zuschauern spielen dürfen, in der Werkstatt vor 20.“

Verschiedene Theater steuern Aufführungen bei

Diese Kapazitäten bietet das Auto-Theater allemal. „Gleichzeitig war uns von vornherein wichtig, dass wir diese Bühne auch für andere Häuser öffnen, um die Vielfalt der Bonner Theaterszene abbilden zu können“, fügt Groß hinzu.

Neben dem Theater Bonn, das achtmal eine modifizierte Version des Episodenstücks „Linie 16“ sowie zweimal das bilinguale „I Have A Dream“ präsentiert, steuern auch das Haus der Springmaus, das Junge Theater, das Theater Marabu, das Euro Theater Central und natürlich das Pantheon Aufführungen bei. „Mit letzterem arbeiten wir ohnehin Hand in Hand“, erklärt Groß. „Im Foyer wird es ein bisschen Catering geben, außerdem befinden sich dort die Toiletten.“

Das Theater Bonn übernimmt derweil die Bühne samt Technik und Personal, sodass den anderen Akteuren laut Groß keine Kosten entstehen würden. „Wir wollen ein Zeichen der Solidarität setzen und zeigen, dass wir noch da sind, dass wir relevant sind und dass wir zugleich bereit sind, uns an die neuen Begebenheiten anzupassen.“

Abstandsregeln auch auf der Theaterbühne

Letzteres ist dabei eine besondere Herausforderung, gelten doch die Abstandsregeln auch auf der Theaterbühne. „Natürlich erfordern diese und weitere Einschränkungen ganz neue Formen des Theaters“, sagt Groß. „Auch bei ‚Linie 16‘ mussten wir einiges umgestalten, um dem Rechnung zu tragen. Aber wir haben nun einmal eine Verantwortung, sowohl gegenüber dem Publikum als auch gegenüber den Schauspielern, und insofern steht die Sicherheit auf, vor und hinter der Bühne an erster Stelle.“

Dennoch bleibt zu hoffen, dass ab August Theater und Kabarett auch ohne Autos eine Option sein wird. Schließlich verlangt Kunst meist nach Nähe. Und nicht nach Blech.