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Bonn: Europäische Kulturpreise in der Oper verliehen

Viel Prominenz dabei : Europäische Kulturpreise in der Oper Bonn verliehen

In der Oper Bonn sind am Samstagabend die diesjährigen Europäischen Kulturpreise verliehen worden. Unter den Preisträgerin waren unter anderem Stargeiger David Garrett, Top-Model Barbara Meier und das Beethoven Orchester Bonn.

Für einen Abend besaß Bonn noch einmal Hauptstadt-Flair: Ein roter Teppich, jede Menge Prominenz und das unvermeidliche Blitzlichtgewitter erinnerten am vergangenen Samstag an jene Zeiten, in denen ein derartiges Schaulaufen am Rhein noch selbstverständlich war.

Stars wie Trompeter Till Brönner und Sängerin Katie Melua, Schauspieler Tobias Moretti und die Scorpions, Künstler Gottfried Helnwein und Model Barbara Meier, Sopranistin Diana Damrau und Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg: Sie alle waren zur Verleihung des Europäischen Kulturpreises gekommen, die aus Anlass von Beethovens 250. Geburtstag in der Geburtsstadt des Komponisten stattfand. In einer kurzweiligen, fast dreieinhalbstündigen Gala mit vielen Höhe- und nur wenigen Tiefpunkten feierten sie im Opernhaus Kunst und Kultur in all ihren Facetten.

Im Mittelpunkt des Geschehens stand das Beethoven Orchester, das sich unter Dirk Kaftan zu einem emsigen und vielseitigen Vermittler von klassischer Musik sowie als Brückenbauer zwischen den Genres etabliert hat und daher ebenfalls mit einem Europäischen Kulturpreis geehrt wurde. Im Laufe des Abends machte der Klangkörper deutlich, dass es diese Auszeichnung zu Recht erhalten hatte: Neben der Beethoven-Ouvertüre zu Ballettmusik „Die Geschöpfe des Prometheus“ und einem Auszug aus der 7. Sinfonie boten sie anderen Preisträgern ein fantastisches Fundament, spielten mit Till Brönner dessen Eigenkomposition „Elysium“, interpretierten mit Katie Melua „What A Wonderful World“, führten mit der phänomenalen Sopranistin Diana Damrau „Hör ich Cymbalklänge“ aus Franz Léhars Operette „Zigeunerliebe“ auf und unterstützten Scorpions-Sänger Klaus Meine und Moderatorin Annette Dasch bei der Wende-Hymne „Wind of Change“.

Letzteres brachte den ganzen Saal auf die Füße – zu schade, dass ein unpassend gesetzter Video-Einspieler den stehenden Ovationen ein jähes Ende setzte. Immerhin konnten aber Star-Geiger David Garrett sowie der 14-jährige Nachwuchspianist Colin Pütz (der keinen Preis erhielt) bei ihren musikalischen Beiträgen den Applaus angemessen genießen.

Einen weiteren Glanzpunkt setzte Tobias Moretti, der für seine Hauptrolle in der ARD-Produktion „Louis van Beethoven“ ausgezeichnet wurde und mit seiner Dankesrede, in der er die Vielfalt Europas und der Kultur betonte, ein rhetorisches Meisterstück ablieferte. Ohnehin zeichneten sich nahezu alle Reden durch Prägnanz, Witz und Gefühl aus, abgesehen von der völlig konfusen Lobhudelei, die Entwicklungsminister Gerd Müller auf Barbara Meier in ihrer Funktion als Botschafterin für nachhaltige Textilien hielt.

Der CSU-Politiker streifte dieses Thema nur kurz, sprang dann wild zwischen Afghanistan, dem Ahrtal und den Slums in Kinshasa hin und her und brachte dabei nicht einen einzigen grammatikalisch korrekten Satz hervor. Diesen Tiefpunkt konnte auch Meier nicht mehr retten, die zuvor schon als Schirmherrin und Jury-Mitglied des Europäischen Förderpreises in Erscheinung getreten war. Diese mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung ging übrigens an den Sprachroboter Elias – der in seiner Rede weitaus souveräner und sicherer agierte als Minister Müller.

Eine Überraschung gab es derweil für Nico Rosberg, der für sein Engagement im Bereich Elektromobilität den Europäischen Kulturpreis erhielt: Vor der eigentlichen Laudatio konnte er sich über eine Videobotschaft von Fürst Albert von Monaco freuen; der ehemalige Rennfahrer ist in dem Stadtstaat aufgewachsen und wohnt auch dort. Rosberg nutzte seine kurze Dankesrede dafür, einmal mehr auf die Bedrohung durch den Klimawandel hinzuweisen, der eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung darstellt – und genau dabei können Kunst und Kultur helfen.

An deren Wirkungsmöglichkeit kann es immerhin keinen Zweifel geben, das haben schon die Scorpions bewiesen. Oder Gottfried Helnwein. Der umstrittene Künstler, der vor allem durch seine Bilder von verwundeten und bandagierten Kindern bekannt geworden ist, vermag es wie kaum ein anderer, die Herzen der Menschen zu erregen, zum Guten wie zum Schlechten. Warum? Helnwein weiß es. „Es ist nicht mein Bild, das elektrisiert, es sind vielmehr die Bilder, die Ihnen in den Kopf kommen, wenn Sie meines sehen“, sagte er. Genau das gelingt letztlich auch guter Musik. Ob sie von Beethoven ist oder von den Scorpions.