200. Geburtstag von Richard Wagner Bonn feiert mit Konzerten, Lesungen, einer Filmnacht und einem Symposium

Wenn es um Richard Wagner geht, kochen die Emotionen schnell hoch. Das musste auch Thomas Mann erfahren, der 1933 seinen Essay "Leiden und Größe Richard Wagners" veröffentlichte und damit im jungen Nazi-Deutschland so heftige Proteste auslöste, dass er dies zum Anlass nahm, von einem Erholungsurlaub in Arosa nicht mehr nach München zurückzukehren und ins Exil zu gehen.

Jonas Kaufmann und Annette Dasch in der Bayreuther Lohengrin-Produktion von 2010.

Jonas Kaufmann und Annette Dasch in der Bayreuther Lohengrin-Produktion von 2010.

Foto: dpa

Dabei hätte man seine Schrift durchaus als Bekenntnis zu dem Komponisten lesen können. Dass Wagner auch heute noch kaum jemanden kalt lässt, hat sich Andreas Loesch vom Kulturamt der Start Bonn zu Herzen genommen, als er in enger Zusammenarbeit mit dem Richard-Wagner-Verband Bonn/Rhein-Sieg einen ganzen Veranstaltungsreigen zum 200. Geburtstag des Komponisten plante.

Vom 13. bis zum 28. April würdigt man den Jubilar unter anderem mit Konzerten, Tanztheater, einem Lesemarathon und sogar einem zweitägigen Symposium. Krönung und Abschluss der Reihe ist Vera Nemirovas Tristan-Neuinszenierung an der Bonner Oper am 28. April. Die Veranstaltungsreihe soll freilich keine unkritische Verbeugung vor dem umstrittenen Genie werden.

"Wir wollen nicht jubeln, wir wollen nicht verdammen, wir wollen diskutieren", sagte Loesch, der nicht nur regelmäßig im Sommer zu den Festspielen nach Bayreuth reist, sondern auch Vorstandsvorsitzender des Festival junger Künstler ist, bei der Vorstellung des Programms. Bei der Planung legte er großen Wert darauf, auch die freie Kulturszene mit einzubinden.

Eröffnet wird die Reihe durch die Tanzkompanie bo komplex am Samstag, 13. April, im Stadtmuseum Siegburg, wo deren Stück "... im echten Land ... - Eine Reise zu Richard Wagner" uraufgeführt wird. Choreografin dieses "Tanztheaters mit zwei Tänzerinnen, zwei Sängerinnen und drei Musikerinnen" ist Bärbel Stenzenberger, die musikalische Leitung übernimmt Sibylle Wagner, Direktorin des Bonner Opernchores.

Für reichlich Diskussionsstoff wird sicher auch die Opernfilmnacht am 20. April im LVR-Landesmuseum sorgen. Zu sehen ist Wagners Lohengrin in drei der bedeutendsten Bayreuth-Inszenierungen aus den vergangenen drei Jahrzehnten. Aus Götz Friedrichs Inszenierung von 1979 wird der erste Akt gezeigt, aus Werner Herzogs Version von 1987 der zweite und der dritte aus Hans Neuenfels' Regiearbeit aus dem Jahre 2010.

Mit großer Spannung darf man dem Zweipersonenstück "Wagners Hirn" am 26. April im Schumannhaus entgegensehen, das von einem fiktiven Besuch handelt, den Wagner seinem Kollegen Robert Schumann in der Endenicher Heilanstalt abstattet. Regie führt Solveig Palm.

In dem zweitägigen interdisziplinären Symposium, das im Gobelinsaal des Bonner Rathauses (26. April) und im LVR-Landesmuseum (27. April) zu verfolgen ist, werden ganz unterschiedliche Aspekte aus Werk und Wirkungsgeschichte thematisiert. Ein Schwerpunkt ist die Verbindung zwischen Wagner und den Ideen des Nationalsozialismus.

So macht sich Rainer Holm-Hadulla über die "Mythische Inkarnation faschistischer Konfliktlösung" Gedanken, Peter Steinacker aus Frankfurt spricht über den Einfluss von Gobineaus Rassentheorie auf den Parsifal. Amaury du Closel (Paris) untersucht am Beispiel der "Bayreuther Blätter" den Bayreuther Kreis und den Nazismus. Dass in Bonn ein unkritischer Geniekult um Wagner betrieben wird, muss man also nicht befürchten.

Karten in den Bonnticketshops der GA-Zweigstellen.

Wagner in Bonn: Termin-Auswahl

  • Samstag, 13. April, 19.30 Uhr, Stadtmuseum Siegburg: "... im echten Land ... Eine Reise zu Richard Wagner", Tanztheater, bo komplex
  • Donnerstag, 18. April, 19 Uhr, Beethoven-Haus: "Eine Pilgerfahrt zu Beethoven", Lesung mit Musik nach einer Novelle von Richard Wagner. Mit Malte Boecker (Lesung) und Alexander M. Wagner (Klavier).
  • Freitag, 19. April, 21-1 Uhr, Euro Theater Central: Lesemarathon mit Texten aus Opern und Schriften Wagners.
  • Samstag, 20. April, 19 Uhr, LVR-Landesmuseum: Opernfilmnacht "Lohengrin".
  • Sonntag, 21. April, 17 Uhr, Schlosskirche: Felix Wahl (Klavier) spielt Werke von Wagner u.a..
  • Freitag, 26. April, Schumannhaus, 20 Uhr: "Wagners Hirn".
  • Freitag/Samstag, 26./27. April, Rathaus/LVR-Landesmuseum: Symposium.
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