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Bonn: Oper spielt Figaros Hochzeit

Wiederaufnahme an der Oper Bonn : „Figaros Hochzeit“ ist ein großes Fest

An „Figaros Hochzeit“ hatte das Bonner Opernpublikum schon einmal seine Freude. Die stellt sich bei der Wiederaufnahme erneut ein – auch wenn bei mancher Szene das Lachen im Halse stecken bleibt.

Figaro heiratet wieder, und die Wiederaufnahme der Mozart-Buffa wird in der Bonner Oper mindestens ebenso jubelnd aufgenommen wie die Premiere vor viereinhalb Jahren. Zu Recht: Selten ist das Meisterwerk „Le Nozze di Figaro“ so stimmig und so spritzig zu erleben wie in der Inszenierung von Aron Stiehl.

Schon die Ouvertüre jagt, lacht und kichert so ansteckend, dass die Zuschauer unverzüglich genauso hellwach auf den ersten Akt warten wie die Musiker. Daniel Johannes Mayr am Pult des Beethoven Orchesters Bonn dirigiert eine mitreißend vitale Eröffnung mit scharfen dynamischen Kontrasten und einem prachtvollen Crescendo am Ende.

Ernste Untertöne im Ränkespiel

Was diese Musik für eine Wirkung erzielen kann, durfte Mozart selbst erleben, als er 1787 die Prager Gesellschaft auf einem Ball erlebte: „Ich sah mit ganzem Vergnügen zu, wie alle diese Leute auf die Musick meines Figaro, in lauter Contretänze und Teutsche verwandelt, so innig vergnügt herumsprangen.“

Bei allem Vergnügen bleiben die ernsten Untertöne des virtuosen Ränkespiels jedoch immer spürbar. Das Schloss des Grafen Almaviva hat schon bessere Tage gesehen; die Ausstatter Timo Dentler und Okarina Peter präsentieren die verschiedenen Räume als eine drehbare, bis auf das nackte Mauerwerk aufgeschnittenen Konstruktion, die keine Behaglichkeit zulässt. Wenn der Graf Susanna hier völlig unzweideutig in die Enge treibt, ist das gar nicht witzig.

Hinreißende Spielfreude und Stimmgewalt

Auch bei der brutal inszenierten Verurteilung Cherubinos zum Militärdienst bleibt vor dem Hintergrund der Ereignisse in Russland und der Ukraine jegliches Lachen im Hals stecken. Aber die hinreißende Spielfreude und Stimmgewalt des Ensembles sorgen dafür, dass die Champagnerlaune dieser auch choreografisch hübsch verzierten comédie humaine nicht abreißt: Tobias Schabel ist ein gut aussehender Figaro mit kernigem Bass und überzeugenden Stimmungsschwankungen. Marie Heeschen als Susanna lässt ihren beweglichen Sopran ebenso leuchten wie ihr komödiantisches Talent. Als Almaviva überzeugt einmal mehr Giorgos Kanaris mit großer Stimme und Bühnenpräsenz. Anna Princevas Gräfin ist eine wunderbare Drama Queen mit Schuhtick und Schampusvorrat, Charlotte Quadt ein androgyner Cherubino mit schlank strahlendem Mezzosopran. Auch die weiteren Rollen sind ausnahmslos hervorragend besetzt, sodass bei den Arien und Ensemblenummern ein Höhepunkt auf den anderen folgt.

Musikalisch bezaubernde Szenen

Und wenn dann musikalisch bezaubernde Szenen wie das berückend schöne Duett „Que soave zeffiretto“ (Gräfin/Susanna) oder das turbulente Finale im vernebelten Pinienhain auch noch mit so viel Witz und Liebe zum Detail in Szene gesetzt werden wie hier, wird Figaros Hochzeit für alle Beteiligten diesseits und jenseits des Orchestergrabens zum großen Fest.

Die nächsten Vorstellungen: 30. September, 8. und 29. Oktober