Deutscher Beitrag für die Architekturbiennale Bonner Kanzlerbungalow wird in Venedig nachgebaut

BONN · Konrad Adenauer mag ein begnadeter, schlitzohriger Politiker gewesen sein und einen historisch abgesicherten Ruf genießen - aber von Architektur hatte der Wahlrhöndorfer und Bundeskanzler keine Ahnung.

Nicht anders lässt sich interpretieren, was er zu dem von seinem Nachfolger im Amt, Ludwig Erhard, in Auftrag gegebenen Kanzlerbungalow in Bonn meinte: "Ich weiß nicht, welcher Architekt den Bungalow gebaut hat, aber der verdient zehn Jahre." Der Architekt war wirklich kein Unbekannter: Sep Ruf.

Und der vor bald 50 Jahren eröffnete Bungalow auf der grünen Wiese zwischen dem Palais Schaumburg und der Villa Hammerschmidt zählt mittlerweile zu den Architekturikonen der 1960er Jahre. Seit 2001 steht er unter Denkmalschutz, die Wüstenrot-Stiftung ließ den Bungalow, der den Kanzlern Erhard, Georg Kiesinger und Helmut Schmidt ein Flachdach über dem Kopf bot, restaurieren. Helmut Kohl lebte gar 16 lange Kanzlerjahre in Rufs Haus - unter Murren, da es ihm zu eng und unkomfortabel war.

Der Kanzlerbungalow kommt nun zu ganz besonderen Ehren. Die Zürcher Architekten Alex Lehnerer und Savvas Ciriacidis, Kommissare des Deutschen Pavillons auf der Architekturbiennale in Venedig (7. Juni bis 23. November), haben den Bonner Bau als Beitrag Deutschlands ausgewählt.

Das wurde im Rahmen von Rem Koolhaas' Präsentation in der italienischen Botschaft in Berlin bekannt. Der niederländische Architekt, künstlerischer Leiter der Architekturbiennale, hat die gerne um nationale PR kreisenden Länderbeiträge auf ein Generalthema verpflichtet: "Absorbing Modernity: 1914-2014" spürt der Rezeption der Moderne über die Jahrzehnte nach. Sep Rufs Stahl-Glas-Architektur bietet sich da ideal an.

Am vergangenen Montag gab es ein Symposium unter dem Titel "Vergegenwärtigung" im Kanzlerbungalow. Lehnerer und Ciriacidis sowie Philip Ursprung von der ETH Zürich hatten ein Dutzend Experten, in erster Linie Architekten, nach Bonn eingeladen. Gemeinsam mit Vertretern vom Haus der Geschichte, das den Bungalow betreut, vom Bundesbauministerium und der Stiftung Wüstenrot wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit über architektonische Details wie über die Historie dieses Baus, der in besonderer Weise Privatsphäre und Politikbereich verzahnt, und die Frage diskutiert, wie sich das Phänomen des Regierungsprovisoriums Bonn in der Architektur niederschlägt.

Spannend ist natürlich, wie der Kanzlerbungalow an die Lagune kommt. Die Kommissare Lehnerer und Ciriacidis, die ihr Projekt "Bungalow Germania" nennen, lassen sich nicht in die Karten schauen. Wenn es nach ihnen geht, wird die Öffentlichkeit erst am 6. Juni - Pressekonferenz im Deutschen Pavillon in Venedig - Details erfahren. Es ist ein brisantes Zusammentreffen. Da ist der Deutsche Pavillon mit den Lettern "Germania" auf dem krönenden Architrav.

Er war einst ein Tempelchen mit ionischen Säulen - der bayerische Biennale-Pavillon von 1907 -, der auf Geheiß der Nazis 1938 durch Ernst Haiger mit mächtigen Pfeilern und Hakenkreuzadler architektonisch brutalisiert wurde. Einige Details nahm man 1964 zurück. Dieser viel kritisierte und immer wieder kommentierte mächtige Tempel trifft auf ein Juwel der Leichtigkeit: Sep Rufs langgestreckter Glas-und-Stahl-Bungalow, Inbegriff von demokratischer Transparenz, früher bundesrepublikanischer Bescheidenheit und ungeahnter Eleganz.

"Wir wollen den Pavillon durch den Bungalow lesen und anders herum", verriet Lehnerer dem "Baunetz": "Die architektonische Verschneidung dieser sehr unterschiedlichen Architekturen steht mit all ihren Brüchen und Kontinuitäten auch für die Gegenwart." Wie diese "Verschneidung" vor sich gehen wird, soll noch ein Geheimnis bleiben. Dem Vernehmen nach soll der politische, nicht-private Bereich des Bungalows eins zu eins nachgebaut und in den Pavillon gestellt werden. Aber das ist Spekulation. Die Pressestelle der zuständigen Agentur von Sally Below verweist darauf, dass die Details vorerst "unter Verschluss" bleiben und das "räumliche Erleben nur vor Ort" möglich sei.

"Ich finde es klasse", freut sich Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte, dass "sein" Kanzlerbungalow zu solchen Ehren kommt. Er ist gespannt auf die "architektur-künstlerische Annäherung". In einem Punkt widerspricht Hütter jedoch den Kommissaren: Sie sähen den Bungalow als Beispiel für einen "verschwundenen Ort". Hütter hingegen meint, "der Ort ist mit 10 000 bis 12 000 Besuchern jährlich präsenter denn je".

Ein Detail für den deutschen Beitrag in Venedig steht bereits fest: Das Kanzlersofa - im Nachbau - und die gesamte textile Ausstattung des Pavillons übernimmt die auf derlei Aufträge spezialisierte Firma "Wand&Raum" aus Bad Godesberg.