Bonner Theaternacht: "Art'n Vielfalt" an 22 Spielorten

Programme wie "Konferenz der Tiere" und "Kanak Sprak" setzen Akzente

Bonner Theaternacht: "Art'n Vielfalt" an 22 Spielorten
Foto: Müller

Bonn. Anka Zink, Schirmherrin der 2. Bonner Theaternacht, hat ihre ganz eigene Art, sich und die Zuschauer auf dem Platz vor der Bonner Oper, für die kommenden fünf Stunden in Form zu bringen.

"Das Leben ist wild, und wir wollen sehr viel. Doch eh du dich umdrehst, bist du das Ziel", rappt die Kabarettistin im weißen Trenchcoat. "Art'n Vielfalt" lautet schließlich das Motto des Abends, und da passt der Text vom Fressen und gefressen werden doch gut ins Bild. Die blauen Luftballons, die Generalintendant Klaus Weise als Startschuss losgelassen hat, sind noch nicht ganz über das Dach des Opernhauses hinweg, da zerstreut sich die Menge auf dem Platz schon in alle Himmelsrichtungen. Zur Halle Beuel beispielsweise.

Und nachdem es bei der Premiere 2007 im Shuttlebus-Verkehr hier und da noch etwas hakte, läuft diesmal von Anfang an alles rund. Theaternacht-Besucher sind an ihrer leicht gebeugten Haltung beim Studium der Programmhefte im praktischen Handtaschenformat auf den ersten Blick zu erkennen. Viele von ihnen haben sich, dem Thema "Biodiversität" folgend, für die von Jens Kerbel und Michael Barfuß inszenierte "Konferenz der Tiere" entschieden - eine mit viel Fantasie und Liebe zum tierischen Detail umgesetzte Collage, die ebenso wie Anka Zinks Rap mitunter auch vom "Fressen und gefressen werden" handelt.

Weitaus friedlicher geht es in der Werkstatt zu. "Wir Vögel singen nicht egal", heißt es dort. Tun sie auch nicht, wie Sigrún Pálmádóttir mit Liedern aus ihrer isländischen Heimat in einer freundlich-stilvollen Studioatmosphäre auf ihre eigene, unverwechselbare Art beweist. Von der Werkstatt zur Buchhandlung Bouvier geht es ausnahmsweise auch einmal ohne Bus. Mit "Frankenstein Reloaded" erzählt die 1986 von dem Ungarn Géza Melczer-Lucács gegründete "Odoraka-Theaterproduktion" in sympathisch-bekloppten Kurzszenen vom alltäglichen Wahnsinn und dem ab und an beklemmenden Gefühl vieler Menschen, im Alltag meist wie ferngesteuert funktionieren zu müssen.

Probleme, die Deniz Akad in seiner Rolle des Zuhälters Cem nicht kennt. Zusammen mit Marita Ragonese hat er sich für die Bonner Theaternacht den Monolog eines türkischen Zuhälters von Feridun Zaimoglu erarbeitet. Wobei der 20-Jährige, der im Januar beim "Abstiegskampf" im Lampenlager der Halle Beuel debütierte, Ende Februar aus der JVA Siegburg entlassen wurde und nun zum Team der Bonner Theater-Biennale gehört, eine überzeugende schauspielerische Leistung bietet.

Sein Cem ist eine schillernde Figur zwischen der auf dem Kiez lebensnotwendigen Härte und dem Idyll, für seine Mädels auch Beschützer und Vaterfigur zu sein. Das kommt, obwohl im Titel von Kanak-Sprak die Rede ist, erfrischenderweise ganz ohne überzogen-klischeehaftes Krass-Korrekt-Gehabe aus und wirkt nicht zuletzt deshalb so glaubwürdig. Die letzte Runde der Veranstaltungen mit 17 Theatern und sechs freien Ensembles beginnt um 23 Uhr.

An der Museumsmeile ist es schon ruhig geworden, und "Das Grimassenphänomen" des Leipziger Regisseurs, Schauspielers, Autors und Grafikers Wolfgang Krause Zwieback muss sich mit einer handverlesenen Zuschauerschar begnügen. Zumal sein Musiktheater doch etwas zu sehr in die eigene Absurdität verliebt scheint. Wunderschön umgesetzt im Bühnenbild, in den Lichteffekten und mit dem virtuosen "euphorischen Akkordeon" von Felix Kroll, bleibt es dennoch auch den letzten Gästen dieser Theaternacht ein Rätsel.

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