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Pop trifft Klassik: Brings und Beethoven Orchester geben gemeinsames Konzert

Pop trifft Klassik : Brings und Beethoven Orchester geben gemeinsames Konzert

Das Bonner Beethoven Orchester und die Kölschrockband Brings spielen im Telekom-Forum an zwei Abenden zusammen. Das Publikum ist begeistert.

Der Abend begann mit einer modischen Todsünde. Bonns Generalmusikdirektor Dirk Kaftan betrat die Bühne mit schwarzer Weste, schwarzem Hemd – und einer Hose in Schottenkaro. Auch aus den Reihen des Beethoven Orchesters (BOB) blitzte das rote Muster hervor, mal als Krawatte, mal als Hut. Die Wertung dieses Kleidungsstils entspringt freilich dem verengten Blick des klassischen Konzertbesuchers. Für einen sehr großen Teil des Publikums, das zur jüngsten Ausgabe der BOB-Reihe „Grenzenlos“ ins Telekom-Forum am Beueler Landgrabenweg gekommen war, ist er ein gewohnter Anblick. Schließlich dient das aus Schottland an den Rhein importierte „Royal Stewart“-Karo seit Jahren der Kölschrockband Brings, die Kaftan für zwei gemeinsame Konzertabende mit dem Bonner Klangkörper eingeladen hatte, als Markenzeichen.

Die Musiker von Brings betraten nach der vom Orchester schwungvoll präsentierten Ouvertüre zu Michael Glinkas „Ruslan und Ludmilla“ ebenfalls in ungewohnter Tracht das Rampenlicht: in Frack und weißem Hemd. „Ich hab' mich so richtig in Schale geworfen, heut', und ich fühl' mich auch richtig wohl“, kommentierte Brings-Frontmann Peter Brings den kleidungstechnischen Rollentausch. Die zwei zur musikalischen Koalition zusammengeschlossenen Parteien BOB und Brings hatten sich auf das Thema Russland verständigt. Die Frage Kaftans, warum es Russland sein sollte, beantwortete Peter Brings mit rheinischem Charme: „Die russische Musik ist super, sie hat viel Gefühl, sie hat viel Herz, manchmal ist sie auch melancholisch. Und das ist eigentlich am Ende alles kölsch.“

Dramaturgie des langsamen Herantastens

„Vom Ring bis an die Wolga“ lautete der in Anlehnung an den Brings-Schlager „Polka, Polka, Polka“ gewählte Titel der restlos ausverkauften Veranstaltung am Samstag (der noch eine restlos ausverkaufte Veranstaltung am Sonntag folgte). Das Konzert verfolgte eine Dramaturgie des langsamen Herantastens von BOB und Brings. Erst einmal spielte sich das Orchester ohne die Band warm. Der aus Russland stammende Konzertmeister Mikhail Ovrutsky (Kaftan: „Ohne unsere Russen im Orchester wären wir wirklich aufgeschmissen“) glänzte in einem hinreißend gefühlvoll gespielten Geigensolo aus dem Pas de deux des ersten Akts aus Peter Tschaikowskys Ballett „Schwanensee“, einer humorvollen Rede über russische Musik, und, in der ersten Zugabe des Abends, einer Valse sentimentale – ebenfalls von Tschaikowsky – in einem Arrangement für Geige und Gitarre. Wobei Konzertmeisterkollege und Landsmann Artur Chermonov die Violine spielte und Ovrutsky die Gitarre zupfte.

Die bekannte Weise „Moskauer Nächte“ und Musik von Dmitri Schostakowitsch bildeten die Brücke, über die das kölsche Rocksextett den Einstieg ins Konzert fand. Zu dem nicht zuletzt aus Stanley Kubricks Film „Eyes Wide Shut“ zu Berühmtheit gelangten Walzer aus der zweiten Jazz-Suite hatte Peter Brings einen eigenen Text mit viel Herz und einer Botschaft von Hoffnung, Frieden und Glück gelegt: „Schlaf gut, mein Kind“, hieß es und wurde vom Publikum mit großem Applaus aufgenommen. Vielleicht der nächste Brings-Hit?

Nachdem im ersten Teil des Konzerts mit Musik des Schostakowitsch-Schülers Georgi W. Swiridow auch ein weniger bekanntes Feld russischer Musik abgesteckt wurde, erreichten BOB und Brings gemeinsam mit dem furios gespielten „Säbeltanz“ des Armeniers Aram Chatschaturjan das Halbzeitfinale. Der zweite Konzertteil gehörte dann allein den Songs der Kölschband. Dafür hatte der Österreicher Reinhard Summerer eigens eine Auswahl für Orchester und Band arrangiert. Das Ergebnis konnte sich hören lassen. Stephan Brings am Bass begleitete seinen Sängerbruder ebenso mitreißend wie die übrigen Bandmitglieder Harry Alfter (Gitarre), Kai Engel (Keyboards), Christian Blüm (Schlagzeug) und Michael Theissing-Tegeler (Posaune), der in „Su lang mer noch am lääve sin“ ein großartiges Solo hinlegte.

Alle zusammen harmonierten bestens mit dem Beethoven Orchester, zum Beispiel in „Hallelujah“ mit seinen hübschen Bach-Anklängen. Das Publikum verbrachte den zweiten Teil des Konzerts überwiegend stehend, mitklatschend und -singend. Bei Songs wie „Polka, Polka, Polka“, „Kölsche Jung“ oder „Liebe gewinnt“ kein Wunder. Die Fans hatten eine „Superjeilezick“ – auch wenn just dieser Hit fehlte. Und nach „Kumm lommer heimjon“ als Zugabe verließen 1000 Menschen glücklich das Telekom Forum.