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Spektakuläre Schau: Bundeskunsthalle: Leben und Werk Max von Oppenheims

Spektakuläre Schau : Bundeskunsthalle: Leben und Werk Max von Oppenheims

Wie man Partys feiert, wusste der Kölner Bankierssohn Max von Oppenheim (1860-1945) ganz genau. Dank einer großzügigen Apanage seines Vaters konnte es der Sohn in seiner Villa in Kairo krachen lassen: Bälle und arabische Diners, üppige Feste und intime Runden lockten europäische Prominenz in die mit Zinnen bekrönte Villa des blaublütigen Attachés an der kaiserlichen Botschaft in Kairo.

Oppenheim hatte diesen Posten 1896 trotz heftiger Widerstände aus dem antisemitisch geprägten Auswärtigen Dienst wegen seiner jüdischen Wurzeln ergattert. Oppenheim, promovierter Jurist mit arabischen Sprachkenntnissen und einem Faible für die Lektüre aus "Tausendundeiner Nacht", lebte in Kairo seinen orientalischen Traum. Er tauchte tief in die östliche Kultur ein, füllte seine Villa mit herrlichen Stoffen, Gefäßen, Bildern, Schmuck und - nicht zuletzt - arabischen Kostümen. Oppenheims Gäste durften sich damit verkleiden und Teil seiner Märchenwelt werden.

Ein Großfoto in der Schau "Abenteuer Orient. Max von Oppenheim und seine Entdeckung des Tell Halaf" der Bundeskunsthalle zeigt, wie man sich das vorzustellen hat: Eine Prinzessin von Thurn und Taxis und eine zu Hohenlohe-Oehringen, ein Prinz zu Fürstenberg, Comtessen und Grafen gestalten 1914 in Kostümen aus der Sammlung Oppenheims das lebende Bild "Sultan mit Gefolge".

Märchenhaft ist dieser Auftakt zu einer außergewöhnlichen Schau inszeniert. Im Schummerlicht sieht man prächtige Gewänder und kostbare Schalen, Prunkwaffen und silbernen Beduinenschmuck. Es fehlt nur noch der Diwan, auf den sich der Besucher wasserpfeiferauchend und teeschlürfend niederlassen kann. Was durchaus Oppenheims Stil entspräche.

Als dieser am 23. Dezember 1912 während einer Expedition dinierte, wurden eine Suppe aus Mark von Wüstenpflanzen, Aufschnitt nach deutscher Art, Rinderbraten, Hammelkotlett nach Wüstenart und als Mehlspeise eine Tell-Halaf-Torte gereicht. Tell Halaf, das war mehr als ein Traum. Als Oppenheim für die Deutsche Bank unterwegs war, um eine Trasse für die Bagdadbahn zu erkunden, machte er 1899 im Gebiet unweit der heutigen Grenze zwischen Syrien und der Türkei eine folgenreiche Entdeckung: Erste Spuren des Westpalastes der biblischen Stadt Guzana auf dem Tell Halaf, ein aramäischer Fürstensitz aus dem frühen 1. Jahrtausend vor Christus.

[kein Linktext vorhanden]Mit einer eigenen Expedition startete Oppenheim eine erste umfangreiche Grabungskampagne. Er förderte unter anderem Reliefs mit Kampf- und Jagdszenen und die riesigen Basalt-Figuren eines Palastportals zutage, expressive Bestien, große betende Gestalten, Götter mit fein gearbeiteten Bärten und aufgerissenen Augen. "Herrlich dämonisch, finster und unerbittlich" urteilte Samuel Beckett über eine Adlerskulptur. Außerdem fanden sich Keilschrifttafeln, Stempel, Möbelfragmente, Fundamente zweier Palastanlagen, einer Stadtmauer und eine eindrucksvolle Kultstätte, die von der blockhaften "Großen Sitzenden" bekrönt wurde.

Zwei Drittel der Funde durfte Oppenheim behalten. Er richtete damit 1930 sein Tell-Halaf-Museum in Berlin Charlottenburg ein. 1943 traf eine Phosphorbombe das Museum. Was die Detonation nicht zerstörte, fiel dem Löschwasser zum Opfer. Es blieb, so die Kuratorin der Schau, Ulrike Dubiel, nur noch "Eisenbahnschotter" übrig: Die Basaltfiguren waren in 27.000 Fragmente zerplatzt.

Erst nach der Wende, genauer: zwischen 2001 und 2010 wurden die Schätze von Tell Halaf rekonstruiert. 2001 hatte das Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum unter dem Titel "Faszination Orient" mit den Schätzen aus Oppenheims Privatsammlung gezeigt, 2011 präsentierte das Pergamonmuseum in Berlin "Die geretteten Götter aus dem Palast von Tell Halaf". 700.000 Besucher sahen die Schau.

Der Bundeskunsthalle ist nun gelungen, beide Stränge in einer spektakulären Ausstellung zusammenzuführen, Mythos, die schillernde Biografie Oppenheims und Wissenschaft zu vereinen und um aktuelle Forschungen, darunter eine Computeranimation und einen neuen Ansatz zur Rekonstruktion des Palast-Portals zu ergänzen. Ein Glücksfall.

Bundeskunsthalle, Friedrich-Ebert-Allee 4; bis 10. August. Di und Mi 10-21, Do-So 10-19 Uhr. Katalog 29 Euro