Club der Versager: "Terrormum" in Bonner Opernhaus-Werkstatt

Nora Mansmann inszeniert ihr Erstlingswerk als Abrechnung mit 68er-Generation - Fesseln der Familie

Club der Versager: "Terrormum" in Bonner Opernhaus-Werkstatt
Foto: Szokody

Wenn sich der Club der Utopisten, die Kooperation des freien fringe ensembles und des Theaters Bonn, in der Schauspielwerkstatt im Opernhaus trifft, steht gewöhnlich Spannendes auf dem Programm. Zuletzt hat die bereits viel beachtete, junge Theaterautorin Nora Mansmann ihr Erstlingswerk, das 2005 entstandene, preisgekrönte Drama "Terrormum" selbst noch einmal inszeniert.

Die nicht immer einfache Abrechnung mit der 68er-Generation profitiert dabei sehr von den Schauspielern der zwei Ensembles. Rolf Mautz tritt als Alt-68er auf, der verkrüppelt im Bett liegt, kifft und sich nicht um die Welt kümmert. Ein Stehengebliebener, der nur in der Vergangenheit lebt. Sein Sohn Dennis, exakt besetzt mit Hendrik Richter, kommt unterdessen mit der Gegenwart nicht zurecht, sucht nach dem leichten Weg als Schriftsteller, hat aber keinerlei Inspiration, was auch die Beziehung mit seiner erfolgreicheren Freundin Sonja (Nina V. Vodop'yanova) belastet.

Über dem Allen hängt der Schatten von Dennis verschwundener Mutter, laut dem Vater einer der ganz großen Terroristinnen. Das persönliche Versagen des Sohnes wird hier also mit dem politischen Versagen der Eltern erklärt, die 68er Generation wird als Hängenbleiber und Ausbremser gesehen. Dazu terrorisiert die verschwundene Mutter eben durch ihr Fernbleiben und ihr von ihrem Mann idealisiertes Bild weiterhin ihren rundum inkompetenten Sohn.

Unabhängig von der Frage, ob das nicht etwas zu polemisch ist, scheint es doch ein ziemlicher gedanklicher Sprung von dieser Familientragödie zum Allgemeinen zu sein. Das Schicksal der kleinen Familie scheint zu speziell, nicht ausreichend, um darin das Große Ganze zu sehen, das Mansmann hineinzulegen versucht. Ungeachtet dessen gelingt ihr jedoch ein geschickt konstruiertes Drama und dazu auch noch eine ansehnliche Inszenierung. Das Stück komprimiert dreizehn Szenen in einen fortlaufenden Ablauf, arbeitet mit mal vorsichtigem, mal schockierendem Humor und lässt den Darstellern dabei einige Entfaltungsmöglichkeiten.

Besonders fasziniert die ansatzweise ödipale Beziehung zwischen Dennis und seinem Vater, das Ringen um Rückhalt oder zumindest die endgültige Erlösung von einem nutzlos gewordenen Mann, in dem Dennis zu sehr sich selbst wiederfindet. "Mann, Papa, ey! Andere Leute erschießen sich doch auch!" schreit er ihm entgegen ohne Hoffnung auf eine Reaktion.

Noch einmal am Dienstag, 6. Mai, 20 Uhr in der Theaterwerkstatt.

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