John Butler Trio im Kölner Palladium Da tut gar nichts mehr weh

KÖLN · Für ein Trio machen die Jungs um John Butler eine Menge Sound. So muss das wohl sein, wenn man bloß mit Standard-Drumset, Bass und A-Gitarre/E-Gitarre/Banjo eine Halle wie das Palladium bespielen will.

 John Butler nennt eine Songs "Wilde Biester", die kaum zu zähmen seien.

John Butler nennt eine Songs "Wilde Biester", die kaum zu zähmen seien.

Foto: Thomas Brill

Muss? Die Frage stellt sich. Denn die große Geste tut der Musik nicht gut. So klar die Songs von John Butler gerade im sparsamen Setting ihre Substanz entfalten, so sehr rücken sie in den Hintergrund, wenn der Ton wie aufgeblasen wirkt. Man kann sich das anhören in den akustischen Sessions, in denen etwa die wummernden Toms mitsamt dem Rest des Schlagwerks ersetzt sind durch ein sanft groovendes Cajon.

Da kommt auch die Stimme in ihrer ganzen Tragfähigkeit nach vorne, und Butlers wirklich starkes Gitarrenspiel zeigt sich von seiner besten Seite. Schade, dass das im Bombast verloren geht. Butlers Songs sind schließlich großartige Popmusik, die die besten Essenzen aus Rock, Blues, Folk und zeitgenössischer Rhythmik zu einem sehr eigenständigen Ganzen vereint.

Das reicht von schlichter Schönheit wie in "Spring to come" bis zu knarzigen, hip-hop-inspirierten Krachern wie "Livin? in the city". Beim Kölner Auftritt gibt es dagegen eine unschöne Überraschung: Die Songs haben teilweise einen Charakter von Gefälligkeit, der sie zur Untermalung beim Fensterputzen geeignet erscheinen lässt. Zwischen Bühne und Zuhörerraum passiert energetisch erstaunlich wenig.

Das hat natürlich auch mit dem Gestus der Band zu tun, die das Programm irgendwie runterspielt. All das sind Dinge, die man vom John Butler Trio eben gerade nicht erwartet hatte. Da tut gar nichts mehr weh, und nichts zwingt zum Zuhören. Dabei beschreibt Butler seine Songs doch als "wilde Biester", die kaum zu zähmen seien. Geht aber doch.

Bleibt nur, sich eines der inzwischen sechs Alben anzuhören oder sich im Internet die Live-Sessions zu geben, die vor Energie sprühen. Und darauf zu hoffen, dass John Butler und Kollegen einmal eine Clubtour aufsetzen.

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