Das Beste zum Schluss des Beethovenfestes

Das Finnish Radio Symphony Orchestra mit seinem Chefdirigenten Sakari Oramo spielte das Abschlusskonzert in der Beethovenhalle.

 Chefdirigent Sakari Oramo präsentierte sich und das Finnish Radio Symphony Orchestra in Bestform.

Chefdirigent Sakari Oramo präsentierte sich und das Finnish Radio Symphony Orchestra in Bestform.

Foto: Barbara Frommann

Bonn. Das Beste stand nicht im Programmheft: Als Zugabe im Abschlusskonzert des Beethovenfests wählten Chefdirigent Sakari Oramo und das Finnish Radio Symphony Orchestra Klänge aus der Heimat, das Impromptu für Streicher des finnischen Komponisten Jean Sibelius. Beseelter kann man es nicht spielen.

Die Fülle an Schattierungen im Streicherklang, atemberaubende Pianissimo-Passagen voller Gesanglichkeit - das Festival ging sehr anrührend zu Ende. Oramo hatte dem Publikum zuvor erklärt, dass Sibelius ein großer Beethoven-Verehrer gewesen sei.

Und Beethoven fand sich natürlich zum Finale im Programm, diesmal mit der 7. Sinfonie, deren auch hier ungestüm wirbelnder letzter Satz fast zwangsläufig Publikumsjubel herausfordert. Dabei waren die Finnen zuvor sehr maßvoll ans Werk gegangen, so als ob sie Carl Maria von Weber gründlich widerlegen wollten, der die Siebte als "absoluten Gipfel der Gestaltlosigkeit" empfunden hatte.

Der erste Satz geriet ungewöhnlich langsam, auch rhythmisch nicht stark akzentuiert, und in den Trio-Episoden des Prestos schien man sich gelegentlich geradezu festzufahren. Ein bisschen mag das am Gesamtklang des Orchesters gelegen haben; der ist eher dunkel eingefärbt, die fabelhaften tiefen Streicher sind sehr präsent, Sibelius-Sinfonien beispielsweise müssen hier grandios klingen.

Man darf bei dieser Ausgangslage freilich keine geschärfte, auf die Spitze getriebene Beethoven-Interpretation erwarten - es war ein sehr bedachtes Musizieren, das Sakari Oramo praktizierte. Und eine solche Auffassung hatte schon wieder ihren speziellen Reiz, gerade deshalb, weil sie sich gegen allzu Modisches stemmt. Die Höhepunkte dieser letztlich sympathischen Wiedergabe lagen im Quasi-Trauermarsch des zweiten Satzes, was wiederum vor allem der großartigen Streicherformation zu verdanken war.

Neben Beethoven standen in diesem Jahr Liszt und Mahler im Mittelpunkt des Festivals. Von beiden Komponisten hatte das Abschlusskonzert etwas zu bieten. Während man Liszts harfengeschwängerte und von den finnischen Gästen sehr liebevoll ausgedeutete sinfonische Dichtung "Orpheus" nicht unbedingt zu den großen Werken der Musikgeschichte rechnen will, sind Mahlers Lieder aus "Des Knaben Wunderhorn" schon ein ganz anderes Kaliber.

In Bonn gab es dafür ungeplant gleich zwei Interpreten: Der von einer Erkältung leicht angeschlagene Bariton Christian Gerhaher reduzierte sein Programm auf sechs Lieder, drei weitere sang die finnische Mezzosopranistin Lilli Paasikivi, darunter sehr verinnerlicht das "Urlicht".

Gerhaher selbst bestätigte trotz einer gewissen Zurückhaltung seinen Ruf als einer der derzeit besten Liedsänger. Seine Stimme ist sanft und prägnant zugleich. Es war ein vom Orchester dezent und präzise begleiteter Balance-Akt zwischen Tragischem und Heiterem.

Der WDR sendet das Konzert am Samstag, 22. Oktober, um 20.05 Uhr auf WDR 3. Ausschnitte werden auf www.dw-world.de/beethoven angeboten.

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