An vier Spielorten Das Publikum wird an die Hand genommen

Bonn/Troisdorf/Region · Beethovenfest: Konzerte, Entdeckungen und Videofilme an vier Spielorten.

Kammermusik auf Burg Namedy. Wozu musikalischer Hochdruck führt, dürfte nicht zweifelsfrei erwiesen sein. Zu Ermüdungserscheinungen eventuell, vielleicht auch Hörschäden, doch derlei war beim Konzert des Amaryllis Quartetts sicherlich nicht zu befürchten - auch wenn die vier Musiker zuweilen derart brachial ans Werk gingen, dass man zumindest in den ersten Reihen um seine akustische Unversehrtheit fürchten musste.

Bei Beethovens cis-Moll Quartett op. 131 zeigte das das jüngst mit dem Kammermusikpreis der Ponto-Stiftung ausgezeichnete Quartett im Grunde eine grandiose Leistung. Man spielte hochkonzentriert und -motiviert, schoss zuweilen doch ein wenig über Ziel hinaus.

Eröffnet hatte man den Abend mit dem Streichquartett von Maurice Ravel. Hier schwelgte man in subtilen Farben. Eine außerordentlich spannende Rarität spielte man mit dem ersten Streichquartett von Géza Frid. Da schimmerte hier und da tatsächlich mal etwas Ravel durch, vor allem aber Frids Landsmann Bartok und - im Presto etwa - sehr deutlich Beethoven. Guido Krawinkel

Aniello Desiderio Quartett. "Vier Jahreszeiten" - das war das Programm des Aniello Desiderio Quartetts im Königshof. Dabei standen nicht nur die "Vier Jahreszeiten" von Vivaldi auf dem Programm, sondern auch die mehr als 250 Jahre später entstandenen "Vier Jahreszeiten von Buenos Aires" des Argentiniers Astor Piazzolla.

Angesichts der ungewöhnlichen Besetzung des Quartetts mit Gitarre (Aniello Desiderio), Violine (Gennaro Desiderio), Klavier (Gaetano Desiderio)und Schlagzeug (Salvatore Minale) konnte man besonders gespannt sein auf die Darbietung des barocken Klassikers.

Beim ersten Hören des "Frühlings" war die Interpretation des Quartetts noch gewöhnungsbedürftig. Nach einer kurzen Phase der Eingewöhnung gewann die andersartige Interpretation zunehmend an Reiz: Die Bearbeitung für Gitarre, Violine, Klavier und Schlagzeug war wesentlich fetziger, aber nicht so tonschön wie das Original.

Aniello Desiderio konnte man besonders in Piazzollas "Las cuatro estaciones porteñas" genießen. Desiderio gehört zu den weltweit besten Gitarristen - seine Klasse stellte er unter Beweis. Verena Düren

Klavier-Rezital mit Jan Lisiecki. "Hello again!" Den jugendlichen Gestus seiner Begrüßungsworte zur zweiten Hälfte seines Klavier-Rezitals in Burg Wissem streifte der 17-jährige Pianist Jan Lisiecki gleich mit dem hauchzarten Beginn der Etüde op. 25.1 von Chopin ab.

Am Flügel saß ein reifer, poetischen Tiefsinn und technische Perfektion vereinender Künstler. Der kanadische Pianist polnischer Abstammung legte bei der Ausführung des zweiten Etüdenzyklus' von Chopin eine perfekte Dramaturgie hin. Mit den intimen Klängen von vier Préludes aus Olivier Messiaens Huit Préludes für Klavier hatte Lisiecki sein Rezital begonnen.

Hier schon schien es, als nehme er sein Publikum an die Hand. Seine romantische Interpretation der B-Dur-Partita von Johann Sebastian Bach kennzeichnete ein warmer, geradezu wattierter Anschlag. Nach dem einzigen Werk aus der Feder Beethovens, der Sonate op. 78 in fis-Moll, frisch und zupackend gespielt, hätten wohl die meisten Pianisten bereits eine Pause eingelegt.

Nicht so Lisiecki: Mit den Variations sérieuses von Mendelssohn erst entließ er das Publikum in die Pause. Als Zugabe wählte Jan Lisiecki Chopins Walzer cis-Moll op. 64.2 - als einen leisen Abschied nach einem erfüllten Konzert. Barbara Pikullik

Film und Video in der Post Tower Lounge. Mit einem geradezu überreichen Mix aus Kurzfilmen, Videos und elektronischen Beats präsentierte sich der Videokünstler Michael Carstens in der Post Tower Lounge.

Die Club Beats, die er gemeinsam mit dem DJ Jakob Seidensticker und Keyboarder und Gitarrist Henrik Raabe seinen Visuals unterlegte, sorgten für die richtige Mischung aus Chillout und Trance, die den fast hypnotischen Repetitionen von Bild und Ton so zu eigen ist. Seinen Kurzfilmen, darunter dem in Cannes im letzten Jahr preisgekrönten "Once in a Tube", hätte man jedoch eine etwas konzentriertere Atmosphäre gewünscht.

Hier wäre ein fester Block mit Filmen und einem anschließenden Ausklang zielführender gewesen. Robert Fontani

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