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Lanxess Arena: Das pulsierende Leben - Radiohead beglückte 11.000 Fans

Lanxess Arena : Das pulsierende Leben - Radiohead beglückte 11.000 Fans

Mit einer Mischung aus Spannung und Ehrfurcht erwarteten rund 11.000 Fans den Auftritt von Radiohead, den die britische Band im Rahmen ihrer The King of Limbs-Tour in der Kölner Lanxess Arena gab. Nach dem perlenden "Bloom" entfaltete Frontman Thom Yorke, erklärter Hohepriester rockmusikalischer Melancholie, mit "Lucky" und "15 Step" sein schier überwältigendes Charisma.

Als, dezent formuliert, schwieriger Charakter - er ist sicherlich Philanthrop, viele halten ihn aber auch für einen ausgewachsenen Soziopathen - zählt er zu den wenigen, die in einer feiernden Menschenmasse eine derartige Intimität, die in innigsten Momenten gar verstörend wirkt, aufkommen lassen können. Seine klagende, bittersüße Stimme schneidet sich wie die Flamme eines Schneidbrenners durch die metallische Wand brachialer Gitarrensounds.

Auch wenn es die Songtexte vielfach nahelegen, es klingt nicht immer nur nach dem Protest eines Menschen, der eigentlich in der ihn umgebenden Gesellschaft nicht leben will. Neben Yorkes resignierendem Kommentar zur Politik von Tony Blair oder George W. Bush - beide sind längst Geschichte -, klingt Radiohead aber auch nach heftig pulsierendem Leben, ein Eindruck, der durch die enorm aufgerüstete Rhythmussektion genährt wird.

Lange nach der Auflösung der Grateful Dead agieren nach dem Vorbild der amerikanischen Kultband auch bei Radiohead zwei Schlagzeuger, deren perfekt aufeinander abgestimmte Rhythmusmuster, eine bemerkenswerte Vitalität, fast möchte man behaupten optimistische Aufbruchsstimmung, ausstrahlen. Als würde diese Rhythmuspower nicht ausreichen, kommen gelegentlich noch zwei Trommelsets hinzu.

Insofern treffen klanglich zwei Stimmungs-Gegenpole aufeinander, die maßgeblich den extremen Spannungsbogen in der Musik von Radiohead ausmachen. Die Bühnenpräsentation mit 18 Monitorpaneelen setzt zudem die Band auch visuell eindrucksvoll in Szene, und das fast zweieinhalbstündige Repertoire mit einer repräsentativen Auswahl aus gut 20 Jahren zwischen "Pablo Honey" und "The King of Limbs" lässt keine Wünsche offen.

Insgesamt drei Zugabenblöcke, darunter mit "The One I Love", eine kleine Hommage an die einstigen Vorbilder REM, muss Radiohead geben, ehe nach "Idiotheque" Thom Yorke unter dem frenetischen Jubel der Fans die Bühne verlassen kann.

Viel länger als der Applaus wird das Kölner Konzert insgesamt, das in mehrfacher Hinsicht aus einer anderen Welt zu klingen schien, nachwirken.