GA-Buch „Die Jahrhundertflut – Chronik einer Katastrophe“ „Das war apokalyptisch“

Bonn · „Die Flutkatastrophe geht uns alle an“: Gesprächsrunde zum GA-Buch „Die Jahrhundertflut“ im Bonner Haus der Bildung

 Die Fluten an der Ahr haben Tod und Zerstörung über die Einwohner gebracht.

Die Fluten an der Ahr haben Tod und Zerstörung über die Einwohner gebracht.

Foto: Benjamin Westhoff

Manche denken, es geht bei uns nur um die schöne Literatur“, sagte Almuth Voß, Leiterin des Bonner Literaturhauses, zu Beginn des Abends. „Doch bei uns geht es vor allem um relevante Bücher. Und die Flutkatastrophe geht uns alle an.“ Mitte Juli des Vorjahres gingen Regenfälle historischen Ausmaßes auf Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen nieder. Der General-Anzeiger und die Edition Lempertz haben den verheerenden Ereignissen und den betroffenen Menschen ein Buch gewidmet, zu dem es im Haus der Bildung am Dienstagabend eine Gesprächsrunde vor Publikum gab. „Der 14. Juli 2021 hat für viele Menschen vieles verändert, für einige Menschen alles“, meinte Jörg Manhold, Ressortleiter Regionales beim GA. „Das Buch versteht sich als Dokument, und wir haben uns bewusst für das große Format entschieden. Am Schluss des Buches steht ein Ausblick: War es ein Zufall oder der Vorbote des Klimawandels?“

Auf dem Podium berichtete Markus Zettelmeyer, stellvertretender Kreisbrandmeister Rhein-Sieg, von seinen Eindrücken an jenem unvergleichlichen 14. Juli 2021 in Rheinbach: „Was man sah, waren unvorstellbare Dimensionen. Wo sonst überhaupt kein Wasser war, da war nur noch Wasser. Überall.“ Zettelmeyer beklagte nicht zuletzt die zahlreichen Falschmeldungen in den so genannten sozialen Medien, wonach die Steinbachtalsperre gebrochen sei: „Wir standen mit 50 Personen auf dem Rathausdach und haben auf die Flut gewartet.“ Martin Gausmann, GA-Fotograf an der Ahr, schilderte eindrucksvoll, wie „die braune Brühe“ in sein Haus in Bad Neuenahr hineinschoss. „Das Wasser stieg schlagartig an, wie in Wellen. Heute weiß ich, dass die gebrochenen Brücken der Grund dafür waren. Wir sind dankbar dafür, dass wir das überlebt haben.“

Am intensivsten berührten allerdings die Worte von Cornelia Weigand, seit Februar dieses Jahres die Landrätin für den Kreis Ahrweiler. Als die Jahrhundertflut kam, war die studierte Biologin noch Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr. Viele ihrer Worte im Haus der Bildung bleiben in Erinnerung, etwa diese hier: „Man sagt ja, der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen. Seit der Flut wissen wir, dass er auch klettern kann.“ Zum Thema Vorhersagen: „Die Pegelprognosen haben mit der Realität nichts zu tun. Das war apokalyptisch.“ Zu den allzu oft bemühten Superlativen: „Ich altere extrem schnell in Altenahr. Als ich dorthin zog, war das Jahrhunderthochwasser bei 3,40 Metern, das nächste Jahrhunderthochwasser stand 2016 dann bei 3,71 Metern und beim dritten Jahrhunderthochwasser, das ich dort erlebt habe, sind wir jetzt bei geschätzten zehn Metern angekommen.“

Die Jahrhundertflut – Chronik einer Katastrophe, General-Anzeiger und Edition Lempertz, 128 Seiten, 20 Euro. Über die Spendenaktion „Weihnachtslicht“ des GA gehen zwei Euro von jedem verkauften Exemplar an die Flutopfer  

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