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Béjart Ballet Lausanne: Denkmal für Traumfrauen

Béjart Ballet Lausanne : Denkmal für Traumfrauen

Ein Mann im Trenchcoat zieht einen Revolver und zielt ins Publikum. Dann wendet er den Lauf gegen die eigene Schläfe und drückt ab. Die Bühne erstrahlt in gleißend blauem Licht, und wir befinden uns im Himmel. Philip Marlowe trifft die Brüder Grimm, könnte man glauben.

Aber nein, die schönen Tänzerinnen des Béjart Ballet Lausanne hüpfen als freudig bunte Tanzgruppe auf die Bühne der Philharmonie. Im Rahmen des Sommerfestivals zeigt das Star-Ensemble nun sein zweites Programm.

Die Bearbeitung der "Suite Barocco" von Maurice Béjart präsentiert dessen Nachfolger Gil Roman erstmals in Deutschland. Das Problem dieser Bearbeitung ist, dass sie viel zu zaghaft mit dem Original des Meisters umgeht. An Konventionalität nicht zu überbieten, dieser Mix aus Krimi und volksnaher Barockfestivität. Was hier so gar nicht passen will, gelingt brillant in der zweiten Choreografie des Programms. "Bhakti III" nimmt Themen des indischen Tempeltanzes auf. Masha Rodriguez und Fabrice Gallarrague tanzen als Götterpaar Shiva und Shakti mit göttlichem Inspirationsfunke. Hier bringt Interpretation ein neues, unverwechselbares Kunstwerk hervor.

Ein solches Kunststück gelingt auch im "Impromptu pour Peralada" mit einer Choreografie zu Erik Saties Gymnopedien. Gabriel Areans Ruiz kontert unter der Regie von Gil Roman die wollüstige Melancholie der Klavierklänge mit den elastischen Körpergesten der Filmkomödien. Mitunter glaubt man, Buster Keaton und Charlie Chaplin zuzuschauen.

Das Publikum erhält starke Soli, wie etwa die "Étude pour une Dame aux Camélias", in der Maurice Béjart der Einsamkeit der Traumfrauen ein Denkmal setzt. Elisabeth Ros tanzt es hingebungsvoll. Und doch legt sich der Staub der konventionellen Ballett-Gesten auf die Geschichte der schwanenweißen Kamelie.

Bei Elisabeth Ros rettet die Ausstrahlung einer prägnanten Tänzer-Persönlichkeit die Choreografie. In den "7 Danses Greques" werden die Grenzen zum Kitsch dann allerdings überschritten. Zu den Klängen von Mikis Theodorakis tanzen die Herren butterweichen Sirtaki. Es gibt die Heldenposen der Olympier, und die Damen imitieren antike Pferdchen.

Ein Ensemble von über 30 Tänzern vermag jedoch auch den Griechenland-Klischees von gestern visuell imponierende Momente zu bescheren. Virtuosität füllt die Säle, und das Publikum in Köln applaudierte begeistert.

Nächste Vorstellungen: 7. bis 9. August. Karten gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.