Aids-Gala in Köln Der Götterfunke wollte noch nicht überspringen

Köln · Zum Festakt eine Neunte von Beethoven, das ist eine große traditionelle Auszeichnung, allein durch die stattliche Anzahl von Musikern und natürlich durch die salbungsvollen Worte in der Ode von Friedrich Schiller. Zur Würdigung der Arbeit der Deutschen Aids-Stiftung, heuer im 25. Jahr, wurde nun dieser Kraftakt mit vorwiegend Kölner Musikern gestemmt. Vorgesehen war die Mitwirkung Kurt Masurs, der krankheitsbedingt absagen musste.

 Cornelius Meister probt in der Kölner Philharmonie.

Cornelius Meister probt in der Kölner Philharmonie.

Foto: Brill

Als Einspringer für den prominenten Masur hatte sich der Hannoveraner Jungstar Cornelius Meister verpflichten lassen, der vor einigen Jahren in Bonn den Beethoven-Meisterkurs für Dirigieren bei Kurt Masur besucht hatte. Rund fünf Jahrzehnte verdienstvollen Wirkens fehlen dem aktuell in Wien engagierten Orchesterleiter im Vergleich mit Masur, aber weniger die Turbo-Karriere Meisters über Heidelberg nach Wien prädestinierte ihn als Festdirigent als vielmehr die Kandidatur für die künftig neu zu besetzende GMD-Position in Köln.

Neben François-Xavier Roth, der jüngst in Köln gastierte, gilt Cornelius Meister als zweiter Aspirant - als Chef eben dieses Gürzenich-Orchesters, das jetzt mit der KölnMusik und der Aids-Stiftung das Festkonzert ausrichtete.

Meister, eingeflogen von einem "Ring" in Riga, studierter Pianist und Pianistensohn, der auch Cello und Horn spielt, dirigierte auswendig - als jüngster GMD Heidelbergs hat er das Werk mehrfach aufgeführt. Trotz solcher Routine brachte die quirlige Art dieses stürmischen Musikers eine unvertraute Belebtheit und Aufregung in die ersten zwei Sätze, vieles sei der spontanen Aktion geschuldet. Aber große Gesten für kleine Holzepisoden wirken stets unangemessen, und mehrfach setzte das Orchester dynamische Forderungen nicht um - sie waren auch nicht vom Dirigenten eingefordert.

Musikalisch wollte zwischen Orchester und Maestro kein direkter Funke überspringen: Ein Dirigat ohne Ausfälle, aber auch ohne markant hörbare Folgen.

Das Chor-Finale in einem mitreißenden Tempo zündete allemal. Sopranstar Ruth Ziesak, Masur-Tochter Carolin als Mezzo, der durchschlagende Tenor Stephan Rügamer und der wohltönende Bariton Rudolf Rosen bildeten ein ideales Solistenquartett, und Eberhard Metternichs Dommusik auf der dicht besetzten Chorempore klang machtvoll durch die Zahl und ausgewogene Dichte der Stimmen bei bester Artikulation. Das war gleichermaßen ein Fest für die Stiftung wie für die Ohren.

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