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Ex-BAP-Gitarrist in Brühl: Der "Major" rockt wieder

Ex-BAP-Gitarrist in Brühl : Der "Major" rockt wieder

Ex-BAP-Gitarrist Klaus Heuser tritt am Samstag in Brühl auf und stellt seine neue CD "57" vor. GA-Redakteur Hans-Peter Fuß sprach mit ihm über seine neue Band, das anstehende Konzert und seine Liebe zum Blues.

Das Café "Palladio" in Rodenkirchen. Es ist der erste "richtige" Sommertag des Jahres. Ideal, um draußen zu sitzen und mit Klaus "Major" Heuser, der seit 20 Jahren in dem Kölner Vorort wohnt, über seine neue Band, die aktuelle CD "57" und sein Konzert am Samstag in Brühl zu plaudern. Heuser hat zeitlos schöne Rockmusik komponiert.

"Verdamp lang her" und andere BAP-Klassiker hätten ohne seine Gitarrenlicks wohl nicht die Wucht entfaltet, um die Band zu Beginn der 80er Jahre an die Spitze der deutschen Rock-Szene zu katapultieren. Vom "Major" stammen aber auch wunderbare Balladen wie "Do kanns zaubere". Mit ihm sprach Hans-Peter Fuß.

Was bekommen die Leute am Samstag in Brühl zu hören?
Klaus Heuser: Viele Songs aus den letzten beiden CDs. Es ist typische "Major"-Musik. Sie klingt nach mir und nach der Musik, die mich seit meiner Kindheit beeinflusst hat: Blues, Rock, Pop und Folk. ich spiele auch mal fünfminütige Soli, die man im Radio ja gar nicht mehr hört. BAP-Lieder werden wir jedenfalls nicht spielen.

Warum nicht?
Heuser: Weil das Kapitel für mich abgeschlossen ist. Ich will nicht mein Leben lang "Verdamp lang her" spielen und als meine eigene Coverband durch die Gegend ziehen. BAP war BAP. Jetzt habe ich eine neue tolle Band, die ich präsentieren will. Wir singen englische Texte. Man sollte beides nicht vermengen.

Wolfgang Niedecken sagte über Ihren Ausstieg 1999, Sie hätten BAP zur radiotauglichen Popband machen wollen.
Heuser: Totaler Quatsch. Ich wollte nie Popmusik machen. Meine Wurzeln liegen im Blues und im Rock. Das hört man auch auf unseren CDs und am Samstag live in Brühl. Ich wollte mich weiterentwickeln. Die Zeit für mich bei BAP war einfach zu Ende. Am Schluss hat es nicht mehr gepasst.

Welches Verhältnis haben Sie heute zu Niedecken?
Heuser: Wir gehen uns nicht aus dem Weg. Aber man trifft seine Ex-Freundin ja auch nicht jeden Tag wieder.

In Brühl schließen Sie die "57"-Tournee ab.
Heuser: Richtig. Es ist das 60. und letzte Konzert der Tour. Das ist immer sehr emotional, weil es einen Abschnitt beendet. Danach geht es mit dem Tourbus in Urlaub.

Was steht danach an?
Heuser: Wir wollen eine Live-CD herausbringen. 25 Konzert-Mitschnitte habe ich schon komplett durchgehört. Den größten Teil der CD wird wohl das Konzert in der Endenicher "Harmonie" ausmachen. Im Frühjahr 2016 kommt dann die nächste Studio-CD. Wir sind eine fleißige Band.

Stellen Sie uns Ihre Band vor?
Heuser: Ich hatte großes Glück, dass ich Thomas Heinen als Sänger gewinnen konnte, nachdem Richard Bargel einen Hörsturz hatte. Ihm geht es jetzt wieder gut. Heinen singt bei der Springsteen-Coverband "Bosstime" und hat früher auch in Rodenkirchen gewohnt. Keyboarder Matthias Krauss ist ein Allrounder. Bassist Sascha Delbrouck und Drummer Marcus Rieck kommen vom Jazz.

Wie arbeiten Sie?
Heuser: Ich sitze jeden Tag in meinem Studio im Keller und versuche, mir was einfallen zu lassen. Das ist oft ein quälender Prozess.

Keith Richards sagt, die Gitarrenriffs schwirrten nur so um seinen Kopf herum. Er müsse sie sich nur greifen.
Heuser: Man sollte nicht alles glauben, was er so sagt. Es macht mich todtraurig, dass die Stones in den letzten 18 Jahren nur eine neue Platte gemacht haben. Sie vermarkten nur noch ihre Jugend. Mir wäre es zu langweilig, immer nur die alten Sachen zu spielen und nichts Neues mehr zu entwickeln.

Wie sehen Sie als Insider auf das Rock-Business?
Heuser: Die Ticketpreise sind in Dimensionen aufgestiegen, da fehlt mir jedes Verständnis. Fast 300 Euro für Fleetwood Mac, das kann sich doch keiner mehr leisten. Und wenn man diese Summen ausgibt, fehlt das Geld dann, um sich mal eine Nachwuchsband anzuschauen.

Vermissen Sie die Stadionkonzerte, das große Publikum früherer Tage?
Heuser: Nein. Ich habe mich bewusst entschieden, alles eine Nummer kleiner zu fahren. Ich will nicht mehr dahin, wo ich schon mal war. Das würde mir nichts mehr geben. Ich mache nur noch das, was mir Spaß macht. Ich muss mit 58 Jahren ja nicht mehr entdeckt werden. Mit meinem Leben bin ich zufrieden. Grönemeyer macht alle vier Jahre eine CD und dann 20 Konzerte. Das wäre mir zu wenig. Ich bin Musiker, um zu musizieren, und das möglichst oft.

Wer hat Sie für die Musik begeistert?
Heuser: Mein sieben Jahre älterer Bruder. Ich bin schon im Kindergartenalter in sein Zimmer geschlichen, wenn er in der Schule war und habe seine Platten gehört. Wenn alle paar Monate eine neue Single der Beatles und der Stones rauskam, war das für uns wie Weihnachten. Ich wollte schon als Kind Musiker werden.

Und warum Gitarrist und nicht etwa Drummer?
Heuser: Die Gitarre war für mich auch immer ein Symbol für eine bestimmte Haltung. Als ich noch als kleiner Junge mit meinen Eltern nach Holland an den Strand in Ferien fuhr, waren da oft die Hippies aus Amsterdam mit ihren Gitarren, die Protestlieder spielten. Das hat großen Einfluss auf mich ausgeübt, auch wenn ich damals die politische Dimension noch nicht verstanden habe. In den 70er Jahren habe ich dann gegen Atomkraft demonstriert. BAP hatte ja auch eine politische Haltung. Und mit einer Gitarre kann man unfassbar gut Gefühle ausdrücken.

Hatten Sie ein Vorbild?
Heuser: Nein. Ich wollte nie so werden wie ein anderer. Ich wollte meinen eigenen Stil entwickeln. Dennoch habe ich als Kind und Jugendlicher alle möglichen Rock- und Blues-Bands gehört, auch Jimi Hendrix und Rory Gallagher, habe versucht rauszuhören, wie sie spielen und jeden Tag geübt. 1967 habe ich mir meine erste Gitarre gekauft.

Was hören Sie heute privat?
Heuser: Querbeet. Zuletzt habe ich mir CDs von Sophie Hunger und Snow Patrol gekauft.

Plattenkritiker vergleichen Ihre aktuelle Musik häufig mit der von den Eagles, von Mark Knopfler, Tom Petty oder von Eric Clapton.
Heuser: Das ist mir zu simpel. Das wird wohl nur gemacht, weil ich ein deutscher Musiker bin.

Behindert Sie der kranke Mittelfinger Ihrer rechten Hand sehr beim Spielen?
Heuser: Ich habe eine Nervenkrankheit im Finger. Er ist so gut wie gelähmt. Klassische Gitarre kann ich vergessen, selbst das Schreiben tut weh. Am Computer mache ich viel mit der linken Hand. Ich bin froh, dass ich noch das Plektron halten kann.

In Ihrer Jugend haben Sie in Leverkusen Fußball gespielt. Wie sah Ihre Spielweise aus?
Heuser: Ich war im Mittelfeld so eine Art Carsten Ramelow.

Sie haben auch Basketball gespielt und Leichtathletik betrieben. Warum haben Sie mit dem Sport aufgehört?
Heuser: Weil mir einfach neben der Schule die Zeit fehlte. Musik kam schon damals an erster Stelle in meinem Leben.

Wir beurteilen Sie als Fan von Bayer 04 die Entwicklung des Teams?
Heuser: Leider habe ich selten Zeit, um ins Stadion zu gehen. Roger Schmidt ist ein guter Trainer. Aber insgesamt wird mir die Bundesliga durch die zunehmende Kommerzialisierung zu langweilig. Die Bayern kaufen alles, was sie kriegen können. Das ist ätzend. Was die nicht haben wollen, bleibt für Dortmund und Wolfsburg. Und dahinter kommt dann Leverkusen. Uns wurden immer die besten Spieler weggekauft. Wie soll man da eine starke Mannschaft aufbauen? Warum Castro jetzt nach Dortmund wechselt, ist mir ein Rätsel.

Wie man hört, ist Höhner-Sänger Henning Krautmacher auch Fan von Bayer Leverkusen.
Heuser: Das stimmt. Er kann das natürlich als Kölner Stimmungssänger nicht so offensiv kommunizieren. Aber ich kann das ja hiermit für ihn tun. Wir waren übrigens in der selben Grundschulklasse. Damals hatte er aber noch keinen Schnäuzer.

Sie sind in Leverkusen aufgewachsen, dann nach Köln gezogen und leben jetzt seit 20 Jahren in Rodenkirchen. Was hält Sie am Rhein?
Heuser: Ich mag die ganze Region, dazu zähle ich Leverkusen, das man ruhig nach Köln eingemeinden könnte, Bonn, die Eifel, das Bergische Land. Ich habe keine Grenzen im Kopf. Insofern ist das Konzert in Brühl für mich ein Heimspiel.

Die aktuelle CD "57"

Am aktuellen Werk "57" werden Freunde klassischer Rockmusik ihre Freude haben. Es vereinigt harte Rocknummern wie "Talk of the Town" und "Make it better", bei denen der "Major" seine E-Gitarre stark beansprucht, mit wunderbar dahin fließenden Piano-Balladen wie "Pictures and Memories" und "Fullmoon Nights". Mit "Don't cross my Way", das mit einem leichten Bar-Piano unterlegt ist, kehrt Heuser zu seinen Blues-Wurzeln zurück.

"5 a.m." ist ein lässig gespielter Sehnsuchtssong, "Catch the Flame" eine Hommage an den melodiösen Westcoast-Rock der 70er Jahre. Die elektrischen und akustischen Gitarrenparts, die "Major"-typischen messerscharfen Licks und Soli, das elegante Pianospiel in Verbindung mit Bass und Drums als stabiler Rhythmusgruppe sowie Thomas Heinens prägnante, rauchig-warme Rockstimme machen das Album unverwechselbar.

Das Konzert

Die Klaus Major Heuser Band spielt am Samstag, 13. Juni, in Brühl im Hof des Rathauses, Uhlstraße 3. Exakt um 19.57 Uhr beginnt das Konzert, in dem die Band ihre CD "57" vorstellt und auch Songs aus "Men in Trouble" spielt. Karten für 19 Euro im brühl-info, Uhlstraße 1, Brühl, Tel. 0 22 32/7 93 45, oder tickets@bruehl.de. Am Freitag, 6. November, gastiert die Klaus Major Heuser Band im Bonner Pantheon. Karten unter www.pantheon.de.

Zur Person

Klaus Heuser, geboren 1957 in Leverkusen-Wiesdorf, gehört zu den besten deutschen Gitarristen. 1980 stieg er bei BAP ein und entwickelte sich zum musikalischen Kopf der Band, machte aus ihr laut Wolfgang Niedecken durch sein prägnantes Gitarrenspiel eine richtige Rockgruppe. Er komponierte Songs wie "Verdamp lang her" und "Kristallnaach". Den Spitznamen "Major" verpasste die Band ihm, weil er wusste, wie die männliche Hauptrolle in der Serie "Bezaubernde Jeannie" hieß: Major Healey. 1999 stieg er bei BAP aus, weil er neue Projekte angehen wollte.

Er produzierte Alben junger Musiker und brachte die CDs "Major und Suzan" mit Susanne Werth sowie "Men in Blues" und "Live" mit dem Bonner Bluesmusiker Richard Bargel heraus. Mit seiner Klaus Major Heuser Band veröffentlichte er 2013 die CD "Men in Trouble" und 2014 "57", in Anlehnung an sein damaliges Alter. Heuser lebt mit Ehefrau Marion und Sohn Philipp in Rodenkirchen.