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Die Angst der Bonner Theaterszene vor dem Nothaushalt

Die Angst der Bonner Theaterszene vor dem Nothaushalt

Für den Kulturdezernenten Ludwig Krapf sind die Kürzungen unausweichlich - am Dienstag diskutiert der Ausschuss über die "Giftliste" und hofft auf das Beste.

Bonn. Contra-Kreis und Euro Theater Central, Haus der Springmaus und Junges Theater, Bonner Sommerkino, Robert Schuman Institut und Gesellschaft für Kunst und Gestaltung: Vertreter dieser Institutionen und rund zwei Dutzend mehr werden Dienstagabend ganz genau hinhören, wenn der Kulturausschuss die "Giftliste" des Kulturdezernenten Ludwig Krapf diskutiert.

Es geht bei dieser Liste, die zum Teil sehr harte Kürzungsvorschläge für den Bereich der freien Kulturträger beinhaltet, um eine der finanziellen Krise der Stadt geschuldete kulturpolitische Weichenstellung, die für manchen traditionsreichen Kulturanbieter aufs tote Gleis führen kann.

Meinung Lesen Sie dazu auch den Kommentar " Pest oder Cholera"Zwar summiert sich das Spar-Opfer verglichen mit dem Gesamtetat der Stadt auf "nur" rund 1,5 Millionen Euro jährlich ab 2011. Für eine Reihe der 48 "Freien" ginge die Kürzung jedoch an die Existenz (der GA stellte die Details der Streichliste am 22. April vor).

Kulturdezernent Krapf versuchte am Montag im Vorfeld des Ausschusses um Verständnis für die Notwendigkeit der harten Schnitte zu werben. Die Situation 2002, als Krapf in Bonn antrat, sei ganz anders gewesen.

Damals ging es um eine Neuordnung, um Perspektive und Sicherung der Institutionen, "jetzt stehen wir vor einem Haushaltssicherungskonzept, und es droht ein Nothaushalt - dann verliert die Stadt ihre Souveränität, und die freiwilligen Leistungen stehen zur Disposition", sagte Krapf:

"Im Fall eines Nothaushaltes ist das gesamte Tableau konkret gefährdet, dann werden große Teile der Kultur baden gehen." Vor diesem Hintergrund stehe die Giftliste: "Es ist nicht gerade sexy, wenn ich in den letzten drei Wochen meiner Amtszeit Streichungen vorschlagen muss", sagte Krapf, "aber es ist ein Gebot der Ehrlichkeit."

Ganz oben auf der Streichliste stehen, so Krapf, Initiativen im "eigenen Beritt" wie die Schimmel-Lectures oder das Stipendium für verfolgte Schriftsteller. Dann folgen die "Begradigungen", unter die zum Beispiel das Pantheon falle, das "zu Bundeszeiten" offizielle Bonner Termine beherbergte und dafür Geld bekam.

Projektmittel sollen zugunsten des Erhalts einzelner Institutionen gekippt werden. Beim Frauenmuseum, das ursprünglich zwei Drittel seiner Förderung verlieren sollte, will Krapf nachbessern.

Ohnehin sei die Liste "nur ein Vorschlag" für die Politik: Das Volumen stehe fest, die einzelnen Positionen seien Verhandlungssache.

Krapf erwartet ein heftiges Ringen, das insbesondere die Etats der Jahre 2011 bis 2013 betrifft. Zahlreiche Vertreter der "Freien" werden am Dienstag, 18 Uhr, im Ratssaal des Stadthauses erwartet.

Die harten Auseinandersetzungen drohen aber erst im Sommer, sagt (der dann verrentete) Krapf, wenn hinter verschlossenen Türen um Euros gekämpft wird.

Über 10 000 Euro, die noch in Krapfs Liste herumvagabundieren, wird wohl schon am Dienstag gesprochen, die waren für den Posten "Zustiftung Festspielhaus" gedacht.

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Theatergemeinde: "Wir halten es für vollkommen falsch, jetzt den Bereich Jugend, Bildung und Soziales als Alternative zu kulturellen Förderprojekten darzustellen. Gerade in Bonn wurde in den letzten Jahren bewiesen, dass Kultur und Soziales unmittelbar zusammen- gehören", erklärte die Theatergemeinden-Vorsitzende Elisabeth Einecke-Klövekorn. "In diesem Zusammenhang ist es geradezu widersinnig, die Zuschüsse für das erfolgreiche Junge Theater Bonn um über 30 Prozent zu kürzen." "Der Vorstand der Theatergemeinde Bonn hält es für unverantwortlich, traditionsreiche, beim Publikum beliebte Häuser wie das Euro Theater Central und das Kleine Theater durch die komplette Streichung der Zuschüsse zur Aufgabe ihrer für das Kulturleben unverzichtbaren Tätigkeit zu zwingen."

  • Frauenmuseum: Direktorin Marianne Pitzen kritisiert die "größtmögliche Kulturzerstörung", errechnet eine Kürzung um 66 Prozent (die in dieser Schärfe im Kulturausschuss zurückgenommen werden soll) und praktiziert den Konkurrenzvergleich: Der Kunstverein bekomme viel mehr Geld, "hier sehen wir eine erhebliche Ungleichheit, denn das, was wir tun, ist so unterschiedlich nicht".
  • Junges Theater Bonn: "Dass das Junge Theater Bonn ausschließlich für Kinder. Jugendliche und Familien spielt, daher besonders niedrige Eintrittspreise bietet und auch in Zukunft bieten muss, um für Kinder und Jugendliche aus allen Schichten zugänglich sein, wäre ein guter Grund dafür, das Junge Theater Bonn von den Kürzungen auszunehmen oder es allenfalls unterdurchschnittlich zu belasten."
  • Facebook-Protest: Der Protest gegen Kürzungen bei den freien Kulturanbietern hat zur Bildung einer Gruppe im sozialen Netzwerk "facebook" geführt, die "Bonn will seine Kultur behalten!"heißt und unter dem Motto "City kills culture! Bonn!" in den drei Tagen ihres Bestehens 1192 "Freunde" mobilisiert hat. Unter den "Freunden" werden Aktionen wie Zombie-Walk oder Rathaussturm diskutiert.