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Die „gruppe konkret“ feiert ihr 40-jähriges Bestehen: Die Befreiung der Farbe

Die „gruppe konkret“ feiert ihr 40-jähriges Bestehen : Die Befreiung der Farbe

Im Künstlerforum versammeln sich 40 Jahre Kunst der „gruppe konkret“. 19 Mitglieder stellen ihre Werke aus. Das verspricht vielseitigen Kunstgenuss.

Das Künstlerforum ist so gut besucht wie selten bei einer Ausstellungseröffnung. Kein Wunder, denn der Anlass ist das 40-jährige Jubiläum der „gruppe konkret“, und das bedeutet viel Geschichte und ein dichtes künstlerisches Netzwerk, das sich hier versammelt hat.

Die Erzählung beginnt 1981, als sich zehn Künstler aus Bonn und Umgebung zusammenfinden, angeregt von den Arbeiten Leo Breuers (1893-1975), der in seinem Nachkriegswerk das Konstruktive mit dem Poetischen verbindet. Der bis heute unermüdliche Horst Pitzen und seine Galerie Circulus sind damals die Impulsgeber für eine Kunst, die in ihrem Kern die Abstraktion verlassen hat. Konkrete Kunst geht nicht von einem Gegenstandsbezug aus, den sie reduziert, verändert, interpretiert. Konkrete Kunst verweist auf nichts anderes als auf sich selbst – eine radikale und befreiende Idee.

18 Farbtöne und immer neue Rätsel

Wie zeitlos spannend dieser Ansatz geblieben ist, lässt sich in den unterschiedlichen Positionen der derzeit 19 aktiven Mitglieder der „gruppe konkret“ nachvollziehen, die alle ihr ureigenes Regel- und Ordnungssystem aufgestellt haben. So wie Fritz Heerz, der eine Palette aus 18 Farbtönen in immer neuen rätselhaften Variationen und geometrischen Formen zu Bildern zusammensetzt. Auch Jo Kuhn hat die Befreiung der Farbe im Sinn, wenn er mehrere Farbfelder in streng horizontaler Ausrichtung miteinander sprechen lässt. Farbintensiv sind ebenfalls Walter Kreutzbergs und K.P. Kremers Arbeiten. Beide verhelfen der Farbe zu einer Autonomie, die an Mark Rothko erinnert.

Bei den raffinierten Wandobjekten aus farbig bedrucktem Plexiglas von Patrick Alexander Deventer öffnen sich leuchtende Farb-Licht-Räume, die sich in einer physischen Präsenz voller Poesie materialisieren. Dass Poesie nicht farbig sein muss, zeigt Ingrid Hornef, die sich mithilfe eines Würfels der subjektiven Entscheidungsfindung entledigt hat und in der Reihe „alea jacta est“ (der Würfel ist gefallen) den Zufall über die Komposition bestimmen lässt.

Strenges künstlerisches Konzept verhindert alles Überflüssige

In der konkreten Kunst werden keine – oder selten – Anekdoten erzählt. Ein strenges künstlerisches Konzept verhindert alles Überflüssige, das Ornament hat hier keinen Platz. Wie man an den dunkelblauen Lack-Objekten von Veronika Rodenberg, den Stahlskulpturen von Riki Mijling und den Arbeiten aus geschöpftem Gras von Eva Maria Andresen sehen kann, lässt diese formale Zurückhaltung viel Raum für die Entfaltung und Betonung des Materials. Freiraum heißt vielleicht auch das Erfolgsgeheimnis einer Künstlergruppe, in der unterschiedliche Bekenntnisse zur konkreten Kunst ihr ästhetisches Zuhause gefunden haben.

Künstlerforum, Hochstadenring 22, bis 14. November, Di-Fr 15-18, Sa 14-17, So 11-17 Uhr, Katalog 10 Euro. Führung mit Fritz Heerz am 7.11. um 14.30 Uhr.