1. News
  2. Kultur & Medien
  3. Regional

Die düstere Dramatik eines musikalischen Erdbebens

Die düstere Dramatik eines musikalischen Erdbebens

Haydns "Sieben letzte Worte" in der Bonner Remigius-Kirche

Bonn. Der Reigen der vorösterlichen Oratorien- und Passionsaufführungen wurde in der sehr gut besuchten Remigius-Kirche mit einem oratorischen Werk Joseph Haydns eröffnet, das man eher in der Streichquartett-Fassung kennt: "Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze." Kammerchor und Kammerorchester Röttgen (letzteres einstudiert von Friedrich-Bernhard Hausmann) hatten unter der Gesamtleitung von Marc Mönig das Werk erarbeitet.

Der Gedanke, diese Instrumentalpassion, des besseren Verständnisses wegen, in ein Oratorium umzuwandeln, stammte nicht von Haydn selbst, sondern von Joseph Friebert. Haydn hörte die vokale Einrichtung 1794, prüfte sie und beschloss, auf dieser Basis und mit notwendigen Textänderungen durch van Swieten, eine Neufassung zu schaffen für Chor und Solostimmen, unter Einfügung eines majestätischen Bläsersatzes.

Es war nun durchaus beeindruckend und bewundernswert, mit welcher Sicherheit und weitgehenden intonatorischen Genauigkeit und vor allem auch klangdynamischen und ausdrucksgestalterischen Bandbreite und Intensität Chor und Orchester diese geistliche Musik zu realisieren wussten, unter der suggestiven Zeichengebung Marc Mönigs.

Von ganz besonderer Wirkung war dann am Ende die düstere Furioso-Dramatik des Erdbebens. Auch die vier Gesangssolisten konnten sich hören lassen mit ihren stark in die Fakturen der Chöre integrierten Partien; es waren dies Elisabeth Kaiser (Sopran), Evelyn Krahe (Alt), Thomas Iwe (Tenor) und Christopher Adams (Bass).

Eine Besonderheit der Darbietungsform - die den fortlaufenden Fluss der Musik freilich immer wieder unterbrach - bestand darin, dass die "Sieben Worte" jeweils zuvor gesprochen und dann in eigene Betrachtungen eingekleidet wurden durch Carl-Ernst Kattwinkel, einen evangelischen Pfarrer im Ruhestand.