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Ausstellung im Arp Museum: Die Kunst des Dreiklangs

Ausstellung im Arp Museum : Die Kunst des Dreiklangs

Spektakuläre Ausstellung der großen britischen Bildhauerin Barbara Hepworth im Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen

Barbara Hepworth (1903-1975) hatte einen Traum, und den setzte sie seit Mitte der 1930er Jahre – geeignete Computersoftware war noch nicht erfunden – mittels Fotocollagen um: Da sah man dann die fließenden Umrisse und organischen Formen ihrer Arbeiten mitten in großzügigen Architekturen der Moderne. Das Arp Museum Rolandseck erfüllt nun 41 Jahre nach dem Tod der Bildhauerin und fast genau 50 Jahre nach der letzten großen Ausstellung in Deutschland Hepworths Traum: Richard Meiers wunderbarer Museumsbau verströmt exakt die Leichtigkeit und Durchlässigkeit, die Proportionen und Raumentwicklungen der Moderne, die Hepworth sich gewünscht hat. Ihr angestrebter Dreiklang von Skulptur, Natur und Architektur kann sich in diesem weißen Bau am Hang über dem Rhein wunderbar entfalten. Und das auch noch in Tuchfühlung mit dem von der Bildhauer-Lady so verehrten Hans Arp.

1933 wollte sie ihn in Meudon besuchen, traf aber nur Sophie Taeuber-Arp an, konnte immerhin Arps Arbeiten im Atelier bewundern. „Als ich Arps Werke zum ersten Mal sah, hat es mich enorm befreit und mit geholfen, die Figur in der Landschaft ganz neu zu begreifen“, erinnert sie sich, „indem er alle Vorgaben des Materials abschüttelte, konnten seine Ideen jede denkbare Grenze überwinden“. Diese Zeilen lesen sich wie eine Werk-Agenda, die Hepworths Arbeit begleitet und definiert. Es gibt nur wenige Künstler, die wie sie auf der Materialseite derart experimentierfreudig waren und so sinnlich mit ihrem Werkstoff und den Formen operierten.

In der Ausstellung erlebt man eine Künstlerin, die mit der Technik des „Direct Carving“ unmittelbar physisch auf das Material einwirkt. Ganz am Anfang steht ein wie ein Handschmeichler anmutender steinerner Frosch. Weitere Tiere und menschliche Figuren schließen sich an, Hepworth treibt die Abstraktion voran, entdeckt das Holz als bevorzugten Werkstoff, verwendet exotische Tropenhölzer. Die Schau zeigt Hepworth eingebettet in die britische Bildhauerszene. Man sieht ihre Arbeiten neben Skulpturen ihres Studienkollegen Henry Moore, Jacob Epstein und anderen – ahnt einen großen Einfluss durch Künstler wie Maillol, Laurens und Brancusi.

In einem nächsten Schritt beleuchtet die Schau die so enge wie Bohème-hafte Atelier- und Lebensgemeinschaft von Hepworth und ihrem zweiten Gatten, Ben Nicholson, in den 1930er Jahren. Umgeben von Kunst und Krempel hausen und arbeiten Ben und Barbara umringt vom kleinen Paul aus Hepworths erster Ehe und den 1934 geborenen Drillingen Simon, Rachel und Sarah. Erstaunlich vor diesem Hintergrund, wie künstlerisch produktiv die Bildhauerin in jenen Jahren war. Eine entscheidende Phase in ihrem Oeuvre, geprägt vom intensiven künstlerischen Dialog mit Nicholson und der in der Gruppe Abstraction-Création versammelten internationalen Avantgarde.

Hepworth arbeitet sich unermüdlich nach oben, beginnt, das Innere ihrer Skulpturen zu erkunden – „Sphere with Inner Form“ etwa steht im Fenster des Meierbaus zwischen Raum und Natur –, wird raffinierter im Umgang mit dem Material. Bald arbeitet sie mit nigerianischem Guarea-Holz, das die warme Anmutung des Kastanientons hat. 1950 wird sie mit Moore zur Biennale von Venedig eingeladen, 1955 und 1959 ist sie bei der Documenta. Die Rolandsecker Schau zeichnet diesen Weg mit 140 Exponaten nach und verrät durch bislang unveröffentlichte Dokumente, wie Hepworth selbst ihre Kunst in Szene setzte und ihre Karriere damit pushte.

In Kooperation mit der Tate Britain und dem Kröller-Müller-Museum Otterlo serviert das Arp Museum seine bislang wohl schönste Ausstellung, die leider eine Frage unbeantwortet lässt: Warum Moore hierzulande so populär ist, während seine exzellente Kollegin erst wiederentdeckt werden muss.

Arp Museum Rolandseck; bis 28. August. Di-So 11-18 Uhr. Eröffnung: Sonntag, 11 Uhr