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Bonner Kunstpreisträgerin: Die skurrile Welt der Dinge

Bonner Kunstpreisträgerin : Die skurrile Welt der Dinge

Die Kunstpreisträgerin der Stadt Bonn Anna Lea Hucht präsentiert im Kunstmuseum ältere Werke und Aquarelle, die von ihrem Paris-Stipendium inspiriert sind.

Der gezeichnete Raum ist eine Bühne, hat etwas Puppenstubenhaftes und ist dennoch irritierend, möbliert mit Dingen, die nicht zusammenpassen mögen: ein weicher Pouf-Hocker, eine 50er-Jahre-Tütenlampe, ein Stuhl. An der Wand hängt Abstraktes, ein wild gemusterter Perserteppich bedeckt das Parkett. Es geht leicht wuselig zu auf der Bühne, die von einem riesigen, auf der Seite liegenden Frauenkopf dominiert wird.

Dessen Blick fixiert den Betrachter, das aufdringlich gemusterte Kopftuch fällt ins Auge. Anna Lea Hucht hat offenbar Spaß an wild Gemustertem, an Texturen und surrealen Begegnungen zwischen Menschen und Dingen. Mit einer technischen Raffinesse und akkuratem Können, das man bei Künstlern ihrer Generation – die gebürtige Bonnerin ist Jahrgang 1980 – nur selten findet, aquarelliert sie Detail um Detail, konstruiert sie minuziös ihre kleinen surrealen Welten.

Alles mutet wie eine historisch grundierte Feinmalerei aus dem niederländischen Goldenen Zeitalter an, mit allen Zutaten, die jene Kunst so unwiderstehlich und erfolgreich machten: Klar umgrenzter Raum, optisch-virtuose Gimmicks wie Muster und Stoff-Texturen, fotorealistisch abgemalte Vasen und Möbel, Konvexspiegel, die eine neue kleine Welt eröffnen, und eine stringent angewendete Zentralperspektive.

Skurriles, bizarres Personal

In dieses Ambiente führt Hucht ihr skurriles, bizarres Personal ein: Menschen mit Masken, Wesen mit langen Hälsen in verrückter Garderobe. Eine abgedrehte Welt der Dinge, altmeisterlich gemalt. Ihr Werk fiel bereits auf, als sie 2009 im Bonner Kunstverein ausstellte. 2011 bekam sie den Grieshaber-Preis der VG Bild-Kunst in Bonn, 2015 dann den Kunstpreis der Stadt Bonn. Sie ist die vierte Preisträgerin nach dem neuen Modus, der ein Arbeitsstipendium in einer der Städte beinhaltet, in der die in Bonn ansässige IVG – Sponsorin des Stipendiums – Niederlassungen hat.

Anna Lea Hucht wählte Paris mit seinen Museen, Galerien, ethnologischen Sammlungen und Wunderkammern. Eine Wahl, die ihrem Werk nahekommt und sichtlich für neue Impulse sorgte, wie ihre Kunstpreisausstellung im Kunstmuseum zeigt, die am Mittwochabend eröffnet wurde.

Paris bot den Fundus an Dingen, der nun zu der Schau und dem ausgezeichneten Katalog „Zwischen den Dingen“ führte. „Ich habe in Paris aufgetankt“, sagt sie und verweist auf die dort entdeckte afrikanische Kunst, die sowohl in ihren Aquarellen auftaucht als auch in den wunderbaren Keramiken, die in Paris begonnen und abschließend in Berlin gebrannt wurden.

Im Kunstmuseum sind sie sehr eindrucksvoll präsentiert, die organisch geformten Gefäße, die mit der Bodenplatte verschmelzen, die an präkolumbische Vasen erinnernden Köpfe. Wie sie zu ihren Konstellationen kommt, verrät Hucht nicht, vieles sei rein intuitiv, sagt sie, sie will keine Geschichten erzählen oder Situationen inszenieren. Die Dinge kommen ihr in den Sinn und fügen sich in ihre Kunstwelt. Interessant ist ihr Fundus, ihr Bildrepertoire aus Fotos, das im Katalog ausschnittweise dokumentiert wird: Exotische Objekte, Alltagsdinge, Skulpturen, Teppiche und Interieurs sind da zu sehen. In Paris ist Einiges dazugekommen.

Kunstmuseum Bonn; bis 22. Januar 2017. Di-So 11-18, Mi bis 21 Uhr. Katalog (Verlag für Moderne Kunst) 25 Euro