"Die Sonne auf der Zunge" im Bonner Theater im Ballsaal

bonn · Es ist eine Art düsterer Sonnengesang, was der Autor Werner Fritsch (sein Stück "Fleischwolf" wurde 1992 am Schauspiel Bonn uraufgeführt) für das Kölner "A.Tonal Theater" geschrieben hat. "Die Sonne auf der Zunge", als "multimediale Performance zur Utopie einer Utopie" inszeniert von Jörg Fürst, beleuchtet die Zukunft vom fernen Gestern aus.

Der griechische Mythos der von Hades in die Unterwelt entführten Zeustochter Persephone steht am Anfang der Zeitreise im Theater im Ballsaal, die über den realen Bericht der alten Romafrau Courasch vom Grauen im KZ Auschwitz bis über den 11. September hinausführt - "wo auch immer New York steht/geschrieben in der Chronik des Nichts".

Drei Frauen in knappen Glitzerkostümen (Alexe Limbach, Andrea Höhler und Christine Stienemeier) präsentieren den Text mit sparsamen Gesten, lösen einzelne dramatische Fäden aus dem Prosageflecht der Grausamkeiten und geben dem lyrischen Grundton einen ungemein präzisen Rhythmus.

Ein eigenes Totentanz-Konzert dazu liefern live die Cembalistin Angela Hoppenwallner und der Komponist Norbert Rodenkirchen, der mit alten Instrumenten, elektronischen Klängen und einem feinen Flötensolo subtile musikalische Tiefendimensionen ins Bühnengeschehen mischt.

Die transparente Rauminstallation von Jana Denhoven eröffnet geometrische Denk-Schauplätze. Der kroatische Videokünstler Valerij Lisac nimmt die Zuschauer mit auf eine Highway-Autofahrt in die graukalte Stadtwüste. Zwischen Asche und blutigem Sand zelebrieren die alterslosen Frauen ihre ritualisierten Lebensvisionen wie die biblischen drei Jünglinge im Feuerofen.

Noch einmal am Samstag, 20 Uhr. Karten: (0228) 797901.

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