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Ausstellung im Projektraum B12: Die Welt hinter der Welt

Ausstellung im Projektraum B12 : Die Welt hinter der Welt

Fotorealistische Malerei und malerische Fotografie: Nina Herold und Hei van der Berg mit neuen Arbeiten im Projektraum B12

Was will uns der Mann mit seinen Rauchzeichen aus dem Mund sagen? Und was verbirgt sich hinter dem Vorhang in dem Raum mit dem Schachbrettboden? Es sind die ins Surreale gewendeten Momente und Geschichten in der Malerei von Nina Herold sowie die leichte Verschiebung der Perspektiven und die ausschnitthaften Raumansichten bei den Arbeiten von Hei van der Berg, die die Doppelausstellung in Nika Rossmüller-Schmidts Bonner Projektraum B12 spannend machen. Beide Künstlerinnen, Herold aus Bonn, van der Berg aus Köln, sind mit jeweils mehreren Dutzend Werken in der Schau vertreten, die unter dem Titel „Side Scenes und andere Ansichten“ fotorealistische Malerei und malerische Fotografie in einen aufregenden Dialog bringt.

Wasser scheint das Element von Herold zu sein. Allerlei Meeresgetier tummelt sich im blauen Licht, das so anders ist als das oberhalb der Wasserfläche. Wenn dann auch noch der Porscheschlüssel oder die Pistole über Bord gehen und ins Wasser fallen, macht Herold daraus ein malerisches Kabinettstück mit Luftblasen, Verzerrungen und Reflexen. Natürlich fragt man sich, wie es dazu kommen konnte, was vor der Wasserszene geschah. Das sind die Geschichten, die sich alleine im Kopf abspielen.

Herold liefert nur Hinweise, zeigt etwa Filmstills aus Filmen von James Bond oder aus „Brokeback Mountain“. Oder in Großaufnahme den Blick in ein Taxi im Senegal, bei dem wieder vieles nur angedeutet wird: ein Ausschnitt Straße, der von Totenköpfchen umsäumte Autospiegel, in dem ein schlafendes Kind zu sehen ist, ein plüschiges Interieur. „Welt hinter der Welt“ nennt Herold die Werkgruppe, zu der neben der Taxi-Innenansicht zwei surreale Porträts ihres Großvaters Sascha Mesched gehören. Zur rätselhaften Welt der Nina Herold gehört auch ein Gemälde, das sie „mein Corona­bild“ nennt. Man sieht den muskulösen, tätowierten Arm eines Unbekannten, der eine Wahrsagerkugel hält, die aus sich selbst zu leuchten scheint und die einzige Lichtquelle in dieser düsteren Malerei ist. Ein irritierendes, latent aggressives Bild.

Irritation in gekippten Räumen

Irritierend sind Hei van der Bergs Arbeiten auch, allein schon, weil sie den Standort des Betrachters fortwährend relativeren, die Fantasie herausfordern und das Gedächtnis auf die Probe stellen. Manche Situation meint man genau zu kennen, und doch trügt die Erinnerung. Die Künstlerin geht mit der Kamera durch Ausstellungshäuser. Wobei sie sich weniger für den Inhalt interessiert als für die Infrastruktur, in erster Linie Treppen. Deren Stufen mutieren optisch gekippt oder im Aquarell ausgearbeitet zu autonomen Gegenständen. Wir sehen eine Deckenlampe aus dem Metropolitan in New York, Bodenfliesen der Villa Hügel in Essen, einen Gitterzaun vom Arp Museum Rolands­eck, Treppenstufen des Von-der-Heydt-Museums und – verschneit – vor dem Museum Morsbroich in Leverkusen. Aus dem architektonischen Kontext gerissen, wirken die Gegenstände wie Skulpturen im neutralen Raum.

Die Fotografien, die im Projektraum B12 zu sehen sind, entstanden vor der Corona-Pandemie, wie die Künstlerin verrät. Die meisten Papierarbeiten hat sie während des Lockdowns geschaffen, teils geometrisch exakte, teils malerisch freie Umsetzungen der Fotos.

B12, Baumschulallee 12; bis 22. August. Fr 18-20, Sa 17-19, So 12-15 Uhr. Und nach Vereinbarung: 0176/20 28 45 28 und 0173/5 41 11 27