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Brückenforum, Trinitatis und Kammermusiksaal: Diese musikalischen Höhepunkte gab es am Wochenende

Brückenforum, Trinitatis und Kammermusiksaal : Diese musikalischen Höhepunkte gab es am Wochenende

Es war ein regelrechtes Bonner Konzertwochenende mit einem klangvoller Bauernhof für Kinder im Brückenforum, den Brahms-Tagen in Trinitatis und einem Abend in A-Dur im Kammermusiksaal.

Die Lust an gemeinsamem Musizieren war beim vierten Abend der 12. Brahms-Tage in der Trinitatiskirche unmittelbar zu erleben: James Maddox, Spiritus rector des kleinen aber feinen Endenicher Kammerfestivals, hatte sich mit Michael Faust, Flöte, und Johannes Wohlmacher, Violoncello, zwei alte Fahrensleute an den Ersten Pulten des WDR Sinfonieorchesters eingeladen, um Sonatenwerke von Joseph Haydn, Carl Maria von Weber, Carl Reinecke und Sergej Prokofiev zu musizieren – ein Brahms-freier Abend; und somit stand einem humorvollen Lächeln bei der Ausführung nichts im Wege. Das galt in maskenhaft verzerrter Form auch für Prokofievs Sonate für Violoncello und Klavier in C op. 119, die sich, ähnlich der Kammermusik seines Zeitgenossen Schostakowitsch, mit camouflierter Ironie kritisch mit dem Sowjetregime auseinandersetzt. Zuvor war mit Reineckes eher rarer Flötensonate in e-Moll op. 167 mit dem Untertitel „Undine“ ein Werk zu hören, dem seine Interpreten fast schon impressionistische Züge abzugewinnen verstanden.

Den Programmrahmen bildeten je eine Trio-Sonate klassischer und romantischer Provenienz: Haydns Hoboken XV:15 in G, die dem Cello noch weitgehend „nur“ stützende Funktion beimisst, in frischer, delikater, im Finalsatz augenzwinkernder Darbietung, und Werbers Opus 63 g-Moll, das seine Ausführenden auf Augenhöhe musizieren lässt, mit launigen Volksliedanklängen im Andante und seinen kaum zu überhörenden Motiv-Floskeln aus der romantischen Jägeroper „Der Freischütz“. Bei aller Lockerkeit wurde auf exzellentem Niveau musiziert, wobei insbesondere der in großer Klarheit strahlend warme Ton der Flöte faszinierte. ⋌

In einen klangvollen Bauernhof verwandelte sich am vergangenen Sonntag das Brückenforum beim vorerst letzten Kinderkonzert des Beethoven Orchesters in dieser Saison. Denn an diesem Vormittag war das Publikum zu einer Schweinehochzeit eingeladen. Aber nicht zu irgendeiner, sondern zu der Hochzeit von Schwarte und Ringelschwänzchen, den beiden Schweinen aus Helme Heines Kinderbuchklassiker „Na warte, sagte Schwarte“. In Musik gefasst hat die Geschichte auf kindgerechte Art Andreas N. Tarkmann, gespielt wurde sie vom Beethoven Orchester unter der Leitung von Daniel Mayr.

Doch zunächst stimmte Moderatorin Janina Burgmer das Publikum auf die eigentliche Geschichte ein: Los ging es mit dem eigens komponierten Kinderkonzert-Song. Dabei war sie nicht alleine, denn an diesem Vormittag wurden Orchester und Moderatorin von nicht weniger als drei Grundschulklassen aus Bonn unterstützt – da hatte sich einiges an Gesangspower auf der Bühne des Brückenforums versammelt! Und auch für die kleinen Besucher war zunächst Mitmachen angesagt: Beim Nachmachen von Tiergeräuschen, beim Singen diverser Lieder, u.a. dem Matschepfützen-Lied von Burgmer selbst und beim Tanzen.

Nachdem Publikum und Chöre in einem rasanten Kanon den Weg zum Bauernhof gefunden hatten, folgte das Orchester mit Offenbachs „Can-Can“, so dass dann alle eingeladenen Gäste auf dem Bauernhof versammelt waren. Wunderbar lautmalerisch mit Schwarte in der Tuba und seiner Angetrauten Ringelschwänzchen im Horn (passend zum geringelten Schwanz also das geringelte Instrument) illustrierte das Beethoven Orchester unter Mayrs Leitung die Geschichte des beliebten Kinderbuchs. Vom Einfall, die vergessenen Kleider aufzumalen, über das Hochzeitstänzchen hin zum aufgemalten Himmelbett für die frisch Vermählten – dank Burgmers Schilderungen und der musikalischen Illustration entstand dies vor dem inneren Auge.

Mit großem Applaus für alle Beteiligten, die Großen, aber vor allem die zahlreichen Kleinen in den Chören, ging der musikalische Ausflug zur Schweinehochzeit zu Ende. Das nächste Kinderkonzert des Beethoven Orchesters findet im Herbst statt.

Einen Abend in A-Dur bescherte das Duo Niklas und Nils Liepe im Kammermusiksaal, denn sowohl Franz Schuberts Grand Duo (D 574) als auch Ludwig van Beethovens Sonaten op. 30,1 und op. 47 sind in dieser Tonart komponiert worden. Eintönig war es dennoch nicht, was die beiden Violine beziehungsweise Klavier spielenden Brüder ihrem Publikum boten, und dafür waren nicht nur die vier Stücke op. 7 von Anton Webern verantwortlich. Sie waren das bunte i-Tüpfelchen in einem ansonsten durchweg klassischen Programm. Durch ihren extrem komprimierten und expressiven Stil schlummert hier in nur wenigen Takten mitunter ein ganzes Universum, so detailliert und subtil setzt Webern alle musikalischen Parameter ein. Auch für die Interpreten ist das eine Herausforderung, gilt es doch maximalen Ausdruck in minimaler Zeit zu erzeugen, eine Aufgabe, die die beiden Liepe-Brüder meisterlich absolvierten.

Die beiden Beethoven-Sonaten gelangen ausgezeichnet. War bei op. 30 vor allem im Kopfsatz noch das in vielen Passagen ungemein feinfühlige Unisono-Spiel beider Brüder bemerkenswert, das von ausgesuchter Qualität war, beeindruckte die sogenannte Kreutzersonate mit einer grandiosen, das musikalische Geschehen stets vorwärtstreibenden Intensität. Niklas Liepe trimmte seine Geige eben nicht immer auf betulichen Schönklang und auch Nils Liepe setzte am Klavier auf harte Schnitte und markige Akzente. Begonnen hatte der Abend mit Franz Schuberts Grand Duo. Entspannt, fast lässig gingen die beiden Brüder den Kopfsatz an und ließen sich auch im maßvoll schwungvollen Finale nicht aus der Ruhe bringen. In der Ruhe liegt die Kraft. ⋌