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Dirk Kaftan dirigiert erste Konzerte der Beethoven-Orchester-Saison

Beethoven Orchester Bonn spielt unter Corona-Bedingungen : 13-jähriger Virtuose am Klavier

Auf dem Programm im Opernhaus und in der Telekom-Zentrale steht ganz viel Beethoven. Der hochbegabte Pianist Colin Pütz aus Niederkassel komponierte selbst die Kadenzen.

„Wir sind so glücklich, heute wieder für Sie zu spielen“, begrüßte Bonns Generalmusikdirektor Dirk Kaftan am Freitagabend im Opernhaus sein Publikum, das wegen des Hygienekonzepts der Oper freilich nur in überschaubarer Zahl gekommen war. Doch elitär soll’s deshalb in Bonn nicht werden. Am kommenden Freitag  dirigiert Kaftan dasselbe Programm noch zwei weitere Male: um 18 Uhr und 20.30 Uhr. Trotz leerer Reihen war die Stimmung im Publikum jedoch ausgezeichnet, was natürlich auch mit den musikalischen Darbietungen des Beethoven Orchesters zu tun hatte. Eröffnet wurde das Programm mit einem Bonner Frühwerk: dem Rondo B-Dur WoO 6 für Klavier und Orchester.

Dazu passte es, dass man dem jugendlichen Komponisten einen jugendlichen Interpreten als Solisten an die Seite stellte. Colin Pütz heißt er, ist 13 Jahre alt, kommt aus Niederkassel und spielt wie ein junger Gott: geschmeidig, virtuos und mit einem ausgeprägten Klangsinn. Wie stark er sich in die musikalische Welt des jungen Ludwig van Beethoven einzufühlen vermag, wurde besonders deutlich in den Kadenzen, die er mit größter Stilsicherheit selbst komponiert hatte. Das Publikum überschüttete den sympathischen jungen Virtuosen mit Applaus, wofür er sich mit einem Satz aus den frühen Kurfürsten-Sonaten Beethovens bedankte.

Erst kam die Trauer, dann die Feier des Lebens

Im Anschluss wurde es mit dem  Adagio für Streicher von Samuel Barber sehr emotional. Unter Kaf­tans Leitung spielte das Orchester diese Weltschmerzmusik mit wunderbarer klanglicher Wärme. Nach dieser Trauermusik feierten sie mit Beethovens Sinfonie Nr. 7 das Leben — selbst der Trauermarsch wird hier in einem Allegretto-Tempo vorgetragen. Kaftan feuerte die Musiker mit wirbelnden Gesten an, was sich im Ergebnis auch hörbar in der Musik widerspiegelte. Mag sein, dass auch das Spielen im Stehen, das sie in diesem Werk ausprobierten,  dem Ausleben der temperamentvollen Musik förderlich ist. Das Publikum war am Ende begeistert.

„Beethoven pur“ in der Telekom-Zentrale

„Für Experten und Entdecker, für alte Hasen und Frischlinge: Beethoven und Talk zu allen neun Sinfonien“: „Lenny“ Bernstein hätte seine helle Freude am Konzept dieser neuen Reihe des Beethoven Orchesters gehabt: Denn mit „Beethoven Pur“ tritt Bonns Generalmusikdirektor Dirk Kaftan ein wenig die Fußstapfen seines großen Kollegen Leonard Bernstein, der mit seinen legendären „Young People’s Concert“-Vorträgen das Publikum seinerzeit begeistern konnte. Dies schaffte auch Kaftan zusammen mit seinem Dramaturgen Tilmann Böttcher exzellent. Ihre bei aller Ernsthaftigkeit unakademischen, salopp formulierten und oft spontan wirkenden Anmerkungen zu Beethovens sinfonischem Erstling riefen bei den Zuhörern in der Telekom-Zentrale manches Schmunzeln hervor.

Im Mittelpunkt dieses informativen wie unterhaltsamen „Talks“ stand Beethovens radikale Abgrenzung gegenüber seinem Lehrer Joseph Haydn und damit der um die Wende zum 19. Jahrhundert ausgereizten sinfonischen Form.

Authentisches Klangbild

Begonnen wurde in C-Dur mit Beethovens op. 21, das, der Corona-Pandemie geschuldet, in reduzierter Besetzung (in deutscher Sitzordnung: je vier Violinen, drei Bratschen, zwei Celli, ein Contrabass, einfache Bläser und Pauke) gespielt wurde, und zwar stehend. Auf solche Weise kommt man vielleicht auch einem authentischen Klangbild, das nach heutigen Maßstäben ein eher kammermusikalisches gewesen sein mag, auch auf modernen Instrumenten etwas näher.

Insbesondere im dritten wie im attacca folgenden Final-Satz entfachte Kaftan dabei ein vor Energie nahezu berstendes Furioso, dass es pure Lust war, diesen Beethoven so zu erleben.